Rainer Kleedörfer schiebt die Energiewende mit an: beruflich beim Energieversorger N-ERGIE, privat beim Bund Naturschutz.

Text: Thorsten Rienth; Porträt: Bernhard Haselbeck

Schon zu Jugendzeiten hat ihn geärgert, wie der Mensch mit seiner Umwelt umgeht, ohne an die Zukunft zu denken. „Damals wurde noch deponiert“, erzählt Rainer Kleedörfer. „Alles in die Grube. Vom Auto über die Waschmaschine bis zum Hausmüll.“ Grube zu. Erde drüber. Aus den Augen. Aus dem Sinn. Aus dem Jungen von damals ist ein Mann geworden, der seit Jahrzehnten im Berufsleben steht. Das Umwelt-Verhalten des Menschen ärgert ihn immer noch. Aber Kleedörfer ist in einer Position, die zumindest regional eine ordentliche Hebelwirkung entfalten kann: Er arbeitet als Bereichsleiter Unternehmensentwicklung beim Nürnberger Energieversorger N-ERGIE und in gleicher Funktion auch für den Schwester-Konzern VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft und das Mutterunternehmen Städtische Werke Nürnberg GmbH. Ein Job, in dem es nur noch ein bisschen ums Heute geht. Mehr ums Morgen. Und noch viel mehr ums Übermorgen.

Offenheit für die Transformation

Zuvor absolvierte Kleedörfer nach einer Ausbildung zum Energiegeräteelektroniker ein kaufmännisches Studium. Dann stieg er in den technischen Großhandel ein, wo er für die kaufmännische Leitung sowie die Logistik verantwortlich war. Als er 2002 zur Netzsteuerung von N-ERGIE kam, waren Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplungen, Windkraftanlagen oder Photovoltaikanlagen politisch wie gesellschaftlich noch Randthemen, die manchmal belächelt wurden. Wenn er heute von ihnen oder dem gigantischen Energiespeicher in Form des bundesdeutschen Gasnetzes spricht, in das nun endlich auch grüner Wasserstoff gehöre, lächelt niemand mehr. „Dass jemand die Klimakrise bezweifelt, kommt praktisch nicht mehr vor. Die allermeisten stehen der Transformation offen gegenüber“, so Kleedörfer. „Viele machen sich Sorgen.“ Um die Welt ihrer Enkel. Um das Windrad direkt vor der eigenen Terrasse. Um die Rechnung für die Heizung.

Einsatz im Büro und vor Ort

Für Rainer Kleedörfer, der 2007 die Leitung des Controllings bei N-ERGIE übernahm und seit 2011 Unternehmensentwicklung und Beteiligungsmanagement im Konzern-Verbund verantwortet, ist „es enorm wichtig, neben dem Büro auch viel vor Ort zu sein“. Zum Beispiel in Bergrheinfeld im Landkreis Schweinfurt. Dort präsentierte im Sommer 2021 ein Landwirt mit Lokalpolitiker:innen ein Blühwiesenprojekt. Kleedörfer stand mit Outdoor-Schuhen, Jeans, hellem Hemd und schlichtem Jackett mit in der Runde.

Energiewende als Riesenaufgabe

Auf solche Termine legt er Wert: „Die Bürger:innen, Unternehmen und Kommunen entscheiden vor Ort, wann und wie sie investieren. Auch die Akzeptanz für neue Windräder, Freiflächenphotovoltaik, Umspannwerke oder Stromtrassen entscheidet sich dort, wo die Anlagen täglich sichtbar sind. Gerade da muss die Sinnhaftigkeit der einzelnen Schritte für die Energiewende erkennbar werden.“ Schönreden will er sie nicht. „Wir sind gerade erst am Anfang des Weges. Und der wird eine Riesenaufgabe“, ist seine Einschätzung. Trotz allem betrachte er das Glas eher als halb voll als halb leer. „Wir haben die riesige Chance, die Transformation wirklich voranzubringen.“ In leitender Funktion in der Unternehmensentwicklung oder als fachlicher Sprecher für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung der Europäischen Metropolregion Nürnberg. Und auch direkt an der Basis. Dazu gehört auch sein Wohnort Röthlein, ein 5.000-Einwohner-Ort nicht weit vom Main. Vor zwei Jahren bildete sich hier eine Bund-Naturschutz-Ortsgruppe. Seither ihr stellvertretender Vorsitzender: Rainer Kleedörfer.

Dieses Porträt ist im Geschäftsbericht der Thüga erschienen, den sie hier finden.