In einem gemeinsamen Reallabor testen die Energieversorgung Mittelrhein (evm) und das Kompetenzcenter Innovation der Thüga moderne Smart-City-Lösungen für Koblenz. Die „Klimastraße“ wird mehrere Anwendungen miteinander verbinden: Parkraumüberwachung, Ladeinfrastruktur, Emissions- und weitere Sensorik. Im September sollen die ersten Anlagen in Betrieb gehen.  

Die „Klimastraße“ wird im viel befahrenen oberen Teil der Löhrstraße umgesetzt, die sich in der Stadtmitte von Koblenz befindet. Ein Teilbereich ist das Projekt Smart Parking, das aus Mitteln des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017-2020“ der Bundesregierung gefördert wird. Der Testbetrieb für die verschiedenen Anwendungsfälle in der Klimastraße soll für mindestens 18 Monate laufen.

Weniger Parkplatzsucher

„Dazu statten wir in einem Teil der Straße die Straßenlaternen mit Overhead-Sensoren aus“, erklärt Claudia Probst,  Projektleiterin bei der evm. „Mittels einer anonymisierten Bildanalyse erkennen sie die Belegung einzelner Parkplätze.“

LoRaWAN Bodensensor neben Elektrofahrzeug der evm ©evm/Sascha Ditscher

LoRaWAN-Bodensensoren melden Autofahrern freie Parkplätze über digitale Anzeigentafeln und per App. ©evm/Sascha Ditscher

Ein Sensor kann bis zu hundert Parkplätze erfassen. Zusätzlich werden LoRaWAN-Parksensoren im Boden angebracht. Sie sind relevant für Stellplätze, die Overhead-Sensoren nicht erkennen können – beispielsweise aufgrund von Sichteinschränkungen oder fehlendem Dauerstrom. Über digitale Anzeigetafeln an den Kreuzungen erfahren die Autofahrer, wie viele Parkplätze in der Straße frei sind. „Wir wollen im Projekt herausfinden, ob sich eine Sensorik als praktikabler als die andere erweist und ob beide problemlos zusammenspielen können“, sagt Marie Hartz aus dem Thüga-Kompetenzcenter Innovation. „Außerdem nehmen wir an, dass wir durch den reduzierten Parksuchverkehr die Emissionswerte und das  Gefahrenpotential senken können, was wiederum die Bevölkerung positiv bewerten wird – auch das wird sich im Projekt zeigen.“

Bessere Luft

Die ersten Verträge mit den entsprechenden Dienstleistern sind bereits abgeschlossen. „Im Juni identifizieren wir die genauen Standorte für die Sensoren und IoT-Schnittstellen und stimmen sie mit der Stadt Koblenz ab. Danach werden wir weitere Antennen und Sensoren montieren und in Betrieb nehmen“, sagt Claudia Probst. Dann folgen die Installation der LED-Displays und die Nullmessung der Luftqualität. Denn das Ziel der Klimastraße ist, außer dem Parksuchverkehr auch die Schadstoff-Emissionen zu verringern. Über LoRaWAN und andere Mess-Anwendungen kann die Luftqualität überprüft und die Zahl der Radfahrer und Fahrzeuge festgehalten werden.

Laden an der Laterne

Laden an der Laterne

Smart City: Symbolgrafik

Im Reallabor können Thüga-Partnerunternehmen innovative Smart-City-Anwendungen unter realen Bedingungen erproben. Denn bei neuen Geschäftsmodellen ist der Zugang zu Erfahrungswerten oft schwierig. Hier setzt das Reallabor als Testraum an und schafft Transparenz. Stadtwerken und ihren Kommunen eröffnet ein solcher Probelauf vor Ort wesentliche Erkenntnisse für den Wandel zur Smart City. Ein weiteres Plus sind Lern- und Synergieeffekte für darauffolgende Projekte.

In einem weiteren Projektschritt werden Straßenlaternen zu einer schnellen Ladeinfrastruktur für E-Autos ausgebaut. „Wir wollen testen, ob die Stromversorgungsleitung einer Straßenlaterne mit Gleichstrom technisch für die dauerhafte Versorgung einer E-Ladesäule geeignet ist und im Realbetrieb ähnlich wie eine normale Wall-Box-Säule funktioniert“, so Probst . „Mit dem Laternenladen ermöglichen wir Anwohnern mit Parkausweis und ohne Garage das Aufladen ihres E-Autos.“ Das Laternenladen kann auch für Kommunen oder Firmen eine gute Lösung sein, um mehrere Parkplätze mit Ladepunkten auszustatten, ohne dass dafür Tiefbauarbeiten nötig sind.

Akzeptanz in der Bevölkerung

Über allen Aktivitäten steht eine transparente und barrierefreie Kommunikation zu den Bürgerinnen und Bürgern. Die verschiedenen Smart City-Anwendungsfälle sollen für die Bevölkerung mithilfe von unterschiedlichen Formaten digital und auch vor Ort erlebbar werden.

Thüga-Umfrage Smart Parking: aufschlussreiche Ergebnisse

Vor dem Start des Reallabor-Projektes in Koblenz hatte das Kompetenzcenter Innovation der Thüga (IN) im Frühjahr bei den Thüga-Partnern eine Umfrage zu Smart Parking durchgeführt. Insgesamt 18 Unternehmen nahmen daran teil, davon die Mehrzahl kleine und mittlere mit bis zu 250.000 Kunden. „Das Interesse an neuen Parkraumlösungen ist groß“, fasst Mirijam Münch von IN zusammen. „Jedoch muss das Thema Smart Parking zunächst im Rahmen spezifischer Anwendungsfälle auf Relevanz und Wirtschaftlichkeit pilotiert werden, bevor eine solche Lösung flächendeckend ausgerollt wird.“ Obwohl die meisten Umfrageteilnehmer Smart Parking angehen möchten, identifizierten sie folgende Faktoren als größte Hürden für die Umsetzung: Wirtschaftlichkeit, Zusammenarbeit mit der Kommune, Kundenakzeptanz und Know-How.

Wegweiser im Fördermittel-Dschungel

Trotzdem sind die meisten überzeugt, dass der Einsatz von Sensorik zukünftig eine Lösung für Probleme im öffentlichen Raum sein könnte. Überraschendes Ergebnis der Umfrage war die Tatsache, dass bisher nur wenige Teilnehmende Fördermittel für die Umsetzung von Smart Parking in Betracht gezogen hatten. Hier bietet IN eine Lösung mittels ihres Fördermittelmonitors an, der allen Thüga-Partnerunternehmen zur Verfügung steht. „Das ist eine Übersicht über relevante Fördermöglichkeiten für Stadtwerke und Regionalversorger“, sagt Marie Hartz von IN. „Diese decken neben Bereichen wie Smart City, Mobilität und Kommunikationsnetze auch Smart Parking ab.“ Für Smart-Parking-Lösungen sind die Fördermittel zwar aktuell begrenzt, in Kombination mit anderen Fördermaßnahmen sind sie jedoch förderfähig. „Das Thüga-Reallabor mit der evm in Koblenz bietet einen idealen Testraum, um erste Erfahrungen mit Smart Parking zu sammeln und mit anderen Thüga-Partnerunternehmen zu teilen“, sagt Mirijam Münch.