Regionale Energieversorger können mit ihrer Marke weiterhin punkten. Ergebnisse des Thüga-Frühwarnsystems 2025 zeigen, wie stark Regionalität und Markenarbeit die Kundenbindung beeinflussen – und wie Partnerunternehmen ihre Position gezielt schärfen.

Bei der größten Kundenloyalitätsstudie der deutschen Energiewirtschaft haben über 10.000 Strom- und Gaskunden ihre Versorger in sechs Kategorien bewertet: Preis, Regionales Engagement, Produkte & Lösungen, Marke, Rechnung und Zuverlässigkeit. Dabei kamen die Faktoren Regionales Engagement und Marke auf zusammen 25 Prozent Einfluss auf den Kundenloyalitätswert. „Spannend war für uns: Stadtwerke können beim regionalen Engagement gegenüber großen Playern deutlich punkten. Dieser Imagegewinn färbt auf die Preiswahrnehmung ab. Regional verwurzelte Versorger haben so oft ein besseres Preisimage als überregionale Anbieter, unabhängig von der tatsächlichen Tarifsituation“, erläutert Stefanie Bautz, Projektleiterin für Vertriebs- und Marketingthemen bei Thüga.

Auch die Marketing- und Vertriebsleitungen der Versorger bewerten die eigene Marke als wertvoll. Gleichzeitig zeigt die Studie eine Lücke: Bei ganzheitlichen Lösungen bleibt Potenzial liegen. Viele Kundinnen und Kunden sehen ihren Versorger noch vor allem als Strom- und Gasanbieter – und weniger als Anbieter für Energielösungen rund um erneuerbare Erzeugung. „Neue Anbieter wie Octopus Energy oder 1KOMMA5° greifen genau dort an: Sie verkaufen nicht nur Kilowattstunden, sondern ein klares Gesamtpaket aus digitalem Service, Produkten und Haltung. Umso wichtiger ist: Stadtwerke müssen ihre Stärke – Nähe, Vertrauen, Region – in eine moderne Lösungsgeschichte übersetzen“, sagt Georg Münnich, Projektleiter Thüga Frühwarnsystem.

Badenova: mit großem B in die Zukunft

Wie der Imagewechsel ausdrucksstark umgesetzt werden kann, zeigt Badenova. Der badische Energieversorger hat seit Januar 2026 einen grundlegend neuen Markenauftritt. Zentraler Anlass für den Relaunch war ein Manko in der Außenwahrnehmung. „Unser Unternehmen ist innovativer und moderner geworden und hat ein breites Produktportfolio entwickelt. Aber das wurde von außen schlicht nicht gesehen“, so Manuel Zimmermann, Leiter der Unternehmenskommunikation. „Deshalb haben wir uns strategisch überlegt, welche Werte Badenova kommunizieren will und wie wir mit Designsprache besser in die Lebenswelten der Menschen gelangen.“ So wurde das alte, unflexible Design durch eine Farbpalette sowie neue Form- und Bildsprache ersetzt, die Zukunftsgewandtheit, Lebendigkeit und Aktivität ausstrahlt. Anstelle des Claims „Energie Tag für Tag“ steht jetzt das große B der bislang klein geschriebenen Badenova im Vordergrund, was die regionale Verwurzelung in Baden und im Breisgau betont. „Seid mutig!“, ermuntert Zimmermann Partnerunternehmen vor einem Markenrelaunch. „Trotz einiger Bedenken ist unsere gewagteste Designfarbe ‚Berry‘, ein Lilaton, jetzt zur beliebtesten Wahl bei der Mitarbeiterbekleidung geworden.“

ESM Selb: Wandel sichtbar machen

Bei einem Eiskhockey-Spiel zeigte sich die Eismaschine im neuen Look&Feel der ESM auf dem Eis .

Auch die Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH (ESM) hat einen umfassenden Markenrelaunch unternommen. Für den Energieversorger eine notwendige Maßnahme, besonders angesichts der wachsenden digitalbasierten Konkurrenz. „Wir gehen das Thema Dekarbonisierung proaktiv an und positionieren uns als Lösungsanbieter für moderne, innovative Energiedienstleistungen“, so Geschäftsführer Mathias Jakob, der die ESM seit Januar 2025 leitet. Ein Schwerpunkt: das Employer-Branding, um den Menschen in der Region Karrierechancen in einem zukunftsorientierten, attraktiven Unternehmen zu bieten. Gemeinsam wurden neue Geschäftsfelder, ein neues Organisationsmodell und Erscheinungsbild entwickelt. „Die Thüga hat uns in der Planungsphase mit einem sehr strukturierten Prozess wirklich gut unterstützt“, so Jakob. Ganz im Sinne des regionalen Engagements hat sich die ESM bei der Umsetzung für eine kleine, lokale Agentur entschieden.

WVV Würzburg: Jubiläum als Markenerlebnis

Von links: Als WVV-Repräsentanten beim Jubiläum auf der Bühne (von links): Dr. Dörte Schulte-Derne, Ralf Willrett, Manfred Dürr, Armin Lewetz und Thomas Rajchowicz

Wie sich eine Marke so nutzen lässt, dass auch der innere Zusammenhalt gestärkt wird, zeigt die WVV. Sie feierte 2025 ihr 60-jähriges Bestehen. „Eine ständige Herausforderung in der Marken-Kommunikation eines Daseinsversorgers ist die mangelnde Emotionalität“, sagt Walter Malcherek, Abteilungsleiter Marketing und Produktentwicklung Energie. Beim Jubiläum wurde neben den Themen „Loyalität & Kundenbindung“ großer Wert auf die Wertschätzung und Unternehmensgemeinschaft gelegt, etwa bei einem Mitarbeiterevent mit 1.200 Gästen aus der Konzern-Belegschaft. „Das Feedback war überwältigend!“, freut sich Malcherek. Ein weiteres Highlight war die Leistungsschau auf der Mainfranken-Messe mit über 90.000 Besuchern in neun Tagen. „Insgesamt war das schon ein dickes Brett“, resümiert Malcherek über das gesamte Jubiläumsjahr. Unter dem Motto: „60 Jahre Transformation – Gemeinsam die Zukunft gestalten“ wurde eindrucksvoll zelebriert: „Die WVV prägt die Region seit 1965 und gestaltet die Zukunft vor allem im Rahmen der Energie- und Mobilitätswende wesentlich mit.“