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Regulatorik, Digitalisierung und Energiewende verändern die Arbeit der Rechtsabteilungen grundlegend. Juristische Expertise begleitet heute unternehmerische Entscheidungen und gestaltet sie aktiv mit.
Unabhängig von ihrer Größe und Region erleben unsere Partnerunternehmen, dass die regulatorischen Anforderungen seit einigen Jahren zunehmen und damit der Anpassungsdruck wächst“, sagt Dr. Winfried Rasbach, Leiter Recht bei Thüga. „Den juristischen Abteilungen bleibt immer weniger Zeit, sich im Detail mit jeder neuen Vorschrift auseinanderzusetzen.“ Deshalb ist der vertrauensvolle Austausch innerhalb der Gruppe so wichtig, von Großveranstaltungen wie dem Thüga-Juristentreffen bis hin zu etablierten Plattformen des juristischen Erfahrungsaustauschs. Rasbach: „Netzwerke, kurze Abstimmungen und persönliche Kontakte helfen, schneller zu entscheiden und Lösungen zu finden.“

Zusätzlich zur wachsenden Dynamik wandelt sich auch das Selbstverständnis der Juristinnen und Juristen. „Wir agieren zunehmend als Schnittstelle zwischen rechtlichen und unternehmerischen Anforderungen“, sagt Rasbach. Neue Regelungen müssten nicht nur korrekt angewendet, sondern auch eingeordnet, bewertet und für die Unternehmen realisierbar gemacht werden. „Dabei gewinnen menschliche Fähigkeiten wie strategisches Denken, Kommunikation und Überzeugungskraft an Gewicht.“ Der Einsatz von künstlicher Intelligenz verändert und erleichtert zwar die tägliche Arbeit, ersetzt die juristische Verantwortung jedoch nicht. „Wir Juristinnen und Juristen treffen und verantworten letztlich die Entscheidungen“, betont Rasbach.
Besonders deutlich macht sich der zusätzliche Druck beim energiewirtschaftlichen Ordnungsrahmen bemerkbar. Zahlreiche energiewirtschaftliche Gesetzespakete befinden sich parallel in Überarbeitung oder Einführung: von der Gas- und Stromregulierung bis hin zur Wärmegesetzgebung. Rasbach: „Für die Rechtsabteilungen der Partnerunternehmen bedeutet das eine permanente Herausforderung. Unsere White-Label-Musterverträge passen wir daher fortlaufend an – egal ob es um die Umsetzung großer EnWG-Revisionspakete geht oder wenn ‚nur‘ ein Widerrufsbutton einzubauen ist. Wir stellen sicher, dass aktuelle rechtliche Fragestellungen wie die Kostentragung bei der Stilllegung von Gashausanschlüssen schnell in die Gruppe gelangen, um wirtschaftliche Nachteile auf Ebene der Partnerunternehmen zu vermeiden.“
Ein zentraler Schwerpunkt der juristischen Arbeit ist die Transformation der Energiewirtschaft. Themen wie Wärmewende, Netzausbau, Risikomanagement und Ressourcen- und Budgetsteuerung beschäftigen nahezu alle Unternehmen. „Wir Juristen sind früh in Großprojekte eingebunden“, sagt Jeannine Schneider, Abteilungsleiterin Recht/Handel und Vertrieb bei eins energie in sachsen. „Etwa bei der Vertragsgestaltung, bei vergaberechtlichen Fragen oder in der Zusammenarbeit mit Kommunen.“ Gleichzeitig gibt es laut Christina Stoyanov, Leiterin Recht & Compliance bei der Mainova, offene Fragen zum Beispiel zu den rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umgestaltung oder Stilllegung von Gasnetzen.
Neu im Rechts-Portfolio: klassische Querschnittsthemen. Etwa im Compliance-Bereich steigt der Aufwand durch neue gesetzliche Vorgaben: „Wir erhalten verstärkt Anfragen von unseren Beteiligungen, wie sie ein modernes Compliance-Managementsystem aufbauen können“, sagt Stoyanov. „Hier tauschen wir uns eng mit Dr. Thomas Bauer aus, Thüga-Leiter Compliance und Interne Revision.“ Auch brauchen die Beteiligungen mehr juristische Beratung. „Takt und zeitlicher Druck in unserer Abteilung haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen“, bestätigt Schneider.
Die vielfachen Anforderungen spiegeln sich in den Rechtsabteilungen wider. Der Bedarf an Spezialisten steigt, etwa für Vergaberecht, Netzausbau oder Regulierung. Gleichzeitig sind Generalistinnen mit breitem Verständnis für Zusammenhänge gefragt. Stoyanov: „Unsere Juristinnen und Juristen müssen in der Lage sein, unterschiedlichste Rechtsthemen korrekt einzuordnen und Entscheidungen im unternehmerischen Kontext zu treffen.“ Die Personalsituation in den juristischen Abteilungen der Thüga-Gruppe bleibt dabei herausfordernd, auch wenn sich der Arbeitsmarkt zuletzt etwas entspannt hat.