Wie wird aus einzelnen KI-Ideen ein strukturierter und sicherer Einsatz im Unternehmen? Darüber spricht im Interview Dr. Niklas Goby, CTO and Head of AI Services beim BadenCampus, der für die Badenova das KI-Kompetenzcenter mit aufgebaut hat. 

Herr Goby, warum wurde das Center of Excellence AI auf dem BadenCampus gegründet?

Wir haben das Center im Februar 2025 gegründet. Vorausgegangen war die unternehmerische Entscheidung der Badenova, KI strategisch zu verankern. Hintergrund ist unsere Digitalstrategie: KI spielt darin eine zentrale Rolle. Deshalb wollten wir die Themen gebündelt in einem Center of Excellence vorantreiben. Maßgeblich daran beteiligt sind Mitglieder der Badenova-Gruppe, der Baden IT sowie der Firma Freibaden, alles Unternehmen aus dem Bereich Digitallösungen der Badenova.

Welches Ziel hat das Center konkret?

Wir verstehen uns als zentrale Anlaufstelle und Treiber für alle KI-Themen im Unternehmen. Gleichzeitig bauen wir Governance-Strukturen auf und bündeln Kompetenzen. Ziel ist es, KI systematisch auf allen Ebenen zu integrieren.

„Unsere Vision ist, dass User KI künftig so selbstverständlich nutzen wie Strom aus der Steckdose” Foto: BadenCampus

Woher stammen die Ideen für den Einsatz von KI?

Der Prozess ist klar strukturiert: Mitarbeitende der Badenova reichen ihre Ideen ein, wir prüfen und testen sie in einem Proof-of-Concept. In dieser Phase können wir schnell Prototypen entwickeln, ohne sofort alle formalen Freigaben durchlaufen zu müssen. Wenn sich eine Idee bewährt, geht sie in den regulären Governance-Prozess inklusive Betriebsrats und Datenschutz. 

Wie viele solcher Ideen gibt es bereits?

Wir haben bislang über 50 Vorhaben geprüft. Zwei wurden vorerst zurückgestellt. Ein großer Teil ist noch in Abstimmung, etwa mit dem Betriebsrat, während andere bereits freigegeben sind. 

Aus welchen Bereichen stammen die Impulse?

Häufig aus Marketing oder Finance, vor allem wenn es um eigene KI-Anwendungen geht. Zusätzlich gibt es viele Anfragen aus bestehenden Systemen, bei denen neue KI‑Funktionen integriert und freigeschaltet werden sollen. So haben wir das KI Rechts­tool Libra geprüft, das uns von der Thüga zum Testen zur Verfügung gestellt wurde. 

Wie groß ist Ihr Team? 

Im Kernteam arbeiten sieben Personen. Ergänzend gibt es etwa 50 Mitarbeitende aus den unterschiedlichen Abteilungen der Badenova, die an der Umsetzung der übergeordneten Digitalisierung mitwirken.

Wie reagieren die Mitarbeitenden auf die KI-Offensive?

Gemischt. Ein Teil der Mitarbeitenden ist offen und experimentierfreudig, ein anderer eher vorsichtig. Manche Führungskräfte sind zurückhaltend, etwa wegen Budgetfragen oder weil sie noch kein Vertrauen in KI haben. Deshalb setzen wir stark auf Schulungen, Workshops und unsere KI-Champions.

Was sind KI-Champions?

Jede Abteilung soll künftig mindestens eine Person benennen, die das Thema KI vorantreibt und Governance-Aufgaben übernimmt. Diese Champions sollen dabei helfen, KI im Arbeitsalltag zu verankern. Unsere Vision ist, dass die Mitarbeitenden KI so selbstverständlich nutzen wie Strom aus der Steckdose.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen? 

Neben Datenschutz und IT-Sicherheit ist vor allem die Unsicherheit vieler Nutzer ein Thema: Was darf ich überhaupt mit KI machen? Welche Daten darf ich eingeben? Zudem unterschätzen viele Mitarbeitende, wie wichtig konsequente Weiterentwicklung der KI-Agenten und Erfolgsmessungen sind. Ohne definierte Kennzahlen bleibt der Nutzen schwer greif- und vermittelbar.

Und die Risiken?

Ein großes Risiko liegt in der Abhängigkeit von externen Anbietern, etwa US-Diensten. Deshalb entwickeln wir eine eigene KI-Plattform mit unseren eigenen Daten, auf die wir jederzeit Zugriff haben, die wir löschen oder erweitern können. Zudem wird häufig übersehen, dass KI-Systeme nicht nur Daten verarbeiten, sondern auch aus Kontext und Verhalten lernen. Wie viel von uns, vom unternehmerischen Know-how und unseren Werten wollen oder müssen wir preisgeben? Daraus ergeben sich Fragen zu Datenschutz, Wissenstransfer und Eigentum, die wir bislang nicht beantwortet haben.

Welche Rolle spielt der Betriebsrat?

Eine sehr wichtige. Wir tauschen uns eng mit ihm aus. Ziel des Betriebsrates ist das Wohl der Mitarbeitenden. Darum ist es essenziell, dass wir ihn fortlaufend umfassend aufklären und beraten. Das kostet Zeit, sorgt aber langfristig für Akzeptanz und tragfähige Lösungen.

Welche Schritte stehen als Nächstes im Kompetenzcenter KI an?

Kurzfristig wollen wir die Anforderungen des EU AI Act erfüllen und erste KI-Champions etablieren. Bis Ende des Jahres soll das Konzept für unsere eigene KI-Plattform stehen.