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Sogenannte PFAS kommen in vielen Alltagsprodukten vor und gelten als gesundheitsgefährdend. Jetzt wurde EU-weit ein neuer Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für eine Gruppe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen festgelegt.
Per- und polyflorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, haben zu Recht keinen guten Ruf: Die sogenannten „Ewigkeits-Chemikalien“ heißen so, weil sie hitzebeständig, wasser- und fettabweisend und extrem stabil sind. Deshalb können sie sich gut in Böden, Gewässern und Nahrungsketten anreichern – und gelangen so in den Körper. Einige PFAS gelten als krebserregend und gesundheitsgefährdend und werden deshalb besonders streng kontrolliert. Nun gilt seit dem 12. Januar 2026 EU-weit ein neuer Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter für eine Gruppe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen.
„Die Thüga-Wasserversorger haben PFAS risikobasiert im Blick und überwachen regelmäßig dort, wo es angezeigt ist“, sagt Christian Beßer, Wasserexperte der Thüga. „Beispielsweise an bekannten Belastungsflächen wie Feuerübungsplätzen und Flughäfen, in denen früher PFAS-haltiger Löschschaum benutzt wurde.“ Aktuell kursiert eine ungute Nachricht in der Wasserbranche: Manche PV-Anlagen auf Feldern könnten ebenfalls Böden verunreinigen. „Durch den Abrieb von Sonne, Wind und Regen sollen PFAS-Substanzen in den Boden und damit ins Grundwasser gelangen.“ Beßer schaut besorgt: „Bislang kenne ich keine faktenbasierte Studie dazu. Wenn es so wäre, wäre es nicht gut.“ Doch es gibt auch PFAS-freie PV-Anlagen auf dem Markt, sagt Ronald Roepke, Geschäftsführer der Wasserversorgung Rheinhessen-Pfalz: „Wir haben bei unseren Anlagen auf PFAS-Freiheit geachtet, um mit gutem Gewissen und Umweltbewusstsein voranzugehen.“
Die neue PFAS-Verordnung verlangt von den Wasserversorgern in der EU eine systematische Überwachung ihres Roh- und Trinkwassers. „Die Analyse ist vergleichsweise aufwendig und teuer“, sagt Beßer. „Eine normale Analytik reicht nicht aus.“ Wasserversorger berichten sogar von PFAS-Messergebnissen, die sich widersprechen, wenn sie sie wiederholen. Beßer: „Welchem Ergebnis soll man dann glauben?“ Die Thüga-Wasserversorger gehen mit dem Thema PFAS sensibel um, wie ein Austausch im vergangenen November zeigte. „Keiner von ihnen möchte medial mit den Ewigkeits-Chemikalien in Verbindung gebracht werden“, sagt Beßer. „Selbst wenn sie kein Problem mit PFAS haben. Denn die Öffentlichkeit ist bei dem Thema sofort alarmiert.“ Um die Kommunikation für die Thüga-Wasserversorger nach außen künftig zu erleichtern, hat das Thüga-Marketing-Team einen FAQ-Katalog Wasser unter anderem zum Thema PFAS zusammengestellt und im Extranet veröffentlicht. Denn sollte ein Partnerunternehmen den Grenzwert doch mal überschreiten, muss es eine Reihe von Vorkehrungen treffen: die Ursachen erforschen, Maßnahmen zur Abhilfe einleiten, die Bevölkerung informieren und die Grenzüberschreitung der Gesundheitsbehörde melden.
Manche Thüga-Partnerunternehmen wie die N-ERGIE in Nürnberg untersuchen bereits seit 2009 ihre Trinkwassergebiete auf PFAS. Seit dem Inkrafttreten der novellierten Trinkwasserverordnung veröffentlicht sie die PFAS-Werte auf ihrer Website und macht sie damit transparent. „Unser Trinkwasser ist sicher, aber nicht unberührt von anthropogenen Stoffen“, sagt Emöke Hollósy, die bei der N-ERGIE den Bereich Wasserqualität verantwortet. „Jeder kann durch einen bewussten Umgang mit Funktionskleidung, Verpackungen und Kosmetika und deren richtige Entsorgung dazu beitragen, dass solche Stoffe wie PFAS gar nicht erst ins Grundwasser gelangen. Diesen Bewusstseinswandel möchten wir durch die Veröffentlichung unserer Untersuchungsergebnisse fördern und unterstützen.”
Auch wenn PFAS-Substanzen als Ewigkeits-Chemikalien gelten – sie lassen sich mithilfe von Aktivkohlefiltration aus dem Wasser entfernen. „Es ist aufwendig, aber machbar“, sagt Beßer. Wermutstropfen: Zahlreiche Aktivkohlefilter basieren auf Stein- und Braunkohle, also fossilen Brennstoffen. Kollegen aus der Arbeitskreis Wasser weisen auf eine Alternative hin: eine Filtration auf Basis von Kokosnussschalen. Ein vielversprechender Ansatz, doch die Kokosnussschalen müssten teuer importiert werden.