Erneuerbare Energien, Netzausbau sowie Wärme- und Infrastrukturprojekte stellen Versorger langfristig vor finanzielle Herausforderungen. Thüga reagiert mit einer neuen Finanzierungsberatung für Partnerunternehmen.

Beim Umbau und Ausbau der Energie- und Wärmesysteme auf klimaneutrale Technologien steht ein finanzieller Kraftakt bevor. Studien von KfW Research und PwC prognostizieren, dass deutsche Energieversorgungsunternehmen bis 2045 rund 535 Milliarden Euro investieren müssen. Allein bei Unternehmen der Thüga-Gruppe summieren sich die anstehenden Investitionen auf 70 bis 90 Milliarden Euro.

Praxisnah und strukturiert

Zu den neuen Rahmenbedingungen gehören auch höhere Zinsen, gestiegene Anforderungen an Bonität und Rückzahlungsfähigkeit sowie entsprechend begrenzte Verschuldungskapazitäten. „Klassische Bankdarlehen allein reichen angesichts der Dimension der Energiewende nicht mehr aus“, sagt Klaus Stüben aus der Thüga-Abteilung Treasury. Moderne Finanzierungsstrategien sind nötig, um Liquidität zu sichern und Spielräume für Investitionen gezielt zu erweitern. Doch insbesondere kleinere Stadtwerke ohne dedizierte Finanzierungsabteilung tun sich schwer, diese zusätzlichen Komplexitäten zu bewältigen. „Mit der neuen Thüga-Finanzierungsberatung unterstützen wir unsere Partnerunternehmen dabei, nachhaltige Finanzierungsstrategien zu entwickeln, alternative Finanzierungsmöglichkeiten zu erschließen und operative Liquidität gezielt und strategisch einzusetzen“, erklärt Stüben. An den Start ging die Beratung mit den beiden Beratungsfeldern Bürgerbeteiligung und Working-Capital-Optimierung – praxisnah, strukturiert und abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse. 

Bürgerbeteiligung mit doppeltem Nutzen 

Bürgerbeteiligungen gehören nicht mehr nur bei klassischen Vorhaben aus der Windkraft oder Solarenergie zum Repertoire. Denkbar sind sie auch für innovative Infrastrukturvorhaben wie Großbatteriespeicher oder lokale Wasserstoffprojekte. „Bürgerbeteiligungen erschließen zusätzliche Finanzierungsquellen direkt aus dem Umfeld der regionalen Versorger“, erklärt Stüben. „Bei geeigneter Ausgestaltung wirken sie sich nahezu neutral auf die Verschuldungskennzahlen aus und schaffen zugleich häufig neue Finanzierungsfreiräume.“ Infolge umfassender Änderungen in der Prospektpflicht gemäß § 2a Vermögensanlagegesetz gewann insbesondere die Schwarmfinanzierung an Attraktivität: Für Emissionen mit einem Volumen von bis zu sechs Millionen Euro pro Jahr und Emittent ist anstatt eines aufwendigen Verkaufs-prospekts lediglich ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) erforderlich. Die Beratungsleistung selbst hat Thüga als ganzheit-lichen Prozess aufgebaut. Sie reicht von der strategischen Einordnung über die Auswahl geeigneter Projekte sowie die Definition und Strukturierung der Beteiligungsparameter bis zur operativen Umsetzung. Die Thüga-weite Erfahrungsdatenbank leistet dabei wertvolle Hilfestellung. Sie erfasst die bislang umgesetzten Bürgerbeteiligungsprojekte mit allen relevanten Parametern. „Auf diese Weise können wir auf anonymisierter und aggregierter Grundlage fundierte Empfehlungen für neue Projekte geben, die sich – etwa hinsichtlich Zinssätzen und Laufzeiten – an realen Markterfahrungen orientieren“, sagt Stüben. 

Optimierung des Working Capitals 

Effizient gesteuerte Zahlungsströme schaffen neue Liquiditätsspielräume und verbessern die Finanzkennzahlen – was wiederum neue Finanzierungskapazitäten eröffnet. Diese Hebel stehen im Mittelpunkt des zweiten neuen Beratungsfelds: der Working-Capital-Optimierung. Zwei Instrumente stehen dabei im Fokus: Factoring und cflox pay. Factoring zieht den Mittelzufluss vor, indem es Forderungen aus Lieferungen und Leistungen bereits vor Fälligkeit in Liquidität umwandelt. Das Working-Capital-Instrument cflox pay dagegen wirkt auf der Passivseite der Bilanz, indem es den Mittelabfluss auf einen späteren Zeitpunkt verlagert: Lieferanten müssen nicht eingebunden werden und werden weiterhin fristgerecht bezahlt, während das Partnerunternehmen verlängerte Zahlungsziele erhält. Der Effekt ist in beiden Fällen derselbe – mehr Liquidität durch geschicktes Timing. 

Wachsender Beratungsumfang 

Die neuen Instrumente markieren nur den Auftakt der erweiterten Finanzberatung. „Wir erarbeiten gerade einen ganzen Baukasten an Beratungsfeldern, diese in der Thüga-Gruppe zu skalieren“, sagt Stüben. Zentrales Element ist die Beratung zur Entwicklung einer nachhaltigen und auf jedes Partnerunternehmen abgestimmten Finanzierungsstrategie. Nur mit einem klaren und langfristigen Zielbild lassen sich verlässliche Handlungsspielräume schaffen, Risiken reduzieren und die Investitions- sowie Finanzierungsfähigkeit der kommunalen Versorger absichern. Modulare Beratungsangebote zum Vertrags- und Konditionenmanagement, der Auswahl von Finanzierungspartnern sowie die Unterstützung konkreter Finanzierungsmaßnahmen kommen ergänzend hinzu. Darüber hinaus entstehen Modelle, um privates Kapital mit den Investitionsanforderungen kommunaler Unternehmen zusammenzubringen. Stüben: „Damit wollen wir künftig eine wichtige Übersetzerrolle zwischen kommunalen Anforderungen und den Erwartungen der Finanzwirtschaft übernehmen.“ 

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