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Ein Leistungsverzeichnis (LVZ) ist die Grundlage für Ausschreibungsprozesse. Es enthält alle für eine Ausschreibung erforderlichen Teilleistungen, Materialien und Mengen. Eine Thüga-Arbeitsgruppe hat vor Kurzem das Thüga-Standardleistungsverzeichnis (StLV)-Fernwärme aktualisiert. Grund sind gestiegene Anforderungen bei der Transformation der Wärmeversorgung und dem damit verbundenen Ausbau der Fernwärme.
„Es ist Usus, dass wir Leistungsverzeichnisse regelmäßig auf ihre Aktualität überprüfen“, sagt Hardy Fiedler aus der Thüga-Abteilung Netze. „Das Modul Fernwärme haben wir uns deshalb vorgenommen, weil verschiedene Projekte bei den Partnerunternehmen anstanden. Wir wollten sichergehen, dass das Standardleistungsverzeichnis marktkonform ist.“ Sechs Kolleginnen und Kollegen aus dem Arbeitskreis Fernwärme trafen sich monatlich, um die wichtigsten Änderungswünsche zu identifizieren und Alternativen und Ergänzungen zu diskutieren. Das Besondere: „Wir haben uns das Feedback von vier Vertragspartnern eingeholt, um sicherzugehen, dass wir an den wichtigsten Stellschrauben gedreht haben“, sagt Fiedler.
Ein Diskussionspunkt betraf den Detailgrad der Positionen im Standardleistungsverzeichnis. Ziel der Arbeitsgruppe: ein ausgewogenes Maß zwischen Pauschalierung und Detailtiefe finden. „Uns war es wichtig, dass das StLV für alle Partnerunternehmen anwendbar ist, obwohl die Voraussetzungen für Fernwärme-Projekte bei allen Versorgern sehr unterschiedlich sind“, sagt Fiedler. Ein weiteres Ziel bei der Aktualisierung: die Kalkulationsrisiken für die Auftragnehmer senken. Aus seiner Sicht hat sich die einjährige Überarbeitung am StLV-Fernwärme gelohnt: „Sowohl Partnerunternehmen als auch Lieferanten haben jetzt bei ihrer Kalkulation größere Sicherheit.“ Wie bewerten seine Kollegen aus der Arbeitsgruppe Fernwärme die Aktualisierung?
Steffen Buck aus dem Bereich Investition der Stadtwerke Jena Netze GmbH ist einer der sechs Teilnehmenden, die das StLV überarbeitet haben. Jena verfügt aufgrund seiner Historie seit Langem über Fernwärme, insbesondere bei den Wohnquartieren mit Plattenbauten aus DDR-Zeiten. Bucks Motivation: „Das StLV so aufzustellen, dass trotz sehr unterschiedlicher Planungs- und Materialbeschaffungsprozesse bei den einzelnen Thüga-Beteiligungen die LV-Anwendung sowohl für Auftraggeber als auch für Auftragnehmer einfach möglich ist.“ Seine Erfahrung: „Die Baudienstleister wollen für ihre Abrechnung ein eher detailliertes LV, gerade beim Tiefbau.“ Insgesamt hält Buck die Aktualisierung des StLV für gelungen, der Praxistest steht noch aus: „Gerade läuft eine Ausschreibung mit dem neuen StLV-Fernwärme. Da werden wir sehen, wie die Firmen reagieren.“
Um ein marktkonformes StLV zu erstellen, haben Fiedler und seine Kolleginnen und Kollegen deswegen auch Lieferanten mit in den Überarbeitungsprozess eingebunden. Zum Beispiel Hubert Niederländer. Der Bauunternehmer arbeitet seit 20 Jahren eng mit der Thüga zusammen und freut sich, dass seine Einschätzung gefragt ist. „Das neue StLV stellt einen repräsentativen Querschnitt der Leistungen dar. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kalkulationen und Abrechnungen nun leichter fallen.“ Niederländer glaubt, dass sich die Zeiträume für Überarbeitungen des StLV verkürzen, weil sich die politischen Rahmenbedingungen immer schneller ändern. „Wahrscheinlich müssen wir uns in zwei, drei Jahren wieder zusammensetzen.“
Sebastian Müller ist Abteilungsleiter Netzbau und Betrieb bei der ESWE Versorgung in Wiesbaden. Sein Team und er kümmern sich um den Netzbau in Wiesbaden und arbeiten seit Langem mit dem StLV-Fernwärme. Müller: „In der Vergangenheit haben wir bestimmte Titel daraus weggelassen und als eigene Ausschreibung vergeben. Mit Zunahme des Fernwärmeausbaus ist es nötig, einige Titel an veränderte Gegebenheiten anzupassen.“ Beispiel: Künftig werden sich die Preise für die Montagearbeiten nach der Außengröße von Rohrleitungen richten. „Diese Konkretisierung ist eine klare Verbesserung bei der Abrechnung.“ Erste Praxiserfahrungen mit dem StLV-Fernwärme wird die ESWE Versorgung Ende des ersten Quartals 2026 teilen können.
Jens Appenzeller aus dem Bereich Thüga-Einkauf bewertet die Aktualisierung des StLV-Fernwärme durch die Brille des Einkäufers. Er hofft, dass durch die Konkretisierung einzelner Posten fairere und partnerschaftliche Preise zustande kommen. Und „dass Dienstleister besser kalkulieren können und wir auf dem angespannten Markt weitere Marktteilnehmer, also Dienstleister gewinnen, mit denen die Partnerunternehmen ihre Fernwärme-Projekte stemmen können.“