Newsletter Service
Mit unserem Newsletter erhalten Sie stets aktuelle Hintergrundinformationen über die Energiewirtschaft in Deutschland.
Mit neuen Off-Balance-Modellen will die Thüga Partnerunternehmen den Zugang zu privatem Kapital jenseits klassischer Bankkredite erleichtern.
Ein unumstößliches Grundprinzip des Kapitalmarkts lautet: Eine stark belastete Bilanz verteuert die Kreditkosten. Oder sie versperrt den Zugang zu frischem Fremdkapital gänzlich. „Für Energieversorger, die investitionsstarke Jahre vor und hinter sich haben, entsteht daraus eine große Herausforderung“, erklärt Jan Musfeldt aus der Thüga-Abteilung Treasury. Gleichzeitig suchen institutionelle Anleger zunehmend nach Möglichkeiten, sich an der Finanzierung der Energiewende zu beteiligen. „Mit neuen Off-Balance-Finanzierungsinstrumenten wollen wir die beiden Bedarfe zusammenbringen.“
Gemeint ist die Auslagerung von Investitionen in eine Zweckgesellschaft mit mehrheitlicher Beteiligung privater Eigenkapitalgeber. So können Energieversorger Projekte ohne zusätzliche Belastung ihrer Finanzkennzahlen umsetzen und weiterhin die hohen Anforderungen an den Betrieb kritischer Infrastruktur erfüllen. „Wir zielen auf eine Plattform ab, die vergleichbare Vorhaben bündelt, skaliert und dadurch investierbare Volumina schafft“, erläutert Musfeldt. Wichtige Bedingung: „Die Projekte müssen klar definierte, abgeschlossene Einheiten bilden.“ Denkbar sind folglich eigenständige Infrastrukturvorhaben wie zum Beispiel eine Energieerzeugungsanlage oder Umspannwerke.
Die WEMAG AG mit Sitz in Schwerin hat die Off-Balance-Finanzierung etwa bei einem perspektivisch anstehenden neuen Umspannwerk im Auge. „Planung, Bau und Betrieb sollen vollständig in unserer Hand verbleiben“, erklärt der kaufmännische Vorstand Caspar Baumgart. „Wir geben keine Verantwortung für kritische Infrastruktur ab, strukturieren aber ihre Finanzierung anders.“ Beim Aufbau der Plattform hat das Thüga-Treasury insbesondere die Sektoren Elektrizität und Wärme im Blick. Das Paket enthält standardisierte Vertragswerke, transparente Governance-Strukturen und eine sorgfältige Abstimmung von Laufzeiten und Renditeerwartungen. Ein Konzept, das auch bei WEMAG-Vorstand Baumgart Anklang findet: „Wir profitieren von einem rechtssicheren und die Markterwartungen widerspiegelnden Rahmen, können uns aber weiter voll auf unser Kerngeschäft konzentrieren.“
+++++++++++++++++++

Die Investitionsbedarfe bei kommunalen Energieversorgern in Anlagen, Netze und Digitalisierung sind insgesamt so hoch, dass sie nur in Ausnahmefällen allein über eine Innenfinanzierung realisiert werden können. Zudem gehen Erträge etwa aus dem Erdgasbereich substanziell zurück. Um diesen Rückgang zu ersetzen, gilt es, neue Geschäftsfelder zu entwickeln. Im Umfeld der kommunalen Versorger müssen neue Geschäftsfelder individuell und finanzierbar gestaltet werden. Neben der richtigen Strategie ist auch Geschwindigkeit ein wichtiger Faktor: Vor allem bei neuen Geschäftsmodellen wie der Flexibilitätsvermarktung herrscht großer Wettbewerbsdruck.
Energieversorger stehen vor der Herausforderung, Investitionen klug zu priorisieren, Kapital zu vertretbaren Konditionen zu mobilisieren und gleichzeitig ihre Geschäftsvorhaben effizient umzusetzen. Die Entscheidungs- und Lösungskompetenz für all diese Aufgaben liegt bei ihnen – wobei die lokalen Ausgangsbedingungen jedes Stadtwerks sehr unterschiedlich sind. Verstärkte Kooperationen können entscheidende Gruppenvorteile verschaffen, um „best-practices“ zu identifizieren, und so zur Kosteneffizienz beitragen – etwa durch die gemeinsame Entwicklung von Geschäftsmodellen, digitalen Plattformen oder einen gebündelten Zugang zum Kapitalmarkt.
Für das Senken der Systemkosten und damit die Erhöhung der Finanzierbarkeit des Systems sind neben den Energieversorgern vor Ort die politischen Entscheidungsträger gefordert. Diese setzen die rechtlichen und regulatorischen Leitplanken. Mit einem Anstieg von über 100 Prozent gegenüber 2010 ist das Stromnetz ein wesentlicher Treiber der Systemausgaben. Dies liegt eine kürzlich vom EWI vorgelegte Analyse nahe. Damit die Stromnetze grünen Strom kosteneffizient aufnehmen können, müssen viele Faktoren zusammenspielen: Wo entstehen neue Energieerzeugungsanlagen? Wie werden sie ans Netz angeschlossen? Wie werden sie in den Markt integriert? Ein systemdienliches Zusammenspiel ist dafür unerlässlich – und braucht ein entsprechendes Regelwerk. Alle Akteure sind gefordert, die Energiewende umzusetzen. Energieversorger haben dabei die anspruchsvolle Aufgabe, politisch gesetzte Ziele so zu gestalten, dass sie finanzierbar und effizient realisierbar sind – eine große Herausforderung.
