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Es geht voran: Seit Jahresende 2025 ist das 450-MHz-Funknetz fast flächendeckend verfügbar. Erste Partnerunternehmen nehmen schon bald den Betrieb auf. Einblicke in eine neue Funktechnologie, die für die Notfallkommunikation prädestiniert ist.
Vor einem Jahr noch Planungsziel, jetzt „on air“: Das 450-MHz-Funknetz für Sprach- und Daten-Kommunikation sowie Smart Metering ist fast lückenlos verfügbar. Die Betreibergesellschaft 450connect peilte zum Jahresende 2025 90 Prozent Abdeckung an. Sendemasten sind aufgestellt, Hardware-Komponenten verfügbar. Beim Stadtwerketag in Köln, zu dem der Betreiber 450connect Ende September einlud, war Zuversicht spürbar, aber auch Handlungsdruck: Energieversorger rüsten ihre Infrastrukturen auf Resilienz.
Den größten Mehrwert bietet die neue Funknetztechnologie für die Krisenkommunikation. „Bei Stromausfällen muss eine funktionstüchtige, schwarzfallfeste Datenverbindung zu Umspannwerken, Trafostationen und Ortsnetzstationen verfügbar sein. Der Sprachfunk zu den Mitarbeitern im Feld ist essenziell, wenn sie gerade Fehler beheben und das Netz wiederaufbauen. Hier liegt die Stärke der 450-MHz-Funktechnologie“, sagt Robert Dietrich, Fachreferent Technik bei Thüga. Die neue Funktechnik ist etwas teurer als herkömmlicher Mobilfunk. Zudem verlangen die Umstellungen Zeit, Fachkräfte und Material. Allein der geschätzte jährliche Bedarf an Fernwirkschränken mit Kommunikationsanbindung für die Digitalisierung von Ortsnetzstationen liegt in der Thüga-Gruppe bei mindestens 700.
Aus Redundanzgründen sind bei systemrelevanten Netzstationen zwei unabhängige Kommunikationswege für den Datenaustausch sinnvoll. Dies lässt sich technisch und wirtschaftlich sehr gut mit der 450-MHz-Technologie abbilden. Viele Routerhersteller bieten Hybridgeräte mit je zwei SIM-Karten und Funkmodulen an. So kann ein Router zwei Funkverbindungen aufbauen: über das öffentliche Mobilfunknetz günstig und mit großer Bandbreite, über das 450-MHz-Funknetz teurer und mit geringerer Bandbreite, aber hochverfügbar. Einige Versorger speichern bereits Software und Daten in unternehmenseigenen Rechenzentren. Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass das System von außen nicht erreichbar und damit sowohl die Datenhoheit als auch die Verfügbarkeit im Schwarzfall gesichert ist. Das 450-MHz-Funknetz als geschlossenes Netz mit hochverfügbaren Rechenzentren beim Betreiber 450connect bedient genau diesen hohen Anspruch an Informationssicherheit bei den Netzbetreibern.
„Wir denken ganzheitlich und schnüren Lösungspakete aus Sicht der Partnerunternehmen“, sagt Dietrich. Mehrere Veranstaltungsformate fördern den Austausch. Rund 40 Partnerunternehmen haben die Bezugsberechtigung im Rahmenvertrag zwischen Thüga und 450connect unterzeichnet, weitere werden folgen. Dietrich spricht vom Multiplikatoreffekt: „Jetzt, wo die Erkenntnisse aus der Praxis einfließen, wollen alle vom Wissen anderer profitieren.“
In Hannover betreibt enercity ein Versorgungsnetz im urbanen Umfeld. Durch den gestiegenen Handlungsdruck auf das Stromnetz wird seine Digitalisierung unumgänglich. Dazu kann die 450-MHz-Technologie als Ergänzung bei der Datenkommunikation einen sehr guten Beitrag leisten. Planungen und Tests sind so weit abgeschlossen, dass im ersten Quartal 2026 der Start des Rollouts geplant ist. Um bei der Sprachkommunikation den eigenen Betriebsfunk mit der 450-MHz-Technologie ablösen zu können, sind bereits Smartphones von Cybertel, Cyrus und Solutionforpros im Feldtest. Markus Schmiedel, zuständig für Projektplanung und Entwicklung Datenübertragungsnetze: „Die Anforderungen an das Netz bezüglich Bandbreite und Sicherheit steigen, insbesondere in Bezug auf die Schwarzfallfestigkeit. Die 450-MHz-Technologie schließt eine Lücke in der Sprach- und Datenkommunikation.“
Die Rheinhessische in Ingelheim betreibt ein ländlich geprägtes Versorgungsgebiet ohne große Ballungszentren. Mit der derzeitigen Funkanlage gibt es stets Probleme bei weiter entfernten Standorten. IT-Leiter Walter Kirsch berichtet: „Mit einem Test-Kit haben wir alle Standorte geprüft und daraufhin 25 Endgeräte und SIM-Karten bestellt. Im ersten Quartal 2026 wollen wir alles in Betrieb haben und den alten Funk abschalten.“ Priorität hat der Sprachfunk. Mittelfristig will man auch Smart-Grid-Anwendungen über das neue Funknetz betreiben.