Bislang werden Fernwärmeleitungen vor allem geschweißt. Mit einer Methode, die aus dem Schiffsbau stammt, können bestimmte Rohrarten nun auch verpresst werden. Das spart Zeit, Kosten und Manpower.

Wie viele andere Stadtwerke investieren die Stadtwerke Pforzheim (SWP) in ihr Fernwärmenetz. Um Fernwärmerohre zu verbinden, setzen sie bei einer bestimmten Rohrgröße eine neue Methode ein. „Statt zu schweißen, verpressen wir die Stahlrohre“, erklärt Tobias Engelien, Abteilungsleiter Strategische Planung bei den SWP. Die Vorteile der Methode, bei der Rohre mithilfe von Verbindungsstücken mechanisch zusammengepresst werden: „Wir sind witterungsunabhängig, benötigen keine Schweißer und müssen verpresste Rohre nicht wie beim Schweißen üblich zur Kontrolle röntgen. Zudem entsteht beim Verpressen keine Brandgefahr.“ Dies bringt einen großen Vorteil insbesondere dort, wo zum Beispiel bei der Verlegung von Kellerleitungen in der Nähe noch bestehender Öltanks oder von Fachwerkhäusern eine Brandgefahr durch das Schweißen entstehen kann. Engelien: „Im Idealfall sparen wir zwei Drittel der Zeit gegenüber dem konventionellen Verfahren.“ Seit 2021 haben die Stadtwerke Pforzheim bereits 1,7 Kilometer Rohrleitungen und circa 3.000 Formteile mit diesem Verfahren verlegt.

Verpressung bei Fernwärmeleitungen bis DIN 100

Statt ausgebildeter Schweißer können Rohrbauer mit einer eintägigen Ausbildung vom Systemhersteller die Verpressung durchführen. Eine Pressverbindung ist zudem um ein Drittel günstiger als eine Schweißnaht. Es gibt allerdings eine klare Einschränkung beim Einsatz: „Die Methode kann bei erd- und innenverlegten Fernwärmeleitungen nur bis 100 DIN genutzt werden“, sagt Engelien. „Alles, was darüber liegt, wird konventionell geschweißt.“ Das bedeutet: Größere Leitungen werden auch bei den SWP geschweißt; das Pressverfahren setzen sie dort als Ergänzung zum konventionellen Schweißverfahren ein, wo es technisch machbar ist.

Nicht Alternative, sondern Ergänzung

Nachteile der Verpressung: „Die Stahlrohre müssen spannungsfrei und glatt wie ein Babypopo sein“, sagt Engelien. „Das heißt, die Rohrvorbereitung spielt bei der Verpressung eine entscheidende Rolle.“ Zusätzlich muss die rohrstatische Berechnung auf die jeweiligen Spannungsgrenzen der Fittinge ausgelegt werden. Nicht als Alternative, sondern als Ergänzung: Für Hannah Jordan von der Thüga-Technik hilft die Methode Stadtwerken, Hausanschlüsse schneller und effizienter zu legen als durchs herkömmliche Schweißen. Jordan: „Die Verpressung steht in ihrer Entwicklung und Umsetzung noch am Anfang. Ich erwarte aber, dass sich die Methode bei der Verlegung in Gebäuden durchsetzt.“ Aktuell fragt Thüga den Bedarf an Verpressung bei den Partnerunternehmen ab, um einen Rahmenvertrag abzuschließen.