Die Investitionen für die Energie- und Wärmewende verändern auch die Finanzierung von Stadtwerken. Eine starke Finanzierungsstrategie und eine belastbare Credit Story sind die Grundlage für den Dialog mit Banken und Investoren – und damit für die Mobilisierung von Kapital.

Früher reichte eine Mail an die Hausbank, und die Kreditzusage ließ nicht lange auf sich warten“, so schildern Kaufleute aus der Thüga-Gruppe das ehemalige Prozedere. Angesichts der aktuell benötigten Investitionssummen agieren Kreditgeber jedoch deutlich zurückhaltender. „Heute prüfen Banken Bonität und Risiko eines Energieversorgers viel kritischer“, so Georg Peveling, Leiter Treasury bei der Thüga. „Sie sind häufig nur begrenzt bereit, die Verschuldungskapazitäten auszuweiten, und setzen die Hürden für neue Finanzierungen deutlich höher.“

Stadtwerke müssen umdenken – und handeln, um die Finanzierung für ihre Energiewende-Projekte zu sichern. „Eine Finanzierungsstrategie und eine Credit Story sind entscheidende Erfolgsfaktoren“, betont Klaus Stüben vom Thüga-Treasury. Die Finanzierungsstrategie definiert eine Zielkapitalstruktur und bündelt Finanzierungsgrundsätze und -ziele, um daraus konkrete Finanzierungsmaßnahmen abzuleiten. Die Credit Story schafft ein konsistentes Finanzierungsnarrativ, stärkt die Position bei Banken, schafft Transparenz und adressiert so zentrale Aspekte der Krediteinschätzung von Banken. Beide dienen als Basis für den Dialog, nicht nur mit Kapitalgebern, sondern auch mit Gesellschaftern und weiteren Stakeholdern. Zahlreiche Partnerunternehmen nutzen das Angebot bereits – zum Beispiel:

Udo Rothmund,  Stadtwerke Radolfzell

Porträt Udo Rothmund
Udo Rothmund, Kaufmännischer Leiter Stadtwerke Radolfzell: “Große Projekte wie unsere Seethermie werden künftig nicht mehr allein finanzierbar sein.”

„Wir sind ein relativ kleines Stadtwerk mit rund 140 Beschäftigten und haben große Pläne für die Wärmewende. Unser Projekt Zeller Wärme ,Am Klärwerk‘, bei dem wir die Wärme mittels Großwärmepumpe aus dem geklärten Abwasser der Radolfzeller Kläranlage gewinnen, befindet sich bereits kurz vor der Umsetzung; die Verhandlungen mit Ankerkunden und Banken stehen kurz vor dem Abschluss. Ein weiteres Großprojekt, die Seethermie am Bodensee mit einer zentralen Großwärmepumpe im zweistelligen Megawattbereich, ist in Planung. Das Angebot der Thüga zur Finanzierungsberatung kam für uns genau zum richtigen Zeitpunkt. Das Thüga-LUS1-Tool nutzen wir bereits seit Jahren, um unsere Finanzkennzahlen langfristig zu modellieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind in unsere Finanzierungsstrategie und unsere Credit Story eingeflossen. In rund vier Monaten haben wir eine 35-seitige Broschüre erstellt, die unser Unternehmen und unsere Projekte faktenbasiert und perspektivisch bis 2045 darstellt. Sie dient dazu, unsere Vorhaben quasi an die Banken zu vermarkten – mit großem Erfolg: Das Feedback war äußerst positiv, insbesondere angesichts unserer Unternehmensgröße.

Die Thüga-Kollegen unterstützen uns nun dabei, sie weiterzuentwickeln. Parallel haben sie unsere Darlehensstruktur analysiert. Sich also unseren aktuellen Bankenkreis, Laufzeiten, Zinsen sowie Covenants, also Kreditauflagen, angesehen und uns Empfehlungen zur Optimierung gegeben. Künftig setzen wir auf einen Mix verschiedener Finanzierungsinstrumente. Große Projekte wie unsere Seethermie werden nicht mehr allein finanzierbar sein. Da sind strategische Partner unerlässlich. Und wir brauchen weiterhin die Thüga-Expertise in allen ,Gewerken‘, dieses spezielle Know-how können wir vor Ort gar nicht vorhalten.“

Marcel Ackermann, Stadtwerke Frankenthal

Porträt Marcel Ackermann
Marcel Ackermann, Sachgebietsleitung Controlling Stadtwerke Frankenthal: “Unsere Vision ist die Umstellung von einer Investitions- auf eine Unternehmensfinanzierung.”

 „Vor rund drei Jahren wurde der Paradigmenwechsel in der Finanzierung der Energie- und Wärmewende für uns konkret. Damals begannen wir, unser großes Fernwärmeprojekt zu planen: eine Erzeugungsanlage, also eine Großwärmepumpe in der Kläranlage der BASF, plus den Aufbau einer Wärmenetzinfrastruktur – eine Investitionssumme von weit über 100 Millionen Euro in den kommenden 20 Jahren. Auch in unseren Bestandssparten stehen wir vor enormen Umbrüchen, was eine Abkehr von bisherigen Investitionsverläufen zur Folge hat. Damals haben wir mit der Thüga ein LUS1-Projekt durchgeführt, um langfristig zu modellieren, welche Auswirkungen die Investitionen auf unsere Kennzahlen haben. Parallel zum Projektfortschritt und den steigenden Fremdkapitalzinsen haben wir entschieden, unsere Finanzierungsstrategie zu überdenken. Und zu prüfen, welche Alternativen es zu klassischen Darlehen gibt. Dafür haben wir bisher zwei Workshops mit den Kollegen der Thüga-Finanzierungsberatung durchgeführt.

Besonders wertvoll war für mich der kompetente Überblick über die verschiedenen Finanzierungsinstrumente, und die gemeinsame Einordnung der verschiedenen Instrumente wie die Bürgerbeteiligungen im Kontext der Unternehmensfinanzierung. Bis Herbst wollen wir die Entwürfe für Finanzierungsstrategie und Credit Story fertig haben, die wir dann mit den Thüga-Kollegen verproben. Das ist unsere Basis, um auf einen erweiterten Bankenkreis zuzugehen. Perspektivisch wünschen wir uns die Umstellung von einer Investitions- auf eine Unternehmensfinanzierung und damit eine langfristig tragfähige Kapitalstruktur.“