Heim-Energie-Management-Systeme (HEMS) sind unerlässlich für ein ganzheitliches Angebot von Energiedienstleistungen. Ihr volles Potenzial schöpfen sie im Zusammenspiel mit dynamischen Tarifen aus. Für die Umsetzung bietet die Thüga Partnerunternehmen maßgeschneiderte Lösungen an. Eine zeigt die EVI Hildesheim mit dem Start von HildesHaus. Warum Versorger jetzt auch auf Flexibilitätsvermarktung setzen sollten, belegt eine neue Thüga-Potenzialanalyse.

 Einer Prognose der Innovationsplattform m3 LAB zufolge könnte die Anzahl der installierten Heim-Energie-Systeme von aktuell 1,4 Millionen auf über 6 Millionen 2030 steigen. Verknüpft mit dynamischen Tarifen, sind die Vorteile auf Kundenseite: Kontrolle und Transparenz über den heimischen Energiehaushalt, Stromsparpotenziale und eine ansprechende Customer-Experience, um sich aktiv an der Energiewelt beteiligen zu können. „Kunden erwarten zunehmend intelligente Lösungen, um ihre Energie effizient zu nutzen und Kosten zu optimieren. HEMS ist ein Schlüsselprodukt, um diese Erwartungen zu erfüllen und die Wettbewerbsfähigkeit der Stadtwerke gegenüber neuen Marktteilnehmern zu sichern“, so Thüga-Innovationsmanager Benjamin Deisinger.

HEMS-Kooperation mit clever-PV

„Die Thüga bietet für jedes Energieversorgungsunternehmen eine passende HEMS-Lösung an. Durch das Rahmenabkommen mit dem cloudbasierten HEMS-Anbieter clever-PV können sie unkompliziert mit der HEMS-Einführung starten“, so Deisinger. Eine der drei Lösungsvarianten ist die standardisierte HyMaat-App, bereitgestellt über Syneco. Sie bietet die Möglichkeit, direkt und mit eigenem Logo vermarktet zu werden – schnell, preiswert und ohne umfangreiche ERP-Integration. Mit der White-Label-Lösung treten Versorger selbst als Anbieter auf und können ihr eigenes Logo, Farben, App-Namen und Inhalte definieren sowie optional ihre dynamischen Tarife anbinden. Die dritte Variante eignet sich für Stadtwerke, die über ein TSG-Kundenportal und somit eine Schnittstelle zum ERP-System verfügen. Über die TSG-One-App kann clever-PV ebenfalls direkt angebunden werden.

HildesHaus als lohnenswerte Umsetzung

Einer der ersten Pilot-Partner ist die EVI Energieversorgung Hildesheim. Mit HildesHaus bietet sie eine Kombination aus HEMS-App, ihrem dynamischen Tarif EVI Flex und der Geräteinstallation. „Das wachsende Interesse an flexiblen Stromtarifen und einer zentralen Lösung, die PV, Wärmepumpe und Wallbox vernetzt steuert, war ein entscheidender Auslöser“, so die Referentin für Unternehmensentwicklung bei der EVI, Alisa Juch. Zudem bietet die EVI Installationen von Anlagen wie PV und Wärmepumpen an – was eine passende HEMS-Lösung unerlässlich macht. Die EVI sieht HildesHaus als Baustein, der sie als Lösungsanbieter positioniert und neue Erlösquellen erschließt. Die Wahl der Umsetzung fiel auf die White-Label-Lösung, da die EVI für ihre Kundschaft das „Gesicht zum Kunden“ bleiben will. „In der Thüga-Gruppe bündeln wir Know-how und technologische Kompetenz. Dieses Netzwerk ermöglicht es uns, innovative Lösungen wie HildesHaus wirtschaftlich und zukunftssicher umzusetzen“, sagt Mustafa Sancar, kaufmännischer Geschäftsführer der EVI. „Wir wollen die Vorteile der Energiewende vor Ort nutzbar machen. Mit HildesHaus schaffen wir Transparenz, Effizienz und mehr Flexibilität für unsere Kundinnen und Kunden in Hildesheim, um Energie effizienter zu nutzen.“ EVI-Produktmanager Johannes Krupp ergänzt: „HildesHaus kann drei Zielgruppen bedienen: Bestandskunden, die wir mit digitalen Services stärker binden möchten. Neukunden, die ein schlüsselfertiges Komplettpaket suchen. Kunden, die Geräte unterschiedlicher Hersteller intelligent vernetzen wollen.“ Deisingers Schlussfolgerung: „Stadtwerke und Energieversorger sollten eine Antwort haben, wenn sich ihre Kundschaft nach HEMS-Lösungen erkundigt. Ansonsten holen sie sich Angebote bei Wettbewerbern ein und sind möglicherweise dauerhaft verloren.“

Wachstumsmarkt B2C-Flexibilitätsvermarktung

Die Thüga hat in Kooperation mit dem Forschungsinstitut EWI die Potenziale für Energieversorgungsunternehmen zur Flexibilitätsvermarktung von Ein- und Zweifamilienhäusern untersucht. „Wir sehen hier einen sehr relevanten strategischen Wachstumsmarkt“, sagt die Thüga-Innovationsmanagerin Valery Greil. „Insbesondere hinsichtlich der Erschließung weiterer Erlösquellen punkten Flex-Tarife gegenüber den gesetzlich vorgeschriebenen dynamischen Tarifen, bei denen Preisvorteile und Risiken vollständig bei der Kundschaft liegen.“ So haben Versorger bei Flex-Tarifen die Möglichkeit, mit der aktiven Teilnahme an Day-Ahead- und Intraday-Märkten zusätzliche Umsätze zu erwirtschaften. Dabei werden aber Partner für Aggregation und Handel benötigt, weshalb Flex-Tarife mehr Aufwand bedeuten. Versorger sollten sich daher, auch wegen der wachsenden Konkurrenz, frühzeitig mit dem Thema beschäftigen. Laut Studie kann Flexibilitätsvermarktung bis zu zwei- oder dreimal höhere Erlöse erzeugen als rein dynamische Tarife. Bis 2040 sind bis zu sechs Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland möglich. Haushalte mit E-Fahrzeugen liefern dabei den höchsten Wertbeitrag. Ebenso hoch ist für Energieversorgungsunternehmen der strategische Wert durch Skalierung, Datengenerierung und Kundenbindung einzuschätzen. „Für 2026 arbeiten wir bei der Thüga an Lösungen für die Erschließung der B2C-Flexibilitätsvermarktung“, so Greil.