Geothermische Untersuchungen für eine nachhaltige WärmeversorgungDie Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) haben in ihrem Erkundungsgebiet seismische Messungen durchgeführt.  Ein Interview mit Dr. Uwe Baaske, Stabsstelle Geothermie bei den SWK. 

Im Herbst 2025  haben die seismischen Messungen begonnen. Was hieß das konkret? 

Von Mitte Oktober bis kurz vor Weihnachten rollten 13 Vibro-Trucks durch Kaiserslautern und Umgebung. Sie haben mit gezielten Vibrationen den Untergrund vermessen, um herauszufinden, ob sich eine geothermische Bohrung für eine klimafreundliche Wärmeversorgung lohnt. 

Wie groß ist das Gebiet, das die Vibro-Trucks vermessen haben? 

Das Messgebiet ist 135 Quadratkilometer groß, umfasst nicht nur die Stadt Kaiserlautern und etliche Gemeinden, sondern schließt auch Naturschutzgebiete, ein Gelände, in dem sich Kampfmittel aus dem 2. Weltkrieg befinden, sowie Militärstützpunkte der US-Armee und den Militärflugplatz Rammstein mit ein. 

Keine leichte Aufgabe! 

Sie sagen es. Bevor wir im Vorfeld die 27.000 Geophone ausgelegt haben – alle 30 Meter einen – haben wir unzählige Meetings mit den entsprechenden Behörden, Gemeinden, Umweltverbänden, etc. geführt, um diese über die notwendigen Messungen aufzuklären und Genehmigungen einzuholen. Jede Wegstrecke, jedes Betreten von Eigentum musste im Vorfeld abgeklärt werden. 

(c) SWK
Im Herbst 2025 waren 13 Vibro-Trucks der SWK in Kaiserslautern und Umgebung unterwegs.

Wie haben die Menschen vor Ort reagiert? 

Unterschiedlich. Manche verständig, andere weniger. Was zeigt: Eine frühzeitige und offene Kommunikation ist tatsächlich das A und O eines solchen Vorhabens. Die SWK haben seit vergangenem Frühjahr umfassend medial informiert, ob in Zeitung, Radio, Fernsehen oder auf Social Media. Im Sommer haben wir extra einen Vibro-Truck in die Stadt schaffen lassen, um den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich mit diesem gewaltigen Truck vertraut zu machen. Nach dem Motto: „Aha, der Truck vibriert, aber es ist nicht gefährlich, ich bin nicht bedroht.“ Das war emotional wichtig für die Bürger. Bevor die Trucks dann im Herbst ihre Arbeit aufgenommen haben, haben wir zusätzlich Wurfsendungen in den entsprechenden Gemeinden gemacht, um uns nochmals anzukündigen. Trotzdem gab es immer wieder empörte Anrufe von Bürgern nach dem Motto, „wir haben von nichts gewusst“. Mit solchen Reaktionen müssen wir leben. Die SWK sind jedenfalls überzeugt, dass sie jede Möglichkeit genutzt haben, um umfassend und transparent zu informieren. 

Gab es trotz aller Vorarbeit Überraschungen? 

Die größte Überraschung bei den Untersuchungen gab es in den Wäldern – dort, wo wir es am wenigsten erwartet haben. Wildschweine fanden die auf dem Boden liegenden Geophone wohl sehr interessant und haben einige von ihnen zerstört. Besonderes Fingerspitzengefühl habe ich bei den Verhandlungen mit der US-Militär benötigt, denn wir mussten auch auf deren Gelände Messungen durchführen. Ebenso auf dem Gelände von Rüstungsindustrie mit ihrer kritischen Infrastruktur. Natürlich reagieren sie erst einmal skeptisch! Bei einer Firma für Feinmechanik mussten wir uns drei Stunden im Voraus anmelden, damit diese ihre Messgeräte herunterfährt, die durch die Vibrationen gestört worden wären. 

Wie viele Menschen waren beim Projekt beteiligt? 

In den entscheidenden Monaten bis zu 100 Personen. Truppen, die die Messungen durchgeführt haben, Truppen, die die Geophone ausgelegt haben. Truppen, die die Vibrationspunkte markiert und ausgemessen haben. Vor und hinter den Vibro-Trucks fuhren Verkehrssicherheitsfahrzeuge, bei jedem Vibro-Trupp war ein so genannter Permeter dabei, der sich um möglich auftretende Probleme gekümmert hat. Dann gab es noch Messtrupps, die Kontrollmessungen an Fundamenten und Häusern durchgeführt haben, um sicherzustellen, dass die Vibration nicht eine bestimmte Stärke überschreitet und keine Risse an Häusern entstehen. 

All diese Menschen mussten koordiniert werden...

Jeden Morgen um acht Uhr gab es eine Lagebesprechung mit den jeweiligen Projektleitern der zuständigen Dienstleister. Die Zusammenarbeit mit ihnen war ausgesprochen professionell, alle Beteiligten wussten, was sie zu tun haben. Insgesamt war das Projekt eine logistische Meisterleistung. Und wir hatten Glück mit dem Wetter, sind von Winterstürmen und Dauerregen verschont geblieben. Stellen Sie sich vor, drei Tage Regen und ein Vibro-Truck mit seinen 26 Tonnen in einem Waldweg – danach ist der Weg ein Schadensfall. 

Jetzt werden die Daten gesichtet und analysiert, die die Vibro-Trucks und die Geophone gesammelt haben

Genau. Alle Daten werden aus den Geophonen ausgelesen und zusammengerechnet. Danach beginnt das Prozessieren der Daten in einem Computer: Sie werden eingespeist und in verwertbare Informationen umgewandelt. Mit dem ersten Ergebnis rechnen wir Anfang April. Danach kommen aber weitere geologische und geophysikalische Untersuchungen, die zusätzlich einige Wochen in Anspruch nehmen. 

Bedeutet das, dass die SWK im Sommer weiß, ob sich der riesige Aufwand der seismischen Untersuchungen gelohnt hat? 

Genau. Natürlich sind wir sehr gespannt. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich im Vorfeld mit so vielen Stakeholdern, Verbänden, Gemeinden und Behörden gesprochen haben, manchmal mehrere Male. Dieser Vertrauensaufbau war während der seismischen Messungen Gold wert und hat uns viel Ärger und Verdruss gespart. 


Wie arbeitet ein Vibro-Truck? 

Die 26 Tonnen schweren Lastwagen sind mit schweren Vibrationsplatten ausgestattet. Diese werden in dem Untersuchungsgebiet alle 30 Meter auf den Boden abgesenkt, um kontrollierte Vibrationen (Schallwellen) in den Untergrund zu senden. Diese reflektieren an unterschiedlichen Gesteinsschichten und werden von Geophonen an der Oberfläche aufgezeichnet. Mit dem Ergebnis kann ein präzises 3D-Modell der Erdschichten erstellt werden. 

Was ist ein Geophon? 

Geophone sind elektro-mechanische Wandler, die Bodenschwingungen in analoge Spannungssignale umwandeln. Sie sehen aus wie kleine Kästchen und werden bei der Untersuchung von Geothermie im Messgebiet alle 30 Meter in den Boden gesteckt oder ausgelegt.  

27.000 solcher Geophone wurden in Kaiserslautern und Umgebung ausgelegt.