Umfrage unter Wasserversorgern im Thüga-Netzwerk: 86 Prozent sehen hohen oder sehr hohen Investitionsbedarf. 76 Prozent halten die heutigen Wasserpreise dafür nicht für ausreichend.

Wasser läuft aus einem Hahn in eine Flasche. Quelle: Thüga

Damit Trinkwasser auch in Zukunft zuverlässig und in höchster Qualität fließt, sind heute Investitionen nötig.

Deutschlands Trinkwasserversorgung ist sicher – noch. Doch zunehmende Trockenperioden, sinkende Grundwasserstände und veränderte Niederschlagsmuster stellen Wasserversorger vor neue Herausforderungen. Um die Versorgung auch unter den Bedingungen des Klimawandels zuverlässig gewährleisten zu können, müssen diese erhebliche Summen in Wassergewinnung, Speicher, Netze und weitere Infrastruktur investieren.

Umfrage zeigt Finanzierungslücke

Eine aktuelle Umfrage unter den wasserversorgenden Stadtwerken in der Thüga-Gruppe, Deutschlands größtes Netzwerk kommunaler Energie- und Wasserversorger, zeigt dabei eine deutliche Lücke zwischen dem notwendigen Investitionsbedarf und den bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten: 86 Prozent der befragten Unternehmen schätzen ihren Investitionsbedarf für eine zukunftssichere Wasserversorgung als hoch oder sehr hoch ein. Gleichzeitig sagen 76 Prozent, dass sich die erforderlichen Investitionen aus den heutigen Wasserpreisen nicht finanzieren lassen.

Die Klimaanpassung geht über technische Lösungen hinaus. Die Frage ist vielmehr: Wie lässt sich eine sichere Wasserversorgung dauerhaft finanzieren? „Versorgungssicherheit ist nicht zum Nulltarif zu haben“, fasst ein Teilnehmer der Umfrage die Herausforderung zusammen. Die Wasserversorger sehen dabei nicht nur steigende Anforderungen durch den Klimawandel, sondern auch wachsende Kosten für Erhalt, Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur.

Wasser muss seinen Wert behalten

Aus Sicht der Stadtwerke braucht es deshalb eine stärkere gesellschaftliche Debatte über den Wert von Trinkwasser. Die Bevölkerung müsse nachvollziehen können, dass eine sichere Wasserversorgung erhebliche und langfristige Investitionen voraussetzt.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht um möglichst hohe Wasserpreise, sondern um einen Ausgleich zwischen Versorgungssicherheit, notwendigen Investitionen und Bezahlbarkeit. Ein weiterer Teilnehmer der Umfrage bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen eine sichere und nachhaltige Wasserversorgung zu angemessenen und transparenten Preisen.“

Dazu sei auch ein Umdenken nötig: „Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Es sollte primär auch nur für diesen Zweck verwendet werden!“ Gleichzeitig dürften Kosten für Verschmutzungen und zusätzliche Reinigung nicht durch die Allgemeinheit getragen werden: „Wasserversorgung müssen wir in größeren Strukturen denken und die Kosten für zusätzliche Reinigungsstufen dem Verursacher in Rechnung stellen.“

Auch eine stärkere Zusammenarbeit der Wasserversorger kann helfen, effizient zu arbeiten, Know-how zu bündeln und Investitionen gemeinsam zu stemmen. Sie allein wird die Finanzierungslücke jedoch nicht schließen.

Jetzt investieren, statt zu spät reagieren

Die Botschaft der Wasserversorger ist deshalb klar: Klimaanpassung bei der Wasserversorgung darf nicht erst dann beginnen, wenn die Folgen des Klimawandels unmittelbar spürbar werden. Wassergewinnungsanlagen, Speicher und Leitungsnetze werden über Jahrzehnte geplant und betrieben.

„Die deutsche Wasserversorgung ist eine der zuverlässigsten der Welt. Das bleibt sie nur, wenn wir jetzt investieren. In Anbetracht des Klimawandels wird nicht die Frage sein, ‚ob‘ wir investieren, sondern ob wir es rechtzeitig tun“, sagt Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorstandsvorsitzender der Thüga.

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