Unter der Leitfrage „Smarte Netze, schneller Ausbau: Strategien für E-Mobilität und Speicher aus der Stadtwerke-Praxis“ kamen am 23. April 2026 Bundestagsabgeordnete, Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Ministerien und Verbänden sowie Expertinnen und Experten aus dem Thüga-Netzwerk im Clubraum des Deutschen Bundestages zusammen. Über 50 Gäste diskutierten dabei über die aktuellen Herausforderungen der Netztransformation. Durch das Frühstück führte Lena Burchartz, Leiterin des Berliner Büros der Thüga.

Dr. Constantin H. Alsheimer, Vorsitzender des Vorstands der Thüga, ordnete das geplante Netzanschlusspaket ein. Die Synchronisation von Ausbau der Erneuerbaren Energien und Netzinfrastruktur sei eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Energiesystem. Die Thüga-Gruppe investiere in den nächsten Jahren in erheblichem Umfang in Netze, Infrastruktur und Digitalisierung und bringe deshalb ihre Erfahrungen aus der kommunalen Praxis aktiv in die politische Debatte ein. Positiv bewertete Dr. Alsheimer insbesondere die vorgesehenen Schritte zur Digitalisierung und Standardisierung der Netzanschlussverfahren sowie das geplante Reservierungs- und Freigaberegime, das zu mehr Transparenz und Effizienz bei knappen Netzkapazitäten beitragen könne. Kritisch hob er hingegen den vorgesehenen Redispatch-Vorbehalt hervor. Die geplante 3-Prozent-Schwelle in kapazitätslimitierten Netzen könne erhebliche Unsicherheiten für Investitionen auslösen und damit den Ausbau der Erneuerbaren Energien bremsen.

Grußwort von Dr. Constantin H. Alsheimer (Vorsitzender des Vorstands der Thüga)

Im weiteren Verlauf gaben Dr. Miriam Stoff (Regioladen+ GmbH & Co. KG) und Gregor Gülpen (Stadtwerke Villingen-Schwenningen) sehr praxisnahe Einblicke in den Ausbau von Ladeinfrastruktur und den Einsatz von Batteriespeichern. Beide Beiträge zeigten deutlich, dass Kooperation, Skalierung und flexible Lösungen entscheidende Erfolgsfaktoren für die Umsetzung vor Ort sind.

In der anschließenden Diskussion wurde der Spannungsbogen zwischen politischem Anspruch und operativer Realität besonders deutlich. Aus der Praxis wurde betont, dass sich der physische Netzausbau nur begrenzt beschleunigen lässt und Genehmigungsprozesse teilweise mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Gleichzeitig wurde die zentrale Rolle von Speichern und Flexibilitätsoptionen hervorgehoben, um bestehende Netze effizienter zu nutzen.

Der geplante Redispatch-Vorbehalt wurde von mehreren Seiten kritisch eingeordnet. Insbesondere die 3-Prozent-Regelung wurde als kaum praktikabel bewertet und ihre steuernde Wirkung infrage gestellt. Statt zusätzlicher Komplexität brauche es vor allem praxistaugliche und investitionsfreundliche Lösungen, die den Ausbau tatsächlich beschleunigen.

Unsere Schirmherrin des Parlamentarischen Frühstücks, Dr. Maria-Lena Weiss, MdB, betonte, dass sich das Gesetzgebungsverfahren in einem frühen Stadium befinde und damit noch erheblicher Gestaltungsspielraum bestehe. Sie hob die wachsende Bedeutung von Speichern für das Gesamtsystem hervor und griff eine prägnante Metapher auf. Das Stromnetz sei wie ein bereits gefülltes Glas mit Steinen und Sand, entscheidend sei nun nicht die starre Begrenzung, sondern die intelligente Nutzung und Weiterentwicklung des verbleibenden Raums. Dabei gehe es weniger um ein fixes System als vielmehr um Flexibilität und optimale Ausnutzung vorhandener Kapazitäten.

Insgesamt wurde deutlich: Neben dem Netzausbau selbst werden vor allem klare Priorisierungsregeln, der konsequente Ausbau von Flexibilitäten sowie verlässliche Investitions- und Rahmenbedingungen entscheidend sein, um die Energiewende im Stromsystem erfolgreich voranzubringen.

v.l.n.r.: Dr. Miriam Stoff (Regioladen+ GmbH & Co. KG), Lena Burchartz (Thüga), Dr. Maria-Lena Weiss MdB, Christoph Frauenpreiß MdB, Dr. Constantin H. Alsheimer (Thüga), Gregor Gülpen (Stadtwerke Villingen-Schwenningen)

Am Ende des Frühstücks stand die gemeinsame Erkenntnis, dass der schnelle und zugleich netzverträgliche Anschluss von Erneuerbaren Energien, Speichern und Ladeinfrastruktur eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre bleibt. Die Thüga wird diesen Prozess weiterhin aktiv begleiten und ihre Perspektive aus der kommunalen Praxis in die politische Diskussion einbringen.