Mit mehr als 120 Anmeldungen stieß der jüngste Online Policy Talk des Thüga-Stadtwerkeverbunds auf großes Interesse. Unter dem Titel „Direktvermarktung, Clawback & Co.: Was die EEG-Novelle für Stadtwerke bedeutet“ diskutierten Vertreter aus Politik und kommunaler Energiewirtschaft über die geplanten Veränderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie die Auswirkungen des begleitenden Netzanschlusspakets.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Lena Appel, Leiterin des Berliner Büros des Thüga-Stadtwerkeverbunds. Ziel der regelmäßigen Policy Talks ist es, aktuelle energiepolitische Fragestellungen aus kommunaler Perspektive zu beleuchten und Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger aus Bundes- und Landespolitik mit Expertinnen und Experten aus der kommunalen Praxis an einen Tisch zu bringen. So entsteht ein Forum für den direkten Austausch zwischen politischer Ebene und den Stadtwerken vor Ort.

Zu Gast waren diesmal Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen, sowie Thomas Walther, Geschäftsführer der Thüga Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG. Im Mittelpunkt stand die mit Spannung erwartete EEG-Novelle 2027. Sie sieht einen grundlegenden Systemwechsel für erneuerbare Energien vor: Statt der klassischen Einspeisevergütung sollen künftig auch kleine EE-Anlagen ihren Strom verpflichtend direkt vermarkten. Anstelle einer einseitigen Marktprämie wird mit zweiseitigen Differenzverträgen ein neuer Refinanzierungsmechanismus eingeführt, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu steuern.

Gerade für Stadtwerke ist die konkrete Ausgestaltung dieser Reform von großer Bedeutung. Sie entscheidet darüber, ob Investitionen in Wind- und Solarprojekte auch künftig wirtschaftlich und finanzierbar bleiben.

Trotz unterschiedlicher Blickwinkel aus Politik und Projektentwicklung zeigten sich im Gespräch bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Gästen. Sowohl Jochen Ott als auch Thomas Walther betonten, dass der Ausbau erneuerbarer Energien konsequent fortgesetzt werden müsse. Ein Bremsen sei weder energie- und sicherheitspolitisch noch volkswirtschaftlich sinnvoll. Andererseits herrschte Einigkeit darüber, dass die Novelle jetzt notwendig ist, um bestehende Fehlanreize und übermäßige Mitnahmeeffekte zu vermeiden.

Gleichzeitig machten beide Diskutanten deutlich, dass der notwendige Systemwechsel vor allem eines braucht: Verlässlichkeit und Finanzierbarkeit. Aus Sicht der Stadtwerke und Projektentwickler sind langfristig stabile Rahmenbedingungen entscheidend, um Investitionen in neue Wind- und Solarparks weiterhin finanzieren zu können. Insbesondere die Diskussion um verpflichtende Direktvermarktung, Refinanzierung und die künftige Rolle von Power Purchase Agreements (PPA) verdeutlichte, wie wichtig Investitionssicherheit für die Finanzierung neuer Projekte bleibt.

Auch beim Thema Infrastruktur lagen die Einschätzungen nah beieinander. Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse Hand in Hand mit einem beschleunigten Ausbau der Netze erfolgen. Jochen Ott verwies auf weiterhin zu lange Genehmigungs- und Umsetzungsprozesse sowie auf die Belastung der lokalen Industrie durch hohe Netzentgelte. Thomas Walther unterstrich, dass zusätzliche Unsicherheiten durch das parallel diskutierte Netzpaket und regulatorische Prozesse vermieden werden sollten.

Besonderen Zuspruch fand im Gespräch ein Vorschlag der Thüga-Gruppe für ein neues Reservierungsregime beim Netzanschluss. Ergänzend zum diskutierten Prinzip „first ready – first served“ sprachen sich die Teilnehmer für eine stärkere Berücksichtigung lokaler Bedarfe im Sinne eines „local first“-Ansatzes aus. Damit könnten beispielsweise die Anforderungen kommunaler Wärmeplanung, der Elektromobilität oder örtlicher Industriebetriebe künftig stärker in Netzanschlussentscheidungen einfließen.

Auch das virtuelle Publikum wurde aktiv eingebunden. Auf die Frage, welches Leitprinzip die EEG-Novelle 2027 am stärksten prägen sollte, fiel die Antwort eindeutig aus: Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmenden wünschte sich vor allem mehr Investitionssicherheit sowie mehr Systemdienlichkeit. Diese Prioritäten spiegelten sich auch in der Diskussion wider.

Der Policy Talk machte deutlich: Die Transformation des Energiesystems erfordert nicht nur ambitionierte Ausbauziele, sondern vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, gerechte Lastenverteilung und eine solide Finanzierung.  Der Thüga-Stadtwerkeverbund wird diesen Dialog auch künftig aktiv begleiten und die Perspektiven der kommunalen Ebene in die energiepolitische Debatte einbringen.