Verfolgt die Bundesregierung die energie- und klimapolitischen Ziele trotz der Corona-Pandemie weiter? Diese Frage stellte sich die Energiewirtschaft in den vergangenen Monaten. Die Antwort lautet: eindeutig ja. So läuft derzeit die Novellierung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) im parlamentarischen Verfahren. Und wie kommunizieren Energieversorger über steigende Preise mit ihren Kunden am besten?

Die Zeit drängt: Bereits am 1. Januar 2021 soll die Bepreisung von CO2 für die Sektoren Wärme und Verkehr eingeführt werden. Vorrangiger Zweck: die nationalen Klimaschutzziele zu erreichen. 25 Euro ist der Einstiegspreis pro Tonne CO2 im kommenden Jahr. Wie das Gesetz von den „Inverkehrbringern“ der Energieträger, also beispielsweise den Energielieferanten, umgesetzt werden soll, regeln Durchführungsverordnungen. Zwei Verordnungen als Entwürfe lagen in den vorigen Wochen den Verbänden zur Anhörung vor. „Auch die Thüga hat sich maßgeblich mit Kommentierungen zu den Entwürfen eingebracht, die sowohl durch den VKU als auch den BDEW ans Bundesumweltministerium zurückgespielt werden“, sagt Markus Wörz, Leiter der Thüga-Stabsstelle Energiepolitik Deutschland. Im September sollen diese Entwürfe verabschiedet werden. „Dann haben wir hoffentlich Klarheit, welche konkreten Schritte die Thüga-Partnerunternehmen bis Jahresende gehen müssen, um das BEHG umzusetzen.“

  1. Die Brennstoffemissionshandelsverordnung (BEHV) regelt die Organisation des nationalen Emissionshandelsregisters und den Verkauf der Emissionszertifikate zwischen den Akteuren. Wörz: „Diese Verordnung legt fest, welche Konten in diesem Register eröffnet werden müssen, über die dann Kauf, Verkauf und Zuteilung von Zertifikaten erfolgen.“
  2. Die Berichterstattungsverordnung 2022 (BeV 2022) regelt die Emissionsberichterstattung im Brennstoffemissionshandel ausschließlich für die Periode 2021 und 2022. Wörz: „Diese Verordnung bestimmt beispielsweise die Standardemissionsfaktoren, aus denen sich dann errechnen lässt, wie hoch die CO2-Bepreisung beispielsweise für eine Kilowattstunde Erdgas ist.“

Erklärvideo bringt’s auf den Punkt

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Ein aktuelles Ergebnis der Thüga-Marktforschung belegt, dass sowohl die Einführung des BEHG als auch die Konsequenzen daraus bei Kunden und Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Deshalb unterstützt das Thüga-Kompetenzteam Vertrieb & Marketing ihre Partnerunternehmen unter anderem mit einem Erklärvideo, das die Thüga-Partnter für die eigene Kundenkommunikation nutzen können.

Die richtige Kommunikation

„Der Gesetzgeber möchte den Endverbraucher zu einem klimafreundlichen Verhalten anreizen, indem er die CO2-Emission von Erdgas und Heizöl bepreist“, sagt Arne Geiger, Leiter Thüga-Kompetenzteam Vertrieb & Marketing (MA-V). „Die Verantwortung bürdet er allerdings dem Erdgasversorger auf, der die Preiserhöhung an den Kunden weitergeben muss.“ Jetzt geht es darum, dem Kunden vor allem den Kontext zu erklären, „damit weder Erdgas als Energieträger noch der Erdgasversorger an Image verliert und der Kunde treu bleibt“, sagt Georg Münnich von MA-V. Doch steigende Energiekosten zu vermitteln, ist in Zeiten von Corona doppelt schwierig. Denn in 2021 kommt auf den Haushaltskunden eine durchschnittliche Kostensteigerung von rund 90 Euro, bis 2025 von etwa 200 Euro jährlich zu, das sind rund 10 bis 20 Prozent mehr. „Diese jährliche Preisanpassung führt zu erhöhtem Kündigungsrisiko“, warnt Münnich. Erdgasversorger können jedoch gegensteuern. Die Thüga-Experten empfehlen:

1. Stärken Sie Ihr Image als Erdgas­versorger.
„Die Bundesregierung strebt eine Klimawende durch die Reduktion von Emissionen an. Wir unterstützen das.“
> Aktivitäten des Versorgers beim Klimaschutz betonen

„Durch das BEHG werden die Energiekosten steigen. Wir unterstützen unsere Kunden dabei, Energieverbrauch und -kosten zu senken.“
> Kunden aktiv informieren, Vertrags­optimierung vorschlagen

2. Verhindern Sie, dass Erdgas negativ wahrgenommen wird.
„Erdgas, Biogas und erneuerbares Gas sind Teil der Lösung, nicht Teil des Problems.“
> Potenzial CO2-Einsparungen durch Erdgas kommunizieren

3. Bereiten Sie die not­wendige Pflichtkommu­nikation vor.
> Verschiedene Kontakt- und Info-Kanäle anbieten

Auch Fernwärme ist betroffen

„Die CO2-Kosten für Erdgas werden künftig auch die Wärmepreise verteuern“, sagt Admir Hadzikadunic vom Thüga-Kompetenzteam Erzeugung. „Denn Erdgas ist der meistverwendete Brennstoff bei der Wärmeerzeugung.“ Auch hier ist es wirtschaftlich geboten, diese Kosten an den Endkunden weiterzugeben. „Bei neuen Verträgen kann man in die mathematische Preisformel ein CO2-Element von Anfang an aufnehmen“, so Hadzikadunic. „Bei Bestandsverträgen kann eine Weitergabe von CO2-Kosten erst nach einer individuellen Betrachtung erfolgen. Für die Unternehmen, die in der Sparte Wärme unsere Thüga-Musterverträge verwenden, kann eine Weitergabe von CO2-Kosten zum Beispiel über die Thüga-Steuer- und Abgabenklausel in Betracht kommen.“

Fragen zum Thema Fernwärme: Ansprechpartner ist Admir Hadzikadunic, Tel.: 089 / 391 97 – 12 38, E-Mail: admir.hadzikadunic@thuega.de