Was ist Wasser wert?

Wissen Sie, wie viel ein Liter aus dem Hahn kostet? Ein Durchblick zu Wasserpreisen und wie sich diese zusammensetzen. Wasser marsch!

Sie haben Durst? Kein Problem. Sie drehen den Wasserhahn auf, füllen ihr Glas mit Wasser und trinken es. Es schmeckt köstlich: frisch und rein. Wir Deutschen haben es gut. Sauberes Wasser ist für uns selbstverständlich. Wir sind schon irritiert, wenn wir nach Italien oder Spanien reisen, wo man nicht ohne Weiteres das Wasser aus dem Hahn genießen kann. Geschweige denn in vielen anderen Teilen der Welt. Trotzdem glauben viele Deutsche, dass die Wasserpreise zu hoch sind. Das Erstaunliche ist, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, wie viel sie für ihr Wasser bezahlen. Das liegt daran, dass die Kosten für den Wasserverbrauch in der Nebenkostenabrechnung auftauchen und nicht extra aufgeschlüsselt sind.

Mit Abwasser vermischt

Dazu kommt, dass Trinkwasser- und Abwasserpreise in der Betrachtung häufig vermischt werden, Abwasserpreise aber viel teurer sind. Also: Was schätzen Sie, wie viel ein Liter Trinkwasser kostet? Im Geschäft sind viele ja bereit, mehr als zwei Euro für einen Liter zu zahlen. Tatsächlich muss man für einen Liter Wasser aus dem Wasserhahn durchschnittlich 0,2 Cent ausgeben. Vielen Kunden fehlt das Preisgefühl.

Deshalb ist es wichtig, mal genau anzuschauen, wie sich Wasserpreise zusammensetzen und warum Wasserpreise innerhalb Deutschlands so variieren und sich deshalb auch nicht wirklich vergleichen lassen. Erst einmal muss man verstehen, dass sich in Deutschland häufig zwei unterschiedliche Unternehmen um die Wasserver- und -entsorgung kümmern. Dabei sind meist die Stadtwerke fürs Trinkwasser und in der Regel die Zweckverbände für das Abwasser zuständig.

Auch für die Trinkwasserversorgung hat die Kommune die Wahl, welche Organisationsform sie wählen möchte: Entweder im Eigen- oder Regiebetrieb, dann werden Gebühren erhoben. Oder als GmbH oder AG, dann handelt es sich um ein privatrechtliches Unternehmen und dieses erhebt Preise. Dies führt durch unterschiedliche Kalkulationsmerkmale dazu, dass sich Preise von zwei Wasserversorgern nicht vergleichen lassen.

Qualität kostet

Wenn zum Beispiel ein Gebühren erhebendes Unternehmen eine Investition ansetzt, dann kann es einen Beitrag bei den Kunden erheben, um diese Investition zu finanzieren. Diese Beiträge kommen zusätzlich zur eigentlich niedrigen Wassergebühr hinzu. Deshalb können sich die Wasserentgelte von Gemeinde zu Gemeinde massiv unterscheiden.

Deutschland kann sich zwar rühmen, dass an jedem Ort hervorragendes Wasser aus dem Hahn sprudelt. Doch der Aufwand, es in dieser Qualität bereitzustellen, ist völlig unterschiedlich. Der Grund: Verschiedene Faktoren, wie geografische, siedlungsstrukturelle, demografische und rechtliche Rahmenbedingungen machen es den Wasserversorgern entweder leicht – oder schwer.

Der Trinkwasserpreis setzt sich aus drei verschiedenen Entgelten zusammen:

  • Der Grundpreis wird häufig nach der Größe der eingebauten Wasserzähler bemessen. Die Trinkwasserversorgung ist aufgrund der Rohrleitungsnetze sowie der Gewinnungs- und Aufbereitungsanlagen sehr kapitalintensiv. 70 bis 90 Prozent der Kosten der Wasserversorgung sind fixe Kosten. Die Grundpreise machen jedoch meist nur 10 bis 20 Prozent der Trinkwasserpreise aus.

  • Der Arbeitspreis bezieht sich auf den tatsächlichen Wasserverbrauch. Der Anteil der variablen Kosten an der Wasserversorgung ist mit 10 bis 30 Prozent sehr niedrig und wird durch Bezugskosten und Materialkosten in der Aufbereitung bestimmt. An den Entgelten machen die Arbeitspreise jedoch meist 80 bis 90 Prozent aus.

  • Daneben kann für die Erschließung der Grundstücke an die zentrale Wasserversorgung ein Baukostenzuschuss erhoben werden. Dieser deckt einen Teil der Kosten für die Erstellung oder Verstärkung der Wasserverteilungsanlagen ab.