Liberalisierung & Fragmentierung

Stelldichein im Wasserwerk

 
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Liberalisierung & Fragmentierung | 14.05.2017

Stelldichein im Wasserwerk

Mit einer Energieanalyse von Trinkwasseranlagen lassen sich Kosten sparen. Außerdem bietet der Staat finanzielle Unterstützung für individuelle Analysen.

Dr. Josef Lipp

Die Trinkwasser-Anlagen verbrauchen fast ein halbes Prozent des deutschen Stromverbrauchs.Wir unterstützen dabei, das Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent zu heben.

Dr. Josef Lipp,

Thüga SmartService GmbH

Tel. 089 / 381 97 – 17 41, josef.lipp@smartservice.de

Dr. Sebastian Tews lehnt sich in seinem Sitz zurück. Er ist zufrieden. „Eine schöne Wasserversorgung!“, konstatiert er. Er kommt gerade vom Wasserwerk in Erding und sitzt in der Bahn. Und schön meint er nicht im ästhetischen Sinne, sondern im praktischen. Die Wasserversorgung ist solide aufgestellt, insgesamt vier Brunnen an zwei Standorten, ein Wasserwerk. Alles überschaubar, nachvollziehbar. Er hat gesehen, was er für seinen Job braucht.

Energieanalyse Trinkwasseranlagen

Sebastian Tews ist extra aus Fulda angereist. Er ist dort bei der RhönEnergie Fulda tätig. Eine seiner Aufgaben ist es, Trinkwasseranlagen auf ihre Energieeffizienz zu prüfen. Entscheidet sich ein Stadtwerk, Effizienzmaßnahmen umzusetzen, unterstützt er es dabei, staatliche Fördertöpfe anzuzapfen und führt im Anschluss die Energieanalysen zusammen mit Kollegen durch.

Das Wasserwerk Erding

Im Wasserwerk sind Aufbereitung, Saugbehälter und Druckerhöhung untergebracht. Das Wasser ist Tausende Jahre alt, Quartärbrunnen liefern 30 bis 40 Jahre altes Wasser.

Erster Tropfen am Wassersymposium

Wie alles anfing: Thomas Altstetter, Prokurist der Wasserversorgung Erding, hatte auf dem Thüga-Wassersymposium im März den Vortrag von Dr. Andreas König von der Thüga SmartService GmbH (TSG) über die „Initialberatung Trinkwasseranlagen“ gehört. Altstetter kontaktierte daraufhin König. Die TSG vermittelt Energieversorgern Lösungen, um Energie ökologisch und ökonomisch noch sinnvoller zu nutzen – und gesetzgeberische Anforderungen zu erfüllen. So auch die Serviceleistung „TrinkwasserOptimierung“. König hat den Kontakt zwischen Sebastian Tews und der Wasserversorgung Erding hergestellt und das „Stelldichein“ vereinbart.

Gäste als Impulsgeber

Prokurist Altstetter sieht die beiden Gäste als Impulsgeber: „Ich bin sehr gespannt, ob Ihnen Dinge auffallen, die wir nicht sehen“, sagt er bei der Begrüßung im Konferenzraum der Wasserversorgung. „Mein Kollege Mair ist schon seit 30 und ich seit 20 Jahren bei der Wasserversorgung – wir haben sicherlich eine Betriebsbrille auf.“ Bericht gratis, Maßnahmen gegen GeldSebastian Tews stellt zuerst den Ablauf des Termins und der Beratung vor: „Heute erfassen wir den Ist-Zustand Ihrer Förder-, Aufbereitungs- und Verteilungsanlagen“, erklärt er. „Daraus erstellen wir einen kostenfreien Begehungsbericht inklusive erster Effizienzpotenziale.“ Schwerpunkt der Analyse ist die CO2-Bilanz; das ist das übergeordnete Ziel der Bundesregierung. Der nächste Schritt wäre eine tiefergehende Potezialanalyse mit Energiebilanz und möglichen Maßnahmen im Detail – die allerdings kostenpflichtig ist. „Dazu ist mindestens ein zweites Treffen in rund drei Monaten nötig“, so Tews. „Wir erstellen einen Maßnahmenkatalog, der zeigt, was Sie einsparen können, wenn Sie Maßnahme XYZ umsetzen. Wir zeigen auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis auf.“ Dabei geht es nicht „nur“ um die Verbraucher. „Wir betrachten die gesamte Verfahrenstechnik und alle maßgeblichen Prozesse. Daran etwas zu ändern ist manchmal effektiver, als eine neue Pumpe einzubauen.“

In der Schaltzentrale des Wasserwerks erläutert Thomas Altstetter alle einzelnen Komponenten. Von links: Dr. Sebastian Tews, Thomas Altstetter, Dr. Andreas König, Albert Mair.

Den Fördertopf anzapfen

Für diese individuelle Energieanalyse gibt es finanzielle Unterstützung vom Staat, wie Tews erklärt. Der Projektträger Jülich setzt die Förderprogramme im Auftrag der öffentlichen Hand um: „Folgt nach der kostenfreien Initialberatung der Auftrag für die Potenzialanalyse, so gibt es in der Regel mindestens 50 Prozent vom Staat dazu“, führt er aus. Auf jeden Fall könne schon dieser erste Begehungsbericht dazu dienen, den Gremien der Stadt oder der Stadtverwaltung zu belegen, wie das Wasserwerk derzeit arbeite oder welche investiven Maßnahmen notwendig seien. Und nun geht es los zu den Anlagen des Wasserwerks, zwei Stunden lang wird gefragt, zugehört, begutachtet, abgelesen, und auch mal gekraxelt, über Pumpen, sogar unter die Erde, zum Tertiärbrunnen hinunter. Filter, Pumpen, Kompressoren, Becken und den Oxidator, alles beäugt Sebastian Tews ganz genau.

Kraxeln angesagt: Der Tertiärbrunnen liegt einige hundert Meter Meter vom Wasserwerk entfernt unter der Erde.

Ganz viele Ideen

Mit dem Ergebnis, dass Sebastian Tews am Ende des Besuchs bereits einige Vorstellungen im Kopf hat, wo die Erdinger ansetzen könnten, um ihre Energiebilanz noch besser zu machen. Einige Ideen bespricht er auf dem Rückweg mit Andreas König in der Bahn. „Vielleicht eine PV-Anlage auf dem Dach des Wasserwerks?“, überlegt er laut. „Die Kompressoren des Oxidators sind nicht mehr die neuesten …“ Tews plant außerdem eine Simulation der hy­draulischen Netzsituation, um herauszufinden, ob sich generell der Druck reduzieren lässt. Denn nur für einige höher gelegene Häuser muss der Druck des gesamten Netzes hoch gehalten werden. Für diese einzelnen Häuser denkt er an eine Insellösung. „Oder vielleicht eine kleinere Grundlastpumpe installieren, die stetig läuft, und die größeren Pumpen nur bei Bedarf zuschalten?“ König fügt hinzu, auch die Lastspitze von 160 Kilowatt sei schon eine „Hausnummer“, die man sich genauer ansehen müsse, da sie den Leistungspreis beeinflusst. Vielleicht eine Batterie einsetzen, die die Stromspitzen kappt? Bis die Bahn in den Münchner Hauptbahnhof einfährt, tauschen sich die beiden Experten aus. Sobald Sebastian Tews wieder an seinem Schreibtisch in Fulda sitzt, wird er den Begehungsbericht erstellen. Und gemeinsam mit Andreas König und den Kollegen der Wasser­versorgung Erding besprechen, was an Effizienz noch möglich ist.

Energieeffizienz für Abwasserentsorgung

Die größten Energieverbraucher in Kommunen sind häufig die Kläranlagen – mit erstaunlichen Einsparpotenzialen. Die TSG bietet die gleiche Dienstleistung mit kostenloser Initialberatung und geförderter Energie­analyse auch für Klär­anlagen und Abwasserbetriebe an.

Wo schlummert Effizienzpotenzial in Wasserversorgungsanlagen?

  • Wasserverluste identifizieren

  • Lastspitzen identifizieren

  • Förderpumpen optimieren

  • Ist es möglich, Strom selbst zu produzieren? Entweder durch Einsatz von PV-Anlage auf dem Dach der Förderanlage oder durch Nutzung von Wassergefälle?

  • Entfeuchtung, Wärmebedarf, Lüftung optimieren

  • Frequenzumrichter deaktivieren

  • Möglichkeit zu Lastmanagement/Demand Response prüfen.

Dr. Josef Lipp

Die Trinkwasser-Anlagen verbrauchen fast ein halbes Prozent des deutschen Stromverbrauchs.Wir unterstützen dabei, das Einsparpotenzial von bis zu 50 Prozent zu heben.

Dr. Josef Lipp,

Thüga SmartService GmbH

Tel. 089 / 381 97 - 17 41, josef.lipp@smartservice.de

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