Smart Meter liefern das Handwerkszeug für die Digitalisierung der Energiewende. 2020 startet der Roll-out der Smart Meter-Plattform

Müssen alle Stadtwerke auf die Smart Meter-Plattform umstellen?

Durch das 2016 in Kraft getretene Messstellenbetriebsgesetz (MSBG) sind sie de facto zum Markteintritt in die intelligenten Messsysteme gezwungen. Das MSBG gibt den technischen und zeitlichen Rahmen vor, in dem die bisherigen mechanischen Stromzähler gegen Smart Meter ausgetauscht werden sollen.

Wie profitieren die Stadtwerke von diesem verordneten Wechsel?

Für eine Umstellung gibt es auch klare wettbewerbliche Gründe. Smart Meter hilft Stadtwerken, ihre Marktposition zu festigen. Nicht nur, weil das System als komplexe Datendrehscheibe mit dem technischen Rückgrat das Handwerkszeug für die zusehends dezentralisierte Energiewende liefert. Sondern auch, weil die automatisierte Transparenz bei Verbrauchsdaten Betreibern echten Mehrwert generiert: Sie öffnet die Tür beispielsweise zu attraktiven Kombipaketen, zeitvariablen Tarife mit mehreren Preiszonen oder einem unkomplizierten Kosten-Check im Kundenportal.

Welche technischen Voraussetzungen müssen Kunden mitbringen?

Kombination aus digitalem Stromzähler und Kommunikationseinheit: Smart Meter

Erst einmal nur ihr Energienetz und dessen Steuerung. An sie dockt das Smart Meter an, das aus einem digitalen Stromzähler und einer Kommunikationseinheit besteht. Die eine große Lösung, die sich für alle denkbaren Anwendungsfälle ausrollen ließe, gibt es nicht. Die konkrete Ausgestaltung der Plattform ist so verschieden, wie es auch die Betreiber sind. Deshalb kann die Umstellung und der Roll-Out nur über eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Thüga-Plusgesellschaften und dem Kunden gelingen. Einzige Einschränkung: Die Kunden müssen einen Verbrauch von über 6.000 kWh pro Jahr vorweisen.

Welche Funktionalitäten stehen im Moment zur Verfügung?

Bereits seit vergangenem Oktober ist das vorhandene Kundenservice-Portal ?(Customer Self Service, kurz CSS) um eine ganze Reihe von Funktionalitäten wie die Prognose des Jahresendergebnisses erweitert. Diese „Vorausschaurechnung“ wird unmittelbar nach dem Eingang der Messergebnisse automatisch ausgelöst und bereitgestellt. Noch im CSS kann der Kunde auf einer im Sinne der Benutzerfreundlichkeit nochmals verbesserten Oberfläche seine Abschläge ändern. Außerdem kann er individuelle Energiesparziele setzen.

Sind weitere Einsatzmöglichkeiten vorstellbar?

Das Smart Meter ist keine statische Plattform. Genauso, wie sie sich mit den Anforderungen des Marktes und der Energiewende weiterentwickelt, wird dies auch bei den Funktionalitäten und Tools geschehen.

Wie ist der aktuelle Zeitplan?

Obwohl es bis zum Roll-Out 2020 noch dauert, laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Aktuell wartet man auf die technische Verfügbarkeit der Hardware. Parallel laufen umfangreiche Softwaretests. Der Fokus liegt dabei auf der Praxistauglichkeit. Dafür wird u.a. die Software von bisherigen Systemen „gegen“ die Smart Meter-Software gefahren, um Abrechnungsprozesse zu validieren. Stadtwerke können hierbei konkrete Testszenarien anmelden. Darüber hinaus simulieren die beteiligten Plusgesellschaften den kompletten Lebensprozess des Smart Meters. Je näher der Roll-Out der ersten Smart Meter-Generation rückt, desto stärker rückt die zwangsläufig nachfolgende zweite Generation in den Fokus der Überlegungen.

Wie steht es beim Thema Sicherheit?

Gerade bei Angelegenheiten der öffentlichen Energieversorgung ist IT-Sicherheit ein zentrales Thema. Der umfangreiche Einsatz von sicherer Kommunikation etwa durch VPN-Tunnel ist deshalb ebenso eine Selbstverständlichkeit wie eine sichere Gateway-Administrations-Umgebung und sichere Gateways. Selbst die physischen Transportwege der Hardware werden über eigens gesicherte Abläufe abgewickelt. Alle nötigen Sicherheitszertifikate liegen entweder bereits vor oder werden bis zum Start des Roll-outs folgen.

Welche Plusgesellschaften sind am Smart Meter in welcher Rolle beteiligt?

Mit an Bord sind Thüga SmartService (TSG), Conergos, e.dat und E-MAKS. Sie alle steuern dem Projekt ihre jeweiligen Stärken und Erfahrungen bei: TSG als grundzuständiger Messstellenbetreiber und Lösungsentwickler der digitalen Energiewelt; Conergos als ausgewiesener Spezialist für IT-Lösungen; e.dat als anerkannter Experte für Prozesseffizienz und E-MAKS als erfahrener Manager von Schnittstellen und Prozessen rund um die Abrechnung und Marktkommunikation.