Liberalisierung & Fragmentierung

Fast jedes Watt erfasst

 
Liberalisierung & Fragmentierung
Liberalisierung & Fragmentierung | 18.06.2017

Fast jedes Watt erfasst

Mit dem Marktstammdatenregister gibt es bald eine Online-Plattform, auf der alle Strom- und Gas-Erzeugungsanlagen in Deutschland verzeichnet sind. Das Mehr an Transparenz bedeutet aber auch einen großen Aufwand für die Verteilnetzbetreiber – ohne wirkliche Anerkennung des Mehraufwands in der Regulierung.

»Bisher hat uns interessiert, in welchem Bilanzkreis zum Beispiel eine Photovoltaik-Anlage steht, nicht in welcher Gemeinde. Das ändert sich jetzt.«

Siegfried-Paul Germ, Thüga Netzwirtschaft.

Bis zu 40 Parameter wird das neue Register umfassen. Dabei sind auch relativ exotische, wie zum Beispiel der Eigenverbrauch einer Anlage, die Nabenhöhe einer Windenergieanlage oder der Gemeindeschlüssel, die Zuordnung zu einer Gemeinde also. Daten, die – wenn überhaupt – bisher nicht zentral erhoben und gesammelt wurden. Und es ergibt sich auch eine neue Aufgabe für die Verteilnetzbetreiber. Sie sollen die Angaben der Anlagenbetreiber überprüfen: „Da kommt ein Haufen Arbeit auf uns zu“, sagt Siegfried-Paul Germ von der Thüga Netzwirtschaft. „Wir müssen als Verteilnetzbetreiber prüfen und verifizieren. Sind nicht alle Daten vorhanden, können die Netzbetreiber die EEG-Vergütung um bis zu 20 Prozent kürzen.“

Register startet im Herbst

Durchaus eine Möglichkeit also, die Anlagenbetreiber damit ein wenig zu diszi­plinieren. Für die Prüfung der Daten der neuen Anlagen im Register bleibt nur wenig Zeit. Denn spätestens im Herbst wird das Register „scharfgeschaltet“. „Manche Netzbetreiber haben vielleicht 200, andere mehr als 20.000 Anlagen in ihrem Gebiet. Alle Parameter zu überprüfen, wird für sie eine große Herausforderung“, ist sich Siegfried-Paul Germ mit Blick auf den Aufwand sicher.

Marktstammdatenregister mit allen Strom- und Gas-Erzeugungsanlagen

Marktstammdatenregister mit allen Strom- und Gas-Erzeugungsanlagen

Die Daten des Photovoltaik-Registers, des Anlagenregisters für Erneuerbare und der Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur fließen mit in das Martkstammdatenregister ein. Mit den Anforderungen des Energieinformationsgesetzes sollen zu einem späteren Zeitpunkt sogar alle Anlagen bis 0,2 Kilowatt (!) eingetragen werden.

Transparentes Online-Portal

Mit dem Register geht die Branche auch einen großen Schritt Richtung Transparenz. „Es entsteht ein Online-Portal, in das man sich einloggt. Und schon besteht die Möglichkeit, alles einzusehen“, ergänzt Walter Galonska von der Thüga Energiewirtschaft. So wie sich der Smart Meter gerade zur Schnittstelle für die Digitalisierung in der Energiewelt aufschwingt, kann das Marktstammdaten­register künftig das Fundament für viele Netzverbesserungen werden. Und zudem der Politik zeigen, wo Allokationssignale für neue Erzeugungsanlagen sinnvoll sein könnten.

Karte mit allen Erzeugungsanlagen

Da zum Beispiel Geodaten hinterlegt sind, kann man in Zukunft ohne Schwierigkeit eine Deutschlandkarte mit allen Erzeugungsanlagen aus dem Register entnehmen. „Für sichere Energieversorgung in Deutschland oder auch Prognosen zur Netzstabilität wird das Register sehr hilfreich sein“, sagt Germ. Mit den Anforderungen des Energieinformationsnetzes soll das Register dann eines Tages sogar alle Erzeugungsanlagen ab 0,2 Kilowatt sowie alle großen Verbraucher ab 5 Megawatt enthalten.

»Bisher hat uns interessiert, in welchem Bilanzkreis zum Beispiel eine Photovoltaik-Anlage steht, nicht in welcher Gemeinde. Das ändert sich jetzt.«

Siegfried-Paul Germ, Thüga Netzwirtschaft.

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