Mit Beginn der 3. Regulierungsperiode greift die Novellierung der Anreizregulierungsverordnung. Ganz zufrieden ist die Thüga aber nicht, denn der positive Sockeleffekt soll mit der 4. Regulierungsperiode komplett entfallen. Trotz Übergangsregelung steht damit die Refinanzierung von Investitionen auf dem Spiel.

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Sandra Wimmer

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„Die Netzbetreiber müssen kämpferisch sein.“ Sandra Wimmer, Leiterin Regulierung, ist beim Thema Sockeleffekt entschlossen, aktiv zu werden. Zwar wurde eine zentrale Forderung der Branche in der Anreizregulierungsverordnungs (ARegV)-Novelle berücksichtigt: die Abschaffung des Zeitverzugs bei Investitionen. Allerdings ist die Übergangsregelung nicht ausreichend. „Die Einführung des Kapitalkostenabgleichs beseitigt den Zeitverzug für Investitionen, entwertet aber bisherige Investitionen.“ Nach der neuen Regelung werden Gelder, die im Zeitraum von Anfang 2007 bis Ende 2016 investiert wurden, nicht komplett zurückverdient, da sowohl die negativen als auch die positiven Sockeleffekte abgeschafft werden. Dr. Tobias Brandt, Geschäftsführer der Gemeindewerke Haßloch: „Die Berücksichtigung des Sockels nur für die dritte Regulierungsperiode greift zu kurz. Kommunales Vermögen ist gefährdet, wenn eine vollständige Refinanzierung effizienter Investitionen nicht gewährleistet wird.“

Sockeleffekt (relevant für Investitionen in der 1. und 2. Regulierungsperiode): Investitionen müssen vom Netzbetreiber „vorgestreckt“ werden. Da diese Investitionen Kapitalkosten bedeuten, die in der Erlösobergrenze (EOG) der 1. und 2. Regulierungperiode (RP) mit Zeitverzug berücksichtigt sind, entsteht ein negativer Sockeleffekt. Durch die folgende Kostenprüfung (und die Berücksichtigung der Kapitalkosten) legen die Behörden für die nächste RP eine EOG fest, in der die Kapitalkosten des Basisjahres enthalten sind. Die „echten“ Kapitalkosten der Investitionen sinken aber innerhalb der RP, wodurch ein positiver Sockeleffekt entsteht.

Im bisherigen Regulierungsrahmen wurden Investitionen mit einem Zeitverzug von bis zu sieben Jahren in der Erlösobergrenze berücksichtigt (negativer Sockeleffekt). Nun können Netzbetreiber über den KKA Kapitalkosten von getätigten und geplanten Investitionen jährlich beantragen, um die Erlösobergrenze entsprechend zu erhöhen. Der KKAb wiederum beseitigt den bisher möglichen positiven Sockeleffekt, denn die Erlösobergrenze wird aufgrund der Alterung des Netzes stetig verringert: Der Abzug ergibt sich aus dem Vergleich der Kapitalkosten des aktuellen Jahres mit dem jeweiligen Basisjahr. Danach werden in den jeweiligen Betrachtungsjahren die gesunkenen Kapitalkosten von der Erlösobergrenze abgezogen.

Novelle drückt Erlöse

Auch bei den Kapitalkosten der Investitionen aus dem Übergangszeitraum 2016 und 2017 (Gas) beziehungsweise 2017 und 2018 (Strom) gibt es ein Problem: die Regulierungsbehörde erkennt die Kapitalkosten dieser Jahre im Kapitalkostenaufschlag nicht an. Das bedeutet aber, dass Netzbetreiber einen Verlust von bis zu zwei Abschreibungen zuzüglich Eigenkapitalverzinsung und Gewerbesteuer hinnehmen müssen. Insbesondere Investitionen mit kurzer Nutzungsdauer werden dadurch unrentabel. „Einige Verteilnetzbetreiber sind die vielen Beschwerdeverfahren in der Regulierung bereits leid und akzeptieren auch die wirtschaftlich nachteilige Regulierungspraxis. Bei beiden Themen geht es aber um bares Geld, für die Thüga-Gruppe um Beträge in dreistelliger Millionenhöhe. Es lohnt sich also dafür zu kämpfen, zumal uns dieses Geld zusteht“, sagt Mirko Maier, kaufmännischer Geschäftsführer der NRM Netzdienste Rhein-Main.

Auswirkung auf Partnerunternehmen

Um sowohl eigene Abschätzungen für die Gruppe vornehmen zu können, als auch Transparenz für die Netzbetreiber der Thüga-Gruppe zu erzeugen, gibt es den Thüga-Datenpool (THDP): 2017 haben über 60 Netzbetreiber am Thüga Datenpool Gas mit den zwei Auswertungsschwerpunkten Kostenprüfung und Kapitalkostenaufschlag beziehungsweise -abschlag (KKA/KKAb) teilgenommen. „Anhand verschiedener Kennzahlen haben wir die unternehmensindividuelle Situation analysiert, sowie anonymisierte Vergleiche zwischen den Partnerunternehmen abgebildet“, erklärt Sabine Rach, Kompetenzteam Regulierung der Thüga, und ergänzt: „Das Gleiche haben wir in diesem Jahr auch für Stromnetzbetreiber sehr erfolgreich angeboten.“ Der Datenpoolbericht soll den Partnerunternehmen sowohl als Instrument für mehr Transparenz als auch zur Optimierung dienen. Wimmer: „Außerdem zeigt er auf, wie sich KKA und KKAb bis zum Ende der 3. Regulierungsperiode entwickeln und verdeutlicht, in welchem Maße eine Abschaffung des Sockeleffekts den Substanzverzehr beschleunigt.“

Gemeinsam stärker

Die Politik ist aufgefordert bis zum Ende der 3. Regulierungsperiode die Übergangsregelung für Investitionen zwischen 2007 und 2016 zu prüfen und gegebenenfalls auszuweiten. Rach: „Es ist unser Ziel, eine gerechte Regelung für die Investitionen unserer Partner zu erreichen.“ Hinsichtlich der Anerkennung der Kapitalkosten aus den Übergangsjahren empfiehlt die Thüga allen Unternehmen eine Beschwerde. „Wir bieten hierzu eine Prozesskostengemeinschaft an, denn wir glauben, dass gute Erfolgsaussichten bestehen“, erklärt Wimmer. „Für unseren Erfolg ist es wichtig, dass die Verteilnetzbetreiber geschlossen auftreten – und kämpferisch bleiben.“