Liberalisierung & Fragmentierung

Die Win-Win-Netze

 
Liberalisierung & Fragmentierung
Liberalisierung & Fragmentierung | 20.10.2017

Die Win-Win-Netze

Viele Gemeinden stehen vor einem Dilemma: Wie können Netze im Eigentum der Gemeinde, also der Bürger, bleiben? Und wie können vor allem kleinere Gemeindewerke trotzdem wirtschaftlich arbeiten? Zwei pfälzische Versorger haben ihre Kooperation jetzt nochmals vertieft.

Seit Jahren schon praktizieren die beiden Traditionsunternehmen ein Betriebsführungsmodell: die Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim GmbH als betriebsgeführtes Unternehmen und die Stadtwerke Frankenthal GmbH als Betriebsführer. Die Gemeindewerke behalten viele ihrer Anlagen und Aufgaben in eigenen Händen, arbeiten diese aber eng mit dem „großen Bruder“ Stadtwerke ab. Jetzt gehen die beiden Unternehmen den nächsten Schritt aufeinander zu.

Netze werden verpachtet

Anfang 2017 hatte die Gemeinde Bobenheim-Roxheim die Konzessionen, also die Wegenutzungsverträge, für das Strom- und Gasnetz von 2019 bis 2038 erneut an die Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim vergeben. Grundsätzlich sollten die Netze überwiegend im Eigentum der Gemeinde – somit also der Bürger Bobenheim-Roxheims – bleiben. Gleichzeitig wolle man sich im regulierten Markt wirtschaftlich optimal bewegen. „Daher haben wir uns dazu entschieden, die Netze zu verpachten“, erklärt Bobenheim-Roxheims Bürgermeister Michael Müller, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeindewerke. Den passenden Partner habe man in den Stadtwerken Frankenthal gefunden. Es ging darum, die Effizienz eines größeren Stadtwerks in direkter Nachbarschaft nutzen und gleichzeitig hohe Wertschöpfung dauerhaft vor Ort halten. Bobenheim-Roxheim bleibt Netzeigentümer und kann über die nächsten 20 Jahre mit stabilen Pachteinnahmen rechnen. Die Stadtwerke Frankenthal haben die Möglichkeit, den Netzbetrieb effizient in ihr eigenes Netzmanagement zu integrieren.

Der Vertrieb von Strom, Gas und Wärme soll wie bisher über ein Betriebsführungsmodell laufen und in der Hand der Gemeindewerke bleiben.

Musterbeispiel interkommunaler Zusammenarbeit

Der Frankenthaler Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, Andreas Schwarz, sieht die Kooperation „als Musterbeispiel interkommunaler Zusammenarbeit zweier gut zusammen passender Unternehmen“. Gerade im Energiemarkt der Zukunft müssten Kräfte gebündelt und Synergien gehoben werden. Die Kompetenz der Stadtwerke werde in jeder Hinsicht partnerschaftlich geteilt.

Der Kooperation liegt ein umfassendes und komplexes Vertragswerk zu Grunde, das über mehrere Monate ausgehandelt wurde. Juristischer und betriebswirtschaftlicher Berater der Stadtwerke Frankenthal war im Hintergrund die Thüga-Rechtsabteilung.

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