Liberalisierung & Fragmentierung

Den Zuschlag bekommen nur die Besten der Besten

 
Liberalisierung & Fragmentierung
Liberalisierung & Fragmentierung | 20.06.2017

Den Zuschlag bekommen nur die Besten der Besten

Transparenz in Sachen Qualität: Hersteller, die der Thüga-Gruppe Netzmaterialien für Strom, Gas, Wasser und Wärme anbieten, müssen einen elfteiligen Qualifikationsprozess durchlaufen, bis sie die Thüga-Zertifizierung für neue Produkte erhalten.

Wenn es um die Produkte der Thüga-Gruppe geht, profitieren die Kunden gleich doppelt: Zum einen sparen sie durch das zentrale Beschaffungsnetzwerk der Thüga Zeit und Geld, zum anderen können sie sich auf eine stete Optimierung der technischen und materialwirtschaftlichen Prozesse verlassen. Kurzum – es geht Schritt für Schritt zu Bestleistungen, selbst wenn der Hersteller des Produkts am anderen Ende der Welt sitzt.

„Eine Reise nach Indien wäre dann doch ein wenig zu aufwendig gewesen, deswegen haben wir mal etwas Neues ausprobiert“, sagt Anna Lamorski von Einkauf und Netze der Abteilung Technik. Mit „etwas Neues“ ist in diesem Fall die Durchführung eines Werksaudits per online Video-Chat gemeint. „Werksaudits sind ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung für Produkte im Mandatseinkauf.“

Doch bevor es überhaupt zu einem Werksaudit kommt, muss im Vorhinein eine ganze Reihe an Voraussetzungen erfüllt werden. Schritt für Schritt werden Hersteller, Produkte und technische Anforderungen überprüft. Diese gehören zum sogenannten Präqualifikationsprozess, der neben Produkttests und der Abwicklung von Reklamationen eine ganz entscheidende Rolle spielt.

Der Qualitätsanspruch der Thüga ist groß

Elf Schritte durchläuft ein neues Produkt im Präqualifikationsprozess, bis es die Thüga-Zertifizierung erhält, denn die Thüga-Gruppe hat sich beim Mandatseinkauf von Netzmaterialien (für Strom, Gas, Wasser und Wärme) gegen ein offenes Verfahren und für ein Verhandlungsverfahren entschieden. Das bedeutet, dass Produkte von Unternehmen zuerst einen Präqualifikationsprozess durchlaufen und bestehen müssen, bevor sie angeboten werden dürfen.

Hohe Standards und Kontrollen

Zuerst erfolgt ein Aufruf zum Wettbewerb, der im EU-Amtsblatt veröffentlicht wird. Darauf können interessierte Unternehmen Antrag auf Aufnahme einreichen. Sie bekommen dann die Präqualifikationsunterlagen zugeschickt. Dazu gehört unter anderem der Lieferanten-Fragebogen, worin die Unternehmen zum Beispiel verschiedene wirtschaftliche Kennzahlen abliefern müssen. Neben den kaufmännischen Unterlagen müssen auch technische mit eingereicht werden, wie beispielsweise der Nachweis von bestandenen Zulassungsprüfungen. „In diesem Zuge werden den Unternehmen auch die technischen Spezifikationen zugeschickt, die in der Abteilung Netztechnik ausgearbeitet werden“, sagt Lamorski. Wenn die Zulassungsunterlagen vollständig sind und den Anforderungen entsprechen, geht der Prozess weiter. Der Hersteller sendet dann Produktmuster, die von unabhängigen Instituten geprüft werden. Die Thüga-Gruppe hat zusätzlich ihr eigenes Prüfinstitut, die ZMP, die viele Prüfungen in verschiedenen Sparten abdeckt. „So können wir uns selbst auch noch ein Bild von den Produkten machen“, erklärt Lamorski den Vorteil.

Thüga vor Ort: Werksaudit beim Hersteller

Werden die Produkttests bestanden, erfolgt das Werksaudit. Anhand einer Checkliste prüfen Mitarbeiter der Thüga zusammen mit Kollegen aus den Partnerunternehmen Produktionsbedingungen von Zulieferern und stellen dem Hersteller Fragen. Dabei werden nicht nur die ISO 9001-Standards, sondern auch für die Thüga-Gruppe entscheidende Sonderanforderungen geprüft. „Die Rückverfolgbarkeit ist zum Beispiel ein Sonderthema, das für die Thüga-Gruppe von großer Bedeutung, bei der Standardzulassung aber nicht so relevant ist“, erklärt Lamorski.

Die Audits werden pro Hersteller vorgenommen, was bedeutet, dass dieser sich für mehrere Produkte bewerben kann und die Präqualifikation produktscharf ist. „Es kann sein, dass ein Unternehmen in der Herstellung eines Produkts gut ist und bei der eines anderen nicht überzeugt“, bringt Lamorski an. Ein Werksaudit wird jedoch auch nötig, wenn ein bereits präqualifiziertes Unternehmen sich für ein neues Produkt bewirbt oder den Ort seiner Produktion verlegt. Das passierte beispielsweise, als einer der Hersteller einen Teil seiner Produktion nach Indien ausgelagert hat. Da eine Reise nach Indien sehr zeit- und kostenintensiv gewesen wäre, wurde das Werksaudit kurzerhand per Video-Chat durchgeführt. Die Unternehmensleitung lief mit einer Kamera durch die Produktion und war online mit dem Audit-Team verbunden. „Das hat gut funktioniert und wir konnten alle wichtigen Fragen stellen“, freut sich Lamorski.

Die Zusammenarbeit mit den Kollegen ihrer Beteiligungen ist für die Thüga sehr hilfreich, denn diese bringen Erfahrungen aus der Auftragsabwicklung und der Handhabung der Produkte mit. „Außerdem ist es uns auch wichtig, die Käufer der Produkte in den Entscheidungsprozess einzubeziehen“, so Lamorski. „Zwei unserer neuen Hersteller haben das Audit sogar so souverän beantwortet, dass wir kein Verbesserungspotenzial sehen. Das war ein Highlight des letzten Jahres“, freut sich Lamorski.

Letzte Hürde Praxistest

Ist das Audit bestanden, erfolgt noch der Praxistest. „Ein freiwilliges Partnerunternehmen baut schon einmal Produkte ein und testet sie unter Betriebsbedingungen“, erklärt Lamorski. Wenn der Praxistest bestanden ist, wird die Präqualifikation erteilt. Die Abteilung Technik bewertet die laufenden Produkte und Hersteller und unterstützt die Partner­unternehmen bei anfallenden Reklama­tionen. „Der Präqualifikationsprozess kann sehr zeitaufwendig sein, ist aber unbedingt nötig, um die Qualität sicherzustellen“, erklärt Lamorski.

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