Das Netz ist über Jahrzehnte stetig gewachsen, während sich gleichzeitig das Umfeld immer dynamischer ändert. Was tun, damit es alle (neuen) Versorgungsaufgaben erfüllen kann?

Ihr Ansprechpartner:

Axel Stiefermann

Tel. 089 / 381 97 – 14 16

axel.stiefermann@thuega.de

„Die gesetzlichen Vorgaben ändern sich rasant, die dezentrale Stromeinspeisung steigt“, erklärt Axel Stiefermann von der Thüga-Netzstrategie. „An einem Ort werden Verbraucher rückgebaut, an anderer Stelle Wohnraum verdichtet. Die Nachfrage nach Wärmepumpen wächst, und auch die E-Mobilitätspläne stellen neue Anforderungen an das Netz.“

Kein Dornröschenschlaf

Stiefermann und seine Kollegen unterstützen Thüga-Partner dabei, mit OptiNetz die optimale Netzstruktur zu ermitteln – für alle Sparten, bei angemessenen Kosten und Gewährleistung der Versorgungssicherheit. „Wir empfehlen Netzbetreibern, spätestens alle sieben Jahre eine neue Zielnetzplanung vorzunehmen“, sagt Stiefermann. „Aber auch in der Zwischenzeit sollte das Netzmodell nicht nur in der Schublade schlummern!“

Ein OptiNetz-Projekt umfasst fünf Phasen und wird in der Regel durch einen Dienstleister unterstützt. Was bringt es?

  • Kenntnis von aktuellen Engpässen und Sofortmaßnahmen

  • Planungsvorschläge zur langfristigen Netzgestaltung

  • zeitliche Übersicht über nötige Investitionen

  • Transparenz über die optimale Netzstruktur

Der Netzplaner sollte es kontinuierlich pflegen und darin seine normalen Netzberechnungen durchführen, empfiehlt er. „Wir berechnen das Zielnetz auf zehn Jahre, mit Ausblick auf weitere zehn Jahre“, so Stiefermann. „Wir wollen die Netzbetreiber dafür sensibilisieren, wie dynamisch sich die Anforderungen weiterentwickeln – vor allem diejenigen, die sich länger nicht mehr mit der Planung beschäftigt haben.“ Es sei sinnvoll, im Rahmen der Analyse des Ist-Netzes auch den Erneuerungsbedarf zu untersuchen – also Zielnetzplanung mit der Erneuerungsstrategie zu verknüpfen. Dafür steht den Thüga-Partnern zusätzlich OptiStrat zur Verfügung.

Potenzial rausgeholt

Die Rheinhessische Energie- und Wasserversorgungs-GmbH in Ingelheim hat im Frühjahr 2018 ihr OptiNetzProjekt abgeschlossen. Projektleiter Christian Wendling beschreibt seine Erfahrungen:

Warum haben Sie sich für OptiNetz mit Thüga entschieden und nicht direkt selbst einen Dienstleister vor Ort zur Unterstützung ausgesucht?

Wir hatten vor einiger Zeit begonnen, mit Thüga zusammen ein Schalthaus auf unserem Werksgelände umzuplanen. Da kam mir die Idee, zuerst mit OptiNetz zu starten und in dem Zuge auch das Schalthaus zu betrachten. Außerdem hatten wir selbst keinerlei Erfahrung mit der Zielnetzplanung, Thüga konnte uns auch bei der Ausschreibung für den Dienstleister helfen.

Inwiefern?

Wir haben gemeinsam das Lastenheft erstellt, die Angebote verglichen und den Dienstleister ausgewählt. Auch bei den telefonischen Nachverhandlungen hat uns Thüga unterstützt.

Was hat die Zielnetzplanung für das besagte Schalthaus ergeben?

Sie hat uns gezeigt, dass wir es aufgrund unserer Netzstruktur in der ursprünglichen Größe nicht benötigen. Wir konnten es auf eine normale Netzstation reduzieren und dadurch erheblich Kosten sparen.

Christian Wendling (links) mit Geschäftsführer Maik Thum. „Mit der Zielnetzplanung unterstützt Thüga uns dabei, den Kostendruck durch die Anreizregulierung zu senken. Das ist ein Mehrwert, den wir alleine im Markt nicht hätten“, sagt Thum. (Fotograf: Stefan Gröpper)

Was müssen Sie jetzt sonst noch tun?

Wir haben durch OptiNetz 16 Maßnahmen mit 160 Einzelpunkten identifiziert, die wir bis 2028 umsetzen, um unser Netz optimal aufzustellen.

Aber die Welt dreht sich in der Zeit ja weiter – sind diese Maßnahmen bis 2028 in Stein gemeißelt?

Die Empfehlung lautet, um 2023 herum ein OptiNetz-Review durchzuführen, um zu überprüfen, ob wir immer noch auf dem richtigen Weg sind. Wir haben zwar beispielsweise für die E-Mobilität Leistungsreserven berücksichtigt, es ist aber schwer, die Entwicklung schon heute genau vorherzusehen.

Wie lautet Ihr persönliches Fazit?

OptiNetz ist eine super Methode, um die Kapazitäten und Schwächen des Netzes herauszufinden und ein belastbares Netz aufzubauen. Wir haben eine Übersicht über die Kosten und mögliche Kostenreduktionen bekommen.

Wie sieht es konkret bei der Rheinhessischen aus?

Wir können 84 Schaltfelder und 12 Kilometer Mittelspannungskabel rückbauen. Die ursprünglich geplanten Erneuerungen lassen sich durch OptiNetz reduzieren, dadurch sparen wir rund 50 Prozent Kosten ein. Das freiwerdende Budget können wir an anderer Stelle technisch und regulatorisch sinnvoll im Netz investieren. Ich hätte nie erwartet, dass wir so ein Potenzial rausholen.