Weniger Kosten, mehr Flexibilität – Ist Carsharing das Konzept der Zukunft?

In Deutschland gibt es Carsharing schon seit über 25 Jahren. Und das Konzept hat weiterhin viel Potenzial, denn es spart Platz, Zeit, Emissionen und Geld. Für die Thüga könnte Carsharing in der kommunalen Vernetzung deshalb eine große Chance sein.

App öffnen, Auto suchen, persönlichen Code eingeben und los geht’s: 2017 nutzten mehr als eine Million Menschen in fast 600 Städten und Gemeinden in Deutschland Fahrzeuge über Carsharing. Vor wenigen Jahren noch belächelt, ist Carsharing mittlerweile zu einem festen Bestandteil der Mobilität in Deutschland geworden. „Ob nun Mitfahrgelegenheit, Privatauto-Sharing oder kommerzielle Carsharing-Flotten – das Angebot ist breit. Die jährliche Wachstumsrate der Nutzer liegt seit 2012 bei über 46 Prozent“, erklärt Evamaria Zauner, Projektmanagerin Mobilität aus der Abteilung Innovationsmanagement. „Vielen Leuten ist nicht bewusst, was das eigene Auto eigentlich kostet und dass es vielleicht günstigere Alternativen gibt.“ Carsharing lohnt sich besonders für „Wenigfahrer“: Bis rund 12.000 Kilometer Fahrleistung im Jahr ist Carsharing günstiger als die Nutzung eines privaten Mittelklassewagens (siehe Grafik).

Pkw-Kosten beruhen auf dem ADAC-Autokostenrechner für eine Haltedauer von fünf Jahren und beinhalten Wertverlust, Fixkosten (Versicherung & Kfz-Steuern), Werkstattkosten, Kraftstoffkosten (aktueller Kraftstoffpreis, Verbrauch nach Herstellerangaben).

Sharing ist vielfältig

Sharing-Konzepte können nach vier Kriterien gegliedert werden:

1. Zielgruppe: Unternehmen, Mitarbeiter und Privatpersonen können sich in verschiedenen Konstellationen ein Sharing-Objekt teilen. „In Gemeinden im Münchner Umland dient beispielsweise ein Carsharing-Fahrzeug tagsüber den Rathausmitarbeitern als Dienstfahrzeug, nach Feierabend steht es dann allen Nutzern zur Verfügung“, schildert Zauner.

2. Sharing-Objekt: Vom Pkw über den Roller bis hin zum Fahrrad oder E-Bike. Dem Teilen sind keine Grenzen gesetzt.

3. Geschäftsgebiet: Die meisten Sharing-Systeme gibt es in Großstädten. Aber auch in Klein- und Mittelstädte sowie im ländlichen Raum gibt es Beispiele für erfolgreiches Carsharing.

4. Sharing-Art: Es gibt drei unterschiedliche Systeme – zum einen Free Floating, bei dem die Carsharing-Fahrzeuge einer Flotte über das gesamte Geschäftsgebiet verteilt stehen und in diesem auch so gut wie überall geparkt werden dürfen. Zum anderem das stationsbasierte System, bei dem die Kunden die Autos an einem festen Ort abholen und auch nur dort wieder abgeben können. Und zuletzt Mitfahrgelegenheiten oder auch Ridesharing genannt.

Sharing kann Innenstädte entlasten

Auch wissenschaftlich ist Carsharing mittlerweile untersucht und für vielversprechend befunden worden: Eine Studie des Bundesverbandes CarSharing (bcs) von 2016 ergab, dass ein einziges Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 private Pkw und damit bis zu 230 m² Parkfläche ersetzen kann. „Das bedeutet im Endeffekt mehr Platz zum Leben, Reduzierung von Umwelt- und Verkehrsbelastungen und natürlich auch Kostenersparnis“, resümiert Zauner. „Das große Marktpotenzial spiegelt sich auch in der positiven Haltung der Thüga wider. Sharing-Konzepte sind für uns ein sehr interessantes Geschäftsfeld – die politische Entwicklung hat diesen Trend weiter verstärkt.“

Bund setzt sich für Carsharing ein

Seit dem 1. September 2017 gilt das neue Carsharing-Gesetz. Es gibt Ländern, Städten und Gemeinden die Möglichkeit, ohne große Hürden Stellplätze für Carsharing-Anbieter zu reservieren. Besonders in Innenstädten eine Erleichterung, durch die sich Zeit und dadurch bares Geld sparen lässt, denn viele Carsharing-Anbieter rechnen im Minutentakt ab.

DRIVE NOW

CAR2GO

SNAPPCAR

FLINKSTER

DRIVY

STATTAUTO

Angebot

– Flexibles Carsharing in fünf Städten- Keine Grundgebühr- Abrechnung nach Minuten- Stunden- und Tagestarife möglich- Fahrzeuge: BMW, Mini

– Flexibles Carsharing in sechs Städten- Keine Grundgebühr- Abrechnung nach Minuten- Stunden- und Tagestarife möglich- Fahrzeuge: Smart, Mercedes Benz

-Vermittlungs-plattform für privates Carsharing- Inklusive Vollkakso- Verfügbar in ganz Deutschland

– Flexibles Carsharing in rund 140 Städten deutschlandweit-Keine Grundgebühr- Tages-, Wochen-, Monatstarife möglich- Viele Vorteile für Bahncard-Inhaber

-Vermittlungs-plattform für privates Carsharing- Inklusive Teilkasko- Fahrten in mehrere europäische Länder erlaubt- Verfügbar in ganz Deutschland

– 430 Kfz, 110 Standorte- Mini, Mittelklasse, Vans, Transporter- Aufnahmegebühr und monatlicher Beitrag- Nutzungsgebühr ist Zeit plus Kilometer- Lange Fahrten (auch ins Ausland) möglich

Format

Free Floating

Free Floating

privates Carsharing

stationsbasiert

privates Carsharing

stationsbasiert

Thüga-Städte

Hamburg, München

Hamburg, München

Freiburg, Hamburg, München, Naila, Schwerin

Freiburg, Hamburg, München, Schwerin

Freiburg, Hamburg, München, Naila, Schwerin

München

Das Gesetz ist sinnvoll, denn private Autos stehen im Schnitt 23 Stunden pro Tag. „Jeder, der abends schon mal 30 Minuten nach einem Parkplatz gesucht hat, kennt das Problem“, so Zauner. „In vielen Großstädten ist die Parksituation für Anwohner und Pendler äußerst angespannt.“ Hinzu kommt, dass die Grenzwerte für die Luftreinhaltung aufgrund des hohen Autoaufkommens immer wieder massiv überschritten werden. Abgesehen davon verleitet der eigene Pkw zum Fahren, auch aufgrund der hohen Fixkosten. Carsharing-Nutzer hingegen verändern nach Angaben der bcs-Studie ihr Mobilitätsverhalten: Sie werden flexibler. Sie nutzen bis zu 40 Prozent häufiger den ÖPNV und das Rad oder steigen für längere Reisen auf den Transport mit Bahn und Flugzeug um.

Die sinnvolle Alternative

Sharing-Konzepte bieten ihren Nutzern eine Vielzahl an Vorteilen. Vor allem punkten aber die geringeren Ausgaben. Nicht nur die Anschaffungs- sondern auch die Fixkosten zwischen 150 bis 500 Euro im Monat fallen weg. Hinzu kommt, dass Reparaturen, Reifenwechsel und die tägliche Suche nach einem Parkplatz mit einem Sharing-Pkw der Vergangenheit angehören. Und für jeden Anlass kann das passende Fahrzeug gewählt werden – der Kleinwagen für die Kurzstrecke in der Stadt, der Kombi für den Wochenendausflug in die Berge und der Transporter für den Möbel-Einkauf. Meldet man sich etwa bei „drivenow“ als Geschäftskunde an, können auch Dienstfahrten abgerechnet werden.

Thüga nutzt kommunale Vernetzung

Das Interesse an Carsharing ist auch innerhalb der Thüga-Gruppe groß – mindestens 29 Partnerunternehmen befassen sich in unterschiedlicher Weise mit der Thematik. Denn die kommunale Vernetzung und die regionale Verankerung der Thüga bieten beim Aufbau von Sharing-Produkten einen erheblichen Vorteil: Die Partnerunternehmen sind in den Kommunen bereits bekannte Marken, die sie nutzen können, um eine kritische Masse an Nutzern aufzubauen. Wenn diese erreicht ist, können sich die Partnerunternehmen vor Ort um lokale Aufgaben kümmern und gleichzeitig durch die übergreifende Bündelung von zentralen Aufgabengebieten, wie dem Betrieb des IT-Buchungssystems, profitieren. „Mit kleinen Lösungen für den Anfang kann die Markterschließung schnell und risikoarm erfolgen“, erklärt Zauner, „momentan arbeiten wir an zwei verschiedenen Konzepten im Sharing-Bereich, die wir in Pilotprojekten bei Stadtwerken testen.“