NEU VERHANDELT: EMISSIONSHANDEL

Wer Treibhausgase ausstößt muss dafür Berechtigungen nachweisen – ein Zertifikat für eine Tonne CO2. Bereits seit 2005 wird in der EU mit diesen Berechtigungen gehandelt. Die Auswirkungen des Emissionshandels sind jedoch begrenzt, denn zu viele Zertifikate sind trotz einer Reihe von Reformen im Umlauf. Das ist einer der Gründe warum der Emissionshandel in Brüssel neu verhandelt wurde.

Dr. Christian Friebe

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Ende 2017 hat Brüssel die Spielregeln für die nächste Etappe im EU-Emissionshandel festgelegt. Zwei Änderungen sind dabei zentral: So werden bei mangelnder Nachfrage ab 2023 überschüssige Zertifikate zum Teil dauerhaft gelöscht. Außerdem haben Regierungen die Möglichkeit, eingesparte CO2-Zertifikate – z. B. bei einem nationalen, vorzeitigen Ausstieg aus der Kohleverstromung – zurückzuhalten, und damit eine Verlagerung der Emissionen auf andere Kraftwerke und Anlagen in der EU zu vermeiden.

OHNE KNAPPHEIT KEIN MARKT

Hintergrund für die jüngste Reform: In der Praxis haben die klassischen Marktmechanismen im Handel mit Treibhausgasemissionen trotz zahlreicher Reformen nicht gegriffen. Ein Überangebot an Zertifikaten hat die Preise seit 2011 stark sinken lassen. Bislang war das klimapolitische Leitinstrument der EU daher wenig wirksam. „Mit den jetzt beschlossenen Maßnahmen hat die Kommission eine konkrete Umsetzung der EU-Klimaschutzziele bis zum Jahr 2030 festgelegt“, so Dr. Christian Friebe, Stabsstelle Energiepolitik bei der Thüga. „Gleichzeitig wird in der Reform explizit dargestellt, dass weitere Verschärfungen ab 2023 möglich sind – sofern dies im Rahmen des Pariser Abkommens notwendig wird.“

STÄRKUNG DER KRAFT-WÄRME-KOPPLUNG

Die Anpassung des EU-Emissionshandels betrifft bei der Thüga vor allem Anlagen im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – konkret heißt das 25 Unternehmen mit über 70 Anlagen und jährlich sechs bis sieben Millionen Tonnen CO2. Das Positive an den in Brüssel beschlossenen Neuerungen: KWK-Anlagen erhalten deutlich länger Vergünstigungen als bisher. So werden auch 2030 von der EU noch kostenlose Berechtigungen für KWK-Anlagen vergeben. Die Reform war umso überraschender, als KWK im Vergleich zu anderen, CO2-intensiveren Industrien nicht abwanderungsgefährdet ist. Mit der beschlossenen Reform bestätigt Brüssel die Bedeutung der Kraft-Wärme-Kopplung für den Klimaschutz und die Energiewende in Europa. Die KWK-Technologie konnte sich dabei gegenüber vielen anderen Interessengruppen durchsetzen.

UNVORHERSEHBAR: CO2-PREIS

Aktuell liegt der CO2-Preis bei etwa 9 Euro. Mit dem neuen Mechanismus visiert die EU einen deutlich höheren Preis an, ohne dem Markt eine Vorgabe z. B. in Form eines Mindestpreises zu machen. In welchem Bereich sich der CO2-Preis tatsächlich bewegen wird, wagen auch Experten heute nicht zu sagen. Das heißt für die Energiewirtschaft und die Industrie, sich rechtzeitig vorzubereiten. Denn tritt der Verknappungseffekt ein, können die Zertifikatpreise um ein Vielfaches steigen.

https://ec.europa.eu/clima/policies/ets_de

https://www.dehst.de/