Das Gesetz ist eindeutig: Eine Abrechnung von Ladestrom muss eichrechtskonform sein. Das bedeutet, jeder Ladevorgang muss eindeutig nachvollziehbar sein. Auch jederzeit nach der Rechnungsstellung. Viele Ladesäulen erfüllen die Vorgabe noch nicht. Die Thüga bietet ihren Partnern Handlungsempfehlungen und Hilfestellungen.

„Wallboxen zu Hause sind in der Regel unproblematisch, denn die hängen hinter dem Zähler im Haus“, sagt Stefan Häuserer, Experte für Ladetechnik im Kompetenzcenter Einkauf und Netze der Thüga. „Aber sobald es um halböffentliche Infrastruktur, beispielsweise in Parkhäusern geht, gilt das Eichrecht.“ Hauptsächlich betroffen sind aber Wechselstrom-Ladesäulen (AC-Ladesäulen) und Gleichstrom-Ladesäulen (DC-Ladesäulen) im öffentlichen Bereich. Doch was genau ist das Problem? „Das Eichrecht schreibt vor, dass jeder Ladevorgang jederzeit nachvollziehbar ist“, erläutert Häuserer. Das bedeutet, wenn ein E-Auto-Besitzer seine Rechnung erhält, auf der seine Ladevorgänge aufgeführt sind, er jeden einzelnen dieser Vorgänge im Detail nachverfolgen kann. Zur Nachverfolgbarkeit gehören Zeit und Ort der Ladesäule, genauso wie die Menge des geladenen Stroms in Kilowattstunden (kWh). „Wenn die Ladesäule die Voraussetzungen des Eichrechts erfüllt, sind kWh die einzige rechtssichere Abrechnungs-Größe für Ladestrom“, ergänzt Häuserer.

Zähler-Sichtfenster einer AC-Ladesäule: Die gesamten Daten eines Ladevorgangs müssen jederzeit abrufbar und nachvollziehbar sein.

Zunächst einmal muss jede Ladesäule eindeutig identifizierbar sein. Das stellt ein sogenannter Public Key sicher (eindeutige Kennzeichnung des Ladepunktes an einer Säule, einmalig vergeben). Dieser Public Key wird von der Ladesäule nach dem Ladevorgang mit weiteren Informationen verknüpft. Beispielsweise: Wie hat die Kundin sich autorisiert. Wann hat die Kundin wie viele kWh in die Batterie ihres Elektroautos geladen. Nachdem die Ladesäule die Informationen verbunden hat, speichert sie diese verschlüsselt in einer Datenkapsel. Entweder kann die Kundin die Informationen in der Datenkapsel über ein Fenster an der Ladesäule abrufen. Oder online, über eine sogenannte „Transparenzsoftware“.

Technik für Eichrechtskonformität war nicht verfügbar

Die ersten aufgestellten AC-Ladesäulen verfügen nicht über die entsprechende Technik, um die Daten sicher zu verknüpfen und zu speichern und gegebenenfalls an das Backend des Abrechnungsdienstleisters zu übertragen. Die Anforderungen durch das Eichrecht waren nicht entsprechend spezifiziert. Die Hersteller haben die erforderliche Technologie mittlerweile entwickelt und statten alle ihre neuen Geräte damit aus. Die alten Ladesäulen müssen zwingend nachgerüstet werden. „Wir haben mit unseren Rahmenvertragspartnern einen Plan für die Nachrüstungen entwickelt“, sagt Häuserer. „Im ersten Schritt haben die Unternehmen der Thüga-Gruppe ihren gesamten Bestand an die Landeseichbehörden gemeldet.“ Alle über die Thüga-Rahmenverträge bezogenen Ladesäulen seien nachrüstbar. In Webinaren mit den Herstellern haben die Thüga-Partner den Fahrplan für Nachrüstungen besprochen. Pro Säule müssen die Betreiber rund 1.000 Euro in die Nachrüstung investieren. „Diese Kosten werden sich leider wahrscheinlich nicht mehr überall amortisieren“, betont Häuserer. Bei Wallboxen, die nachrüstpflichtig sind, sei es noch schwieriger. Diese sind oft nicht nachrüstfähig und müssen durch eine neue eichrechtskonforme Box ersetzt werden.

Für Gleichstrom-Ladesäulen gilt die gleiche Problematik. Hier ist die Technik aber noch einen Schritt zurück. Die Hersteller sind gerade dabei, Zähler zu entwickeln, die ausreichend präzise messen. „Wenn diese Zähler zertifiziert sind, müssen Betreiber auch Gleichstrom-Ladesäulen nachrüsten“, sagt Häuserer. „Die Kosten dafür werden noch einmal ungleich höher sein.“ Die Thüga begleitet ihre Partner auch während dieses Prozesses, nicht nur durch Beratung, sondern auch in Gremien und Arbeitskreisen.