Das Projekt Westküste100 ist Deutschlands erstes Reallabor der Energiewende mit Fokus auf Wasserstoff. Das Ziel: Klimaschutz. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Reallabor mit einem Investitionsvolumen von 89 Millionen Euro.

Künftig nachhaltiger bauen, heizen und fliegen – die Ziele des Projekts sind ambitioniert. Entsprechend groß war die Freude beim Konsortium des Reallabors, als am 3. August 2020 die Zusage und der Förderbescheid für das Reallabor aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eintrafen. Zehn Partner haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsam schrittweise eine regionale Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab aufzubauen. Mit dabei: die Thüga und die Stadtwerke Heide.

Die Konsortialpartner von Westküste 100

Sie planen, grünen Wasserstoff zu produzieren, diesen im Gasnetz zu transportieren, in industriellen Prozessen zu nutzen und unterschiedliche Stoffkreisläufe innerhalb einer bestehenden Infrastruktur zu verzahnen. So soll unter realen Bedingungen die Dekarbonisierung von Industrie, Mobilität und Wärmemarkt getestet werden. Denn das übergeordnete Ziel heißt: CO2 einsparen!

Heizen mit Wasserstoff im Gasnetz

Die Stadtwerke Heide und Thüga haben vor, Wasserstoff in einen Teilbereich des Gasnetzes der Stadtwerke einzuspeisen. So testen sie unter realen Bedingungen, inwieweit eine Wasserstoffbeimischung für das Betreiben von Heizungen machbar ist. Michael Riechel, Vorsitzender des Thüga-Vorstandes: „Unser Fernziel ist eine H2-Quote im Gasnetz von bis zu 100 Prozent bis 2050. Mit dem Testlauf einer Wasserstoff-Beimischung von bis zu 20 Prozent in einem Netzabschnitt mit über 200 Haushaltskunden schaffen die Thüga und die Stadtwerke Heide einen konkreten Präzedenzfall”. Von den Ergebnissen profitieren die knapp 100 kommunalen Versorger der Thüga-Gruppe auf ihrem Weg zu dekarbonisierten Gasnetzen.

Altmaier: “Ein hochinnovatives Pionierprojekt”

Hinter dem Projekt steht ein Investitionsvolumen von insgesamt 89 Millionen Euro. Das bewilligte Fördervolumen zum Projektstart am 1. August 2020 liegt bei 30 Millionen Euro. Damit kann es losgehen: Im nächsten Schritt wird ein neu gegründetes Joint Venture,„H2 Westküste GmbH“, bestehend aus EDF Deutschland, Ørsted und der Raffinerie Heide, einen 30-Megawatt-Elektrolyseur errichten. Dieser soll aus Offshore-Windenergie grünen Wasserstoff produzieren.

Westküste 100 ist das erste Reallabor der Energiewende mit Fokus auf Wasserstofftechnologien. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Ich freue mich sehr, dass das Reallabor „WESTKÜSTE100“ bereits Bausteine der Nationalen Wasserstoffstrategie umsetzt. Hochinnovative Pionierprojekte wie das Reallabor „WESTKÜSTE100“ helfen uns, die Technologieführerschaft für das Thema Wasserstoff zu übernehmen. Das ist gut für die Region Westküste in Schleswig-Holstein und für den Technologiestandort Deutschland.“ Mit den Reallaboren der Energiewende beschleunigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Anwendung von Innovationen aus der Forschung in der Praxis.

Auf einen Blick: Westküste 100

Wo: Heide, Schleswig-Holstein

Wer: Zehn Projektpartner, darunter Thüga und SW Heide; gefördert durch das BMWi.

Ziel: Künftig nachhaltiger fliegen, bauen und heizen. Schrittweise soll eine regionale Wasserstoffwirtschaft im industriellen Maßstab aufgebaut und unterschiedliche Stoffkreisläufe verzahnt werden.

Das Besondere: Gesamtheitliche Verwertung von Wasserstoff – innerhalb einer bestehenden regionalen Infrastruktur.

Der Plan: Aus Offshore-Windenergie wird via Elektrolyse grüner Wasserstoff produziert. Verwertet wird er in den drei Bereichen Mobilität, Industrie und Wärme.

Mobilität: Herstellung von nachhaltigem Kerosin für den Hamburger Flughafen (Ziel ist die Deckung von einem Drittel des Bedarfs), sowie von synthetischem Benzin und Diesel.

Industrie: Die Raffinerie Heide am Standort der Elektrolyseanlage nutzt den Wasserstoff direkt für ihre internen Prozesse.

Wärme: Für 200 Endkunden wird der Wasserstoff ins bestehende Gasnetz eingespeist. So testen Thüga und das Partnerunternehmen Stadtwerke Heide unter realen Bedingungen, inwieweit eine Wasserstoffbeimischung von bis zu 20 Prozent für das Betreiben von Heizungen machbar ist.

Gesamtheitlicher Ansatz: Die Abwärme aus der Elektrolyse wird zum Heizen eines Gewerbegebietes eingesetzt, der entstehende Sauerstoff zur Produktion von nachhaltigem Zement. Dabei entsteht CO2, das wiederum zur Produktion von synthetischem Treibstoff nötig ist.

www.westkueste100.de

Bundesministerium Wirtschaft und Energie Förderhinweis