Seit das EEG in Kraft getreten ist, wurden in Deutschland über 1,5 Millionen PV-Anlagen installiert. Ab 2021 verlieren sie schrittweise ihren Anspruch auf EEG-Förderung. Thüga hat mit der WEMAG und den Stadtwerken Pforzheim ein White-Label-Produkt für die Post-EEG-Zeit entwickelt. WEMAG-Vorstand Caspar Baumgart erklärt die Details.

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Björn Böttger

WEMAG, Produktmanager

Tel.: 0385 / 755 – 17 60

Bjoern.Boettger@wemag.com

Alexander Hellmann

Thüga, Erzeugung

Tel.: 089 / 381 97 – 12 21

alexander.hellmann@thuega.de

Herr Baumgart, welches Ziel steht hinter dem neuen Produkt?

Wir wollen für PV-Kleinanlagenbetreiber, die keine Einspeisevergütung mehr erhalten, eine Marktintegration für ihren Überschussstrom ermöglichen. Überschussstrom ist die Menge an Strom, die Haushalts- oder Gewerbekunden mit eigener PV-Anlage, sogenannte Prosumer, nicht selbst verbrauchen können und daher ins Netz einspeisen. Nach dem Ende der EEG-Förderung entfällt für diese Anlagen der Vergütungsanspruch gegenüber dem Netzbetreiber. Genau hier setzt unser Produkt an. Wir wollen es eigenen Kunden, aber auch weiteren Energieversorgern als White-Label anbieten.

Was versprechen sich WEMAG, SWP und die Thüga-Partnerunternehmen davon?

Wir als Energieversorger hoffen, dass wir mit dem Produkt einen neuen Markt erschließen können. Die Chancen dafür stehen gut, denn momentan stellt sich die Post-EEG-Zeit für PV-Kleinanlagen faktisch als eine Grauzone dar. Es gibt aber auch Risiken. So kann es immer noch geschehen, dass die Marktintegration vom Gesetzgeber reguliert wird. Mit unserem Produkt zeigen wir frühzeitig, dass eine marktwirtschaftliche Lösung für Prosumer und Energieversorger möglich ist. Auch Mitbewerber positionieren sich bereits mit eigenen Lösungen für ausgewählte, aber längst nicht für alle betroffenen ProSumer.

Woran genau verdient ein Energieversorger, der dieses Produkt anbietet?

Das Produkt kombiniert die Direktvermarktung von Überschussstrom mit der Lieferung von Reststrom. Reststrom ist die Menge an Strom, die der Prosumer neben Strom aus seiner Anlage noch von seinem Lieferanten bezieht. Der Energieversorger verdient also ganz klassisch an der Stromlieferung an den Prosumer. Aber auch die Direktvermarktung von EEG-Mengen ist seit Jahren ein gut funktionierendes Geschäft. Mit einer konsequenten Standardisierung und Automatisierung von Prozessen glauben wir daran, einen vergleichbaren Erfolg auch auf einem kleinteiligeren Markt zu realisieren.

Welche Herausforderungen gibt es?

Wir mussten ein automatisiertes, ein digitales Produkt entwickeln. Die Grundidee: Es bestehen bereits Kundenprozesse für die Lieferung von Reststrom. Diese wollten wir nutzen und beispielsweise die Abrechnungen für den Rest- und den Überschussstrom kombinieren.

Das Produkt ist also eine Software-Lösung?

Ja. Wir haben, nachdem wir ein betriebswirtschaftliches Konzept entwickelt hatten, ein Lastenheft geschrieben und dann einen Dienstleister gefunden, der für uns dieses Produkt baut. Es wird ein Basisprodukt geben, das sowohl von einem Flächenversorger als auch von einem Stadtwerk eingesetzt werden kann. Zusätzlich bieten wir als WEMAG noch unterschiedliche Zusatzmodule an, sofern ein Energieversorger das Produkt für seine Kunden nutzen will, aber einzelne Wertschöpfungsstufen nicht selbst besetzen kann oder möchte.

Hat das Produkt schon einen Namen?

Auch wenn dieser Name bereits für eine handliche Action-Kamera verwendet wird: Unser Arbeitstitel lautet „GoPro!“. Eine Aufforderung quasi: „Auf geht’s, lieber Prosumer!“ – gemeinsam in eine neue Ära.

Wie kam es, dass Thüga die WEMAG und SWP ins Boot holte?

Wir haben schon unterschiedliche Projekte gemeinsam erfolgreich gestemmt. Das Kompetenzteam Erzeugung der Thüga legte dieses Mal großen Wert darauf, dass mit Blick auf eine spätere Mandantenfähigkeit zwei Partnerunternehmen mit unterschiedlichen Systemlandschaften das Produkt mitentwickeln. Durch WEMAG und SWP konnten wir zudem sowohl die Perspektive eines Flächenversorgers aus dem Norden als auch die eines Stadtwerks aus dem Süden Deutschlands einbringen.

Wann kommt das Produkt auf den Markt?

Unser Ziel ist es, GoPro! Ende 2019 auf den Markt zu bringen. So haben wir, weil die ersten Anlagen 2021 ihren Anspruch auf Einspeisevergütung verlieren, noch etwas Zeit, es bekanntzumachen und umzusetzen. Und: Die Branche diskutiert bereits eifrig über die Notwendigkeit einer Regelung für die Post-EEG-Zeit. Da ist es gut, frühzeitig aufgestellt zu sein.

Ist GoPro! ausschließlich für die Thüga-Gruppe gedacht?

Erst einmal wollen wir in der Gruppe bleiben. Wenn wir damit Erfahrungen gesammelt haben, können wir uns vorstellen, das Produkt auch außerhalb der Thüga-Gruppe anzubieten.

Was passiert mit den Kleinanlagen, deren Betreiber sich nicht um eine Marktintegration kümmern?

Im schlimmsten Fall werden diese Anlagen abgeschaltet. Das wäre schade, denn viele der alten Anlagen sind noch gut in Schuss und können weiterhin wertvollen Solarstrom erzeugen.