Das Klima, die Politik und die Thüga

Der November 2016 überraschte die Klimaforscher: Die Fläche des weltweiten Meereises hatte insgesamt abgenommen – normalerweise wächst sie um diese Jahreszeit, denn am Nordpol friert mehr Ozeanfläche zu als gleichzeitig im Süden abschmilzt. Mark Brandon, Ozeanograf und Klimaforscher, sieht den Kipp-Punkt bereits überschritten. Was bedeutet diese Klimaentwicklung für die Politik und die Energiewirtschaft?

Die klare Aussage des von der UN beauftragten IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change): Mit 95prozentiger Wahrscheinlichkeit ist die Klimaerwärmung der Erde menschengemacht. Auch wenn das Klima in den Jahren von 1998 bis 2012 trotz stetigen CO2 -Anstiegs vermeintlich stabil war: Die Meere haben die Wärme all die Jahre gespeichert. Fazit des IPCC: Mit umfassenden Sofortmaßnahmen können wir die Erhöhung der Durchschnittstemperatur auf 2 Grad Celsius begrenzen. Ein „weiter so wie bisher“ führt im Mittel zu mehr als 4 Grad Temperaturanstieg. Wahrscheinliche Folgen für Europa: Zunahme von Starkregenereignissen und der Anzahl von Hitzepeaks, steigende Meeresspiegel, Trinkwasser-Knappheit in Südeuropa, Auswirkungen auf Gesundheit und Produktivität von Menschen – kurz: ein Risiko für politische Stabilität und Wohlstand.

Die Hoffnung von Paris

Das Abkommen von Paris 2015 erkennen alle Staaten der Erde bis auf Syrien, Nicaragua und die USA an (Stand Juni 2017). Nicaragua geht das Abkommen nicht weit genug, der USA geht es unter der neuen Regierung zu weit. Unabhängig davon tritt das Paris Abkommen 2020 in Kraft und definiert damit einen rechtlichen Rahmen für nationale CO2-Minderungsziele (s. Grafik). Die Ankündigung und Umsetzung der von jedem Land selbst festgelegten Selbstverpflichtungen zur CO2-Minderung füllen das Abkommen erst mit Leben. Brüssel hat für die ganze EU das CO2-Ziel von minus 40 Prozent bis 2030 (Basis 1990) gemeldet und arbeitet derzeit an der rechtlichen Umsetzung, um dieses Ziel zu erreichen.

Emissionshandel und Effort Sharing

Der EU Emissionshandel als europäisches Instrument zur CO2-Minderung umfasst 45 Prozent der CO2-Emissionen Europas und beinhaltet die Sektoren Energieerzeugung und Industrie. Alle anderen Sektoren reguliert die Effort Sharing Verordnung, die aktuell im Gesetzgebungsprozess ist. Sie legt für jeden Mitgliedsstaat auf Basis der Wirtschaftsleistung pro Kopf CO2-Minderungsvorgaben für Landwirtschaft, Verkehr und Gebäude fest. Deutschland wird höchstwahrscheinlich 38 Prozent CO2 bis 2030 einsparen müssen (Basisjahr 2005!). Damit werden die Ziele aus dem Klimaschutzplan der Bundesregierung verbindlich.

Auswirkungen auf unser Kerngeschäft

Für Energieversorger ergeben sich aus der Dekarbonisierung Chancen bei Gas- und E-Mobilität, aber auch Risiken aufgrund eines sinkenden Wärmebedarfs und einer drohenden Neuordnung der Abgaben und Umlagen. Chancen bestehen für erneuerbares und CO2-neutrales Gas – es wird ab 2020 verstärkt zum Heizen benötigt, wenn die KfW die Modernisierung rein fossiler Heizungen nicht mehr fördert. Weiterhin sorgt das neue Förderprogramm für Fernwärme für einen Anreiz, in CO2 -arme und grüne Fernwärme zu investieren.

Thüga Projekt Let’s go green 2030

Was die Klimaziele für die Thüga-Gruppe, ihre Infrastrukturen und die einzelnen Wertschöpfungsstufen bedeuten, das untersucht Thüga derzeit in ihrem Projekt Let’s go green 2030. Darin beleuchtet sie sämtliche Auswirkungen, Chancen und Risiken für die Thüga-Gruppe. Dazu hat das Projektteam eine Liste mit relevanten Fragen entwickelt und geclustert. Diese Fragen werden innerhalb des Projektteams und durch laufende Projekte in der Thüga-Gruppe beantwortet. Alle Erkenntnisse fließen am Ende in eine Dekarbonisierungs-Roadmap ein, die mögliche Szenarien und Handlungsfelder aufzeigt und allen Thüga-Partnern zur Verfügung stehen wird. „Unsere Schlagkraft gewinnen wir dadurch, dass wir eng mit den Thüga-Partnern zusammen arbeiten“, sagt Projektleiter Dr. Christian Friebe von der Thüga. „Im Projektteam ist eine Kollegin aus Schwerin und ein Kollege aus Augsburg.“ Es fand und findet ein laufender Erfahrungsaustausch per Webkonferenz und persönlichen Treffen mit interessierten Thüga-Partnern statt. „Gerade untersuchen wir die Möglichkeiten für Einsatz und Vermarktung von CO2-neutralem Gas. Im Juni hat außerdem der Thüga-Erzeugungsbeirat – alle Partnerunternehmen mit Kraftwerken und großen KWK Anlagen – über das Potential erneuerbarer Fernwärme diskutiert und über konkrete Projekte in der Thüga-Gruppe gesprochen“, so Friebe