Windkraft bietet für Kommunen große Chancen. Die Thüga Erneuerbare Energien (THEE) begleitet Errichtung und Betrieb eines Großprojekts

Die Preise der letzten Ausschreibungsrunden für Onshore-Windenergieanlagen kennen nur eine Richtung: nach oben. Lag der durchschnittliche, mengengewichtete Zuschlagswert in der Auktion Ende 2017 noch bei 3,8 Cent pro Kilowattstunde, stieg er Anfang 2018 auf 4,73 Cent pro kWh an. Bei der vorläufig letzten Runde mit dem Gebotstermin 1. Oktober 2018 betrug er 6,26 Cent pro kWh. THEE-Geschäftsführer Thomas Walther weiß, woran das liegt: „Die Behörden haben viel zu wenige Genehmigungen erteilt.“ Dass er recht hat, beweist ein Blick auf die aktuellen Zahlen: Während 2016 zwischen Antragstellung und Genehmigung 300 bis 400 Tage lagen, hat sich dieser Wert laut Bundesverband WindEnergie in den letzten beiden Quartalen 2017 und in 2018 auf 500 bis 700 Tage erhöht. Dies habe dazu geführt, dass inzwischen Onshore-Projekte im Umfang von rund 10.000 Megawatt (MW) im Verfahren feststeckten. Die Zahlen sind entsprechend niedrig: Von Januar bis August 2018 erhielten lediglich 1.081 MW eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG). Trotz der widrigen Umstände „sind wir ständig auf der Suche nach neuen Projekten“, betont Walther.

Der Bau einer Windkraftanlage ist ein Großprojekt. Die Nabenhöhen liegen weit über 100 Meter. Zweimal im Jahr werden die Anlagen einem Detailcheck unterzogen.

Kein Wunder, denn seit Übernahme des Projektentwicklers Wiebe deckt die THEE die komplette Wertschöpfungskette ab. Der Geschäftsführer der THEE, deren Windportfolio mittlerweile über 260 MW umfasst, verfolgt eine klare Wachstumsstrategie: „Wir wollen jedes Jahr mindestens 25 MW zubauen.“ Dabei profitiert man auch davon, dass Wiebe die Rechte an zwölf Windenergieprojekten mit einer Leistung von rund 140 MW einbrachte. Positiv in dem laut Walther „für Investoren fast schon überhitzten Markt“ wirkt sich die Kapitalstärke der THEE aus. Ihr Gesellschafterkreis umfasst mittlerweile 49 kommunale Unternehmen. Die breite Aufstellung vergrößert die Optionen am Markt. „Wir wollen unsere Aktivitäten im Bereich Dienstleistungen und Kooperationen verstärken“, so Walther. Dazu zähle auch, Betriebsführung oder Potenzialanalysen am Markt anzubieten. Das Team mit Sitz in Hamburg hat für jeden Tätigkeitsbereich des komplexen Handlings von Windkraftprojekten Spezialisten mit an Bord.

Onshore-Windenergieprojekte bieten großes Wachstumspotenzial. Das THEE-Portfolio wird sich jedes Jahr um mindestens 25 Megawatt vergrößern

1. Flächensicherung

Im Mittelpunkt steht die Kommunikation mit Bürgern, Kommunalvertretern, Behörden und Grundstückseigentümern. In der Projektbearbeitung setzt die THEE auf effiziente PC-basierte Technik. Über ein Geoinformationssystem werden Flurstücke und deren Eigentümer ermittelt. Die selbst entwickelte Software Pacht-Plus ermöglicht es, schnell Flächenkonfigurationen und Aufstellungskonzepte der Windenergieanlagen mit ihren Auswirkungen auf die Höhe der Pachtzahlungen darzustellen.

2. Projektentwicklung

Am Ende dieser Projektphase steht der fertige Antrag nach BImSchG. Dazu müssen über externe Dienstleister Gutachten eingeholt werden zu Wind, Schallemissionen, Schattenwurf, Turbulenzen und Standsicherheit. Besonders aufwendig sind Expertisen zu Auswirkungen auf Tier- und Pflanzenwelt. Zum THEE-Team gehören auch ein Umweltplaner und ein Windgutachter. Sie begleiten die extern vergebenen Gutachten fachlich.

3. Projektumsetzung und Bau

Während das BImSchG-Verfahren läuft, über- nimmt die THEE die Federführung für den Beschaffungsprozess der Windenergieanlagen und der Nebengewerke. Einzelne Projektteile werden in enger Abstimmung mit der Thüga europaweit ausgeschrieben. Nach Vorliegen der BImSch-Genehmigung beginnt die Vorbereitung für die Teilnahme an den im EEG vorgegebenen Auktionsverfahren. Dabei hilft die umfangreiche Expertise im Thüga-Verbund. ?Sobald die Einspeisetarife vorliegen, startet die Umsetzungsphase mit erfahrenen Bauleitern für Bauüberwachung und Qualitätskontrolle. Seit 2018 ist die THEE auch im Solarbeeich aktiv und kann Know-how und Kontakte zu Grundstückseigentümern einbringen.

4. Betriebsführung

THEE-Mitarbeiter koordinieren Wartung und Betrieb der Windanlagen. In der ersten Betriebsphase stehen Optimierungsmaßnahmen im Vordergrund. Viel Erfahrung ist gefragt bei der Verkürzung der Abschaltzeiten, u. a. über ein Monitoring des Fledermausbestands oder Schallemissionen. Bei der jährlichen Ausschreibung der Direktvermarktung des produzierten Stroms zählt auch die Expertise der Syneco, die ebenfalls eine Thüga-Plusgesellschaft ist.

5. Service und Wartung

In der Hamburger Zentrale laufen alle Fäden zusammen. Mitarbeiter koordinieren die Wartungsarbeiten durch Partnerunternehmen wie die Kontrollbesteigung zweimal pro Jahr. Via Online-Monitoring werden alle Betriebsdaten überwacht. So lassen sich früh drohende Schäden erfassen, der Austausch betroffener Komponenten planen und die Anlagen-Verfügbarkeit in windreichen Zeiten optimieren.