Von Redispatch-Maßnahmen waren bisher vor allem Übertragungsnetzbetreiber betroffen. Mit dem Zuwachs bei dezentralen Einspeiseanlagen und dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz folgt nun Redispatch 2.0. Thüga Energienetze, Syneco und Thüga starten ein Projekt, um den neuen Prozess zu gestalten.

Stromnetzbetreiber sorgen rund um die Uhr für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung. Für das Verhindern von Netzengpässen sind bisher hauptsächlich die Übertragungsnetzbetreiber verantwortlich. Künftig müssen allerdings auch die Verteilnetzbetreiber ihre Netze so steuern, dass Netzengpässe durch beispielsweise zu hohe Einspeisung aus Erneuerbare-Energie-Anlagen verhindert werden. Im Mai 2019 ist aus diesem Grund das Netzausbaubeschleunigungsgesetz in Kraft getreten, das ab Oktober 2021 angewendet werden muss. Neu ist, dass dann alle Erzeugungs- und KWK-Anlagen sowie Speicher ab 100 Kilowatt prognostiziert und gesteuert werden müssen. Weil die Zeit für die Umsetzung drängt, initiiert Thüga gemeinsam mit der Thüga Energienetze (THEN) und der Syneco ein Projekt, wie ein solcher Prozess aussehen kann.

Ab 100 Kilowatt in der Pflicht

„Unser Ziel ist es, mithilfe des Projekts Erfahrungen zu sammeln, wie die Umsetzung bei der THEN gelingen kann sowie skalierbare Ansätze für alle interessierten Thüga-Partnerunternehmen zu entwickeln“, erklärt Johannes Vey vom Thüga-Kompetenzcenter Einkauf & Netzstrategie. „Die Verbände, allen voran der BDEW, klären momentan, wie eine übergreifende Zusammenarbeit funktionieren soll. Also wie die Prozesse und Datenströme zwischen den unterschiedlichen Akteuren im Redispatch 2.0 aufzusetzen sind.“ Es liegt aber in der Verantwortung eines jeden Stromnetzbetreibers, wie er die Daten sammelt, bereitstellt und weiter bearbeitet.
Es wartet also eine Menge Arbeit auf die Projektbeteiligten: In den kommenden Monaten werden sie alle relevanten Themen abarbeiten und, wenn nötig, neu justieren. Eine spannende Herausforderung, findet Johannes Vey: „Wir werden Fehler machen und aus ihnen lernen. Damit idealerweise nicht jedes Unternehmen dieselben macht.“
Bis August wird ein Konzept entwickelt. Danach sollen erste Prototypen getestet werden. Ziel ist es, möglichst schnell von der Theorie zur konkreten Umsetzung zu gelangen.