Regionale Handelsplattform für erneuerbare Energien oder kurz RegHEE: So heißt ein Forschungsprojekt, das herausfinden will, wie mittels Blockchain-Technologie in Verknüpfung mit intelligenten Messystemen regionaler Stromhandel funktionieren kann. Thüga treibt das Projekt mit voran.

Wie können verschiedene Energieerzeuger – ob Hauseigentümer mit PV-Anlage auf dem Dach, Bürgerenergiegenossenschaften mit Windkraftanlagen oder BHKW-Betreiber – ihren Strom direkt an Kunden vermarkten? Thüga erforscht gemeinsam mit der Technischen Universität München, den regionalen Energieversorgern erdgas schwaben und Energie Südbayern sowie mit Syneco und Thüga SmartService, wie eine regionale Stromhandelsplattform auf Basis von Blockchain-Technologie funktionieren kann. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft,  Landesentwicklung und Energie fördert das Projekt. Hubert Aiwanger, bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, sagte zum Projektstart  bei der Thüga in München: „Ich sehe neue Technologien wie Blockchain als wichtiges Mittel, die Energiewirtschaft zu modernisieren. Denn die Kunden möchten, dass ‚ihr‘ Strom auch wirklich vor Ort erzeugt wird.“

Gruppenbild Regionaler Energiehandel mit Erneuerbaren Energien Trafen sich zum Projektstart (von links nach rechts): Franz Schulte (Thüga SmartService), Dr. Johannes Angloher (Syneco), Markus Last (erdgas schwaben), Dr. Matthias Cord (Thüga), Staatsminister Hubert Aiwanger, Prof. Dr. Ulrich Wagner (TUM), Marcus Böske (Energie Südbayern), Dr. Christoph Ullmer (Thüga) ©Thüga / Falk Heller

Trafen sich zum Projektstart (von links nach rechts): Franz Schulte (Thüga SmartService), Dr. Johannes Angloher (Syneco), Markus Last (erdgas schwaben), Dr. Matthias Cord (Thüga), Staatsminister Hubert Aiwanger, Prof. Dr. Ulrich Wagner (TUM), Marcus Böske (Energie Südbayern), Dr. Christoph Ullmer (Thüga) ©Thüga / Falk Heller

Energiehandel offen für alle

„In diesem Projekt möchten wir herausfinden, ob lokale Energiemärkte funktionieren und welchen Mehrwert sie für alle Beteiligten bringen“, sagt Ulrich Sperling vom Thüga-Kompetenzcenter Innovation. „Der zweite große Schwerpunkt ist die Anwendbarket der Blockchain-Technologie.“ Die Projektpartner entwickeln eine Handelsplattform, bei der alle Teilnehmer sowohl Erzeuger als auch Abnehmer sein können. Das Projekt ist grundsätzlich offen für alle denkbaren Erzeuger: Photovoltaik-Anlagen von Hausbesitzern, Windenergieanlagen von Bürgerenergiegenossenschaften oder Blockheizkraftwerke. Bisher speisen diese ihren überschüssigen Strom ins Netz ein und erhalten dafür eine festgelegte Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Damit sie ihren Strom in Zukunft direkt weiterverkaufen können, sollen sie ihre voraussichtlichen Strommengen automatisiert auf einer Blockchain-basierten Handelsplattform anbieten können. Diese wird auf der künftigen Smart Meter-Infrastruktur aufsetzen, mit dem Smart Meter Gateway (SMGW) als zentralem Baustein der Peer-to-Peer-Handelsplattform. Im Zuge des Projekts soll  festgelegt werden, über welche Schnittstelle die SMGW in das Blockchain-System eingebunden werden.

Transparenz und Sicherheit

„So werden Energieproduktion und Energiehandel transparent und lokal. Der Preis, zu dem angeboten wird, ist der Produktionspreis inklusive einer Handelsspanne“, erklärt Markus Last,  Sprecher der Geschäftsführung von erdgas schwaben. Die produzierte Strommenge wird einfach in das Ortsnetz eingespeist. Intelligente Messsysteme erfassen die Mengen und verbuchen sie auf der Plattform. Last: „Wer kaufen will, setzt seinen Maximalpreis als Obergrenze ein und kauft. Liegt der Preis über diesem persönlichen Limit, wird überregionaler Strom aus dem allgemeinen Stromnetz erworben“. Sicherheit bei gleichzeitiger Transparenz für alle Handelspartner ist für eine dezentrale Handelsplattform eine Grundvoraussetzung. „In der Blockchain werden Transaktionen manipulationssicher fortgeschrieben. Jeder Block basiert auf den vorherigen Transaktionen, einzelne Blöcke lassen sich so nicht mehr verändern“, sagt Professor Ulrich Wagner von der TU München.

Regional und nachhaltig

Marcus Böske, Sprecher der Geschäftsführung von Energie Südbayern, ergänzt: „In Kürze werden viele kleine PV-Anlagen aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz fallen. Mit der regionalen Stromhandelsplattform können wir regionale und nachhaltige Lösungen für unsere Kunden entwickeln.“