Fünf Beispiele aus der Thüga-Gruppe zeigen: Verteilnetzbetreiber und Stadtwerke tragen mit zukunftsfähigen Kommunikationsnetzen entscheidend dazu bei, dass die Kommunen ihre Aufgaben in der Daseinsvorsorge erfüllen können.

450 Megahertz für Thüringen

Die TEN Thüringer Energienetze bauen derzeit Funkstandorte für ein 450 MHz-Netz in Thüringen auf. „Ziel ist es, bis 2022 eine nahezu flächendeckende Funkversorgung zu haben“, erklärt Sebastian Köthe, Planung und Bau Sekundärtechnik bei TEN.

Beim 450 MHz-Frequenzbereich handelt es sich, anders als zum Beispiel bei LoRaWAN, um eine exklusive Frequenz. Ein großer Vorteil gegenüber anderen Technologien ist die Schwarzfallfestigkeit, also die Verfügbarkeit bei Stromausfall. „Das ist für die Hauptanwendungsfälle wie die Notfallkommunikation und die Steuerung der Strom- und Gasverteilnetze unter zunehmend volatilen Bedingungen unabdingbar“, sagt Köthe. „Der Hauptgrund für den Aufbau eines 450 MHz-Netzes ist die netzdienliche Verfügbarkeit für die Automatisierung der Mittel- und Niederspannungsnetze – gerade für uns als Flächenversorger.“

Möchte ein Versorger die 450 MHz-Technologie nutzen, kann er sich je nach eigener Leistungsfähigkeit in die Planung und Errichtung von Funkstandorten nach den eigenen Bedürfnissen einbringen. Das ist bei öffentlich zugänglichen Kommunikationsnetzen nicht möglich.

Von den geplanten 73 Funkstandorten mit bis zu rund zehn Kilometern Reichweite sind acht derzeit im Wirkbetrieb. Vor zwei Jahren begann TEN mit 450connect die Funknetzplanung, vor rund einem Jahr die Bauphase. Dabei sind die zahlreichen Bauanträge, die pro Mast und Bundesland einzureichen sind, ein Zeitfaktor. Alternativ kann es daher vorteilhaft sein, Gebäude oder bestehende Funkmasten zu nutzen.

Glasfaser in Greven

Bald rollen die Bagger. Denn die Stadtwerke Greven werden die „weißen Flecken“ in Greven mit Breitband versorgen. „2017 haben wir begonnen, uns mit dem neuen Geschäftsfeld ‚Breitband‘ auseinanderzusetzen“, sagt Geschäftsführerin Andrea Lüke. „Wir sind von der Glasfasertechnik überzeugt – sie ist als Teil der Daseinsvorsorge ein ‚Muss‘ in unserem Angebot und ein wichtiger Standortfaktor für die Kommune. Sie wird unser bisheriges Produktportfolio wesentlich ergänzen und Cross Selling Produkte möglich machen.“

Also beteiligten sich die Stadtwerke Greven 2018 an der Ausschreibung der Stadt für den flächendeckenden NGA-Breitband-Ausbau. NGA bedeutet Next Generation Access. Der Zuschlag ist erteilt, alle Projektvorbereitungen sind getroffen. Jetzt heißt es warten auf den Zuwendungsbescheid der atene KOM aus Berlin. „Das Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt. Da selbst das sehr sportlich ist, kombinieren wir den Ausbau nicht mit dem Verlegen von beispielsweise Strom- oder Gasleitungen. Das würde zu lange dauern“, erklärt Simon Werning, technischer Prokurist. „Wir sprechen hier von 220 Kilometern Glasfaserleitung auf einer Fläche von 140 Quadratkilometern.“

Die möglichen Anwendungen werden dann Internet und Telefonie sein, später vielleicht noch Fernsehen. „Wir erschließen in den ersten vier Ausbauschritten ausschließlich unterversorgte Gebiete. Das heißt alles, was heute mit weniger als 30 Mbit versorgt ist, also hauptsächlich die Außenbereiche von Greven“, so Andrea Lüke.

Von Anfang an mit von der Partie: Thüga SmartService (TSG). „Sie ist mit uns in das Bewerbungsverfahren gestartet und hat schon bei der Abgabe unseres Angebots eine wesentliche Rolle gespielt“, sagt Werning. „Wir durften beispielsweise unsere Leistungsfähigkeit nachweisen und konnten dafür auch die Referenzobjekte der TSG nutzen.“ Für die Kalkulation des wettbewerbsfähigen Angebots konnten die Grevener außerdem auf die Marktpreise aus den Rahmenabkommen des Thüga-Beschaffungsnetzwerks zurückgreifen. Für die Bauphase können sie Material über den Mandatseinkauf und das Standardleistungsverzeichnis der Thüga zu guten und sicheren Bedingungen beschaffen. Die TSG wird die Stadtwerke weiterhin beim Betrieb der aktiven Technik und bei den Serviceprozessen hinter dem Kundenkontakt unterstützen. Die Stadtwerke sind für den Aufbau der Infrastruktur des passiven Netzes zuständig sowie für den Kontakt mit den Kunden.

Einkauf von M2M-Karten für Smart Meter: Gemeinsam günstiger

Das Smart Meter-Gateway (SMGW) ist die zentrale Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems. Dessen Hauptaufgabe ist es, Verbrauchsdaten an den Energieversorger zu übertragen, der dann die die Rechnungen stellt. „Die Daten werden über vorhandene Mobilfunknetze zu den jeweiligen Energieversorgern gesendet. Damit Daten übertragen werden können, müssen die Smart Meter mit sogenannten Machine-to-Machine (M2M)-SIM-Karten ausgestattet werden“, erklärt Bruno Zenkel, Zentralbereich Einkauf bei der N-ERGIE. Er gehört zum Lead Buyer-Team für Mobilfunk, dem neben Alexander Weiss, Einkauf bei der Thüga, auch Mitarbeiter der enercity, der Mainova und der Thüga SmartService angehören.

Das ist ein illustratives Bild.Im Lead Buyer-Einkauf erfolgt der strategische Einkauf für ausgewählte Themen gemeinsam in unternehmensübergreifenden Beschaffungsteams. „Ziel ist, den Ausschreibungsaufwand in den einzelnen Häusern zu minimieren und von Skaleneffekten in der Beschaffung zu profitieren“, erläutert Marcus Schulz, Leiter Einkauf der Thüga. Jetzt hat Thüga nach einer Ausschreibungsphase drei Rahmenverträge unterzeichnet, die einen gebündelten M2M-Karten-Einkauf mit entsprechenden Preisvorteilen ermöglichen. Weiss: „Das gute Ausschreibungsergebnis war nur durch gelungene Teamarbeit möglich.“ So hat die N-ERGIE die formale Abwicklung der Ausschreibung und die Thüga SmartService die technische Federführung übernommen. Neben dem steigenden Bedarf an M2M-Karten im Zuge des Smart Meter-Rollout ist auch eine weitere Verwendung der M2M-Karten geplant: die Ausstattung von Ladesäulen, deren Kommunikation ebenfalls mithilfe dieser Karten funktioniert. Zenkel ist zuversichtlich: „Auch dieser Markt wird wachsen.“

Ö-WLAN: Gut fürs Image

„Bürgermeister Andreas Dittmann war der Treiber für das öffentliche WLAN in unserer Stadt“, sagt Jürgen Konratt, Geschäftsführer der Gasversorgung Zerbst. „Vor gut einem Jahr kam er mit der Frage auf uns zu, ob wir bereit wären, das in Angriff zu nehmen, wenn die entsprechenden Fördermittel genehmigt würden. Wir waren bereit.“ Mithilfe eines Teams der Thüga SmartService (TSG) beantragten sie rasch den Antrag auf Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt. „Innerhalb kürzester Zeit hatten wir auch die Bewilligung“, erinnert sich Konratt. „Wir hatten zudem das Glück, dass zur selben Zeit die Telekom in Zerbst Breitband zu verlegen begann. Sonst wären wir nicht in der Lage gewesen, die benötigte Anforderung von 50 Mbit zu stellen.“

Von links: Stadtwerkegeschäftsführer Jürgen  Konratt, Bürgermeister Andreas Dittmann und Landeswirtschaftsminister Armin Willingmann schalten bei der Gewerbefachausstellung in Zerbst den WLAN-Hotspot frei.

Doch die Zusammenarbeit mit dem Kommunikationsunternehmen gestaltete sich mühsamer als gedacht. Konratt: „Eigentlich sollten die acht vereinbarten Hotspots in der Stadt bis Ende 2018 freigeschaltet sein. Leider sind bis dato nur vier in Betrieb.“ Der Geschäftsführer glaubt, dass es der Telekom an der nötigen Schwungmasse fehlt. Sprich: Sie hat mehr versprochen, als sie halten kann. Auch sonst ruckelte die Umsetzung etwas: „Die Kosten sind höher als kalkuliert.“ Einiges Kopfzerbrechen macht dem Unternehmen zudem ein sozialer Brennpunkt der Stadt: „Sollen wir an einem solchen Ort das Ö-WLAN einschränken, etwa zeitlich begrenzen? Da haben wir noch keine eindeutige Antwort gefunden“, so Konratt.

Trotzdem steht der Geschäftsführer voll hinter der Entscheidung, für Zerbst das öffentliche WLAN zu betreiben: „Für uns ist das eine klare Positionierung als modernes, zukunftsfähiges Unternehmen in Sachsen-Anhalt. WLAN ist Imagepflege.“ Entsprechend wird es auf der Webseite des Gasversorgers und auf Facebook beworben. Sein Tipp für Thüga-Partnerunternehmen, die sich für das Geschäftsmodell Ö-WLAN interessieren: im Vorfeld die vorhandene Infrastruktur genau sondieren und prüfen, ob sie die entsprechenden Anforderungen erfüllt. Und sich darauf einstellen, dass sich die Umsetzung etwas holpriger gestalten kann als erwartet.

Lampe kaputt – LoRaWAN funkt’s

Bei einer defekten Straßenlampe waren die Stadtwerke Singen bisher darauf angewiesen, dass Kunden die Störung meldeten. Das ist nun durch LoRaWAN nicht mehr nötig. Die Thüga Energienetze (THEN) ist mit Unterstützung der Thüga SmartService (TSG) dabei, das Straßenbeleuchtungsnetz mit Stromzählern mit LoRaWAN-Schnittstellen auszurüsten.

Straßenlampen brennen die ganze Nacht, haben also eine kontinuierliche Last. Fällt eine Lampe aus, so misst der Zähler diese Abweichung und die LoRaWAN-Schnittstelle übermittelt die Information an die Stadtwerke. „Am Ende werden wir rund neun Funkstationen und rund 100 Zähler im Beleuchtungsnetz von Singen angebracht haben“, sagt Dietmar Ehinger von der THEN. „Eine Smart Client-Software der TSG soll die Messungen visualisieren, daran arbeitet die TSG gerade.“ Mithilfe von LoRaWAN lassen sich zahlreiche weitere Anwendungsfälle umsetzen, wie zum Beispiel das Energiedatenmanagement von größeren Arealen wie Schul- oder Krankenhausgeländen oder von ganzen Städten – durch das Straßenbeleuchtungsprojekt sammelt die THEN derzeit erste Erfahrungen.