Wohnungsbaugesellschaften haben mit der Heizkostenabrechnung viel Arbeit. Mit der Lösung der Thüga-Plattformen wird die Datenverarbeitung deutlich leichter.

Behaglich ist für jeden anders. Rentner haben es gern die ganze Woche konstant bei 24 Grad. Bei manchen Berufstätigen ist die Heizung mangels Anwesenheit nur im Bad kurz an. Nicht anders im Gewerbe: Die Massagepraxis im ersten Stock braucht es wärmer als die Spenglerei im Erdgeschoss. Damit die Abrechnung der Heizkosten fair vonstattengeht, wird der Verbrauch getrennt nach Wohn- oder Gewerbeeinheit ermittelt. Die Zeit der Glasröhrchen mit Verdunstungsflüssigkeit in verplombten Halterungen an jedem Heizkörper ist zwar vorbei. Ein großer Teil der Kosten und Probleme steckt aber noch immer im Ablesevorgang vor Ort. Ralf Anselm, Leiter Innovationsmanagement & IT bei Thüga Energie: „Ein durchschnittliches Gewerbeobjekt mit mehreren Einheiten wie etwa das DAS1 in Singen kommt auf über 100 Messstellen. Vom fristgerechten Anmelden bis zum Abgehen aller Heizkostenverteiler und Kaltwasserzähler, dem Notieren der Werte und dem Wiederholungsbesuch ist ein Ableser viele Stunden beschäftigt.“

Ablesen im Walk-by-Verfahren

Dank aktueller Funktechnik kann sich der Ableser heute den Weg in die einzelnen Gebäudeeinheiten sparen. Per 868-MHz-Frequenz kommen die Signale aus Kellern, Wohnungen, Büros und Dachgeschossen bis vor die Gebäude. Dort sammelt ein Mitarbeiter vor Ort die Daten mit einem mobilen Lesegerät drahtlos ein. Rund 100 Meter schaffen die kleinen Sendemodule an den einzelnen Zählern. Beim sogenannten Walk-by-Verfahren muss der Ableser nur noch dann unmittelbar an die Zähler heran, wenn die Messwerte unplausibel sind oder komplett fehlen. Dank der geringen Sendeleistung und geschickt wählbarer Sendezeiten können die batteriegespeisten Geräte circa zehn Jahre ihre Daten auf diese Weise weitergeben. Dann muss gewechselt werden. Anselm: „Diese Technik bildet eine solide Basis für einen äußerst schlanken und zuverlässigen Abrechnungsprozess. Mit ihm erhalten Stadtwerke die Möglichkeit, Großkunden wie Hausverwaltungen, die sie ohnehin mit Strom, Gas oder Wasser beliefern, eine konsolidierte Energie-, Heiz- und Betriebskostenabrechnung aus einer Hand bieten zu können – ein echter Mehrwert.“

Abrechnung aus einer Hand

Was neben der richtigen Ablesetechnik für die komplette Lösung noch fehlte, war das entsprechende Abrechnungs- und Software-Know-how. Die richtigen Partner dafür waren im Thüga-Verbund schnell gefunden. Die E-MAKS mit Sitz in Freiburg ist Spezialist in Abrechnungsfragen. Sie übernimmt sowohl das Erfassen der Messwerte als auch das Aufbereiten der Daten und die konsolidierte Rechnungslegung. Conergos in München wiederum ist Spezialist für die Systembereitstellung und das Hosting der Abrechnungssoftware. In einem nächsten Schritt könnte Thüga SmartService auch die digitale Infrastruktur aufbauen, sodass die Gesamtlösung komplett in Thüga-Hand liegt. Zusammen bieten sie einen Service, „dessen Nutzen die Stadtwerke nicht nur günstiger kommt, als ihn selbst darzustellen. Wir schaffen damit ein zusätzliches Angebot, das den Versorgern hilft, Kunden in einem immer stärker umkämpften Versorgungsmarkt an sich zu binden“, sagt Selina Thoma, bei E-MAKS zuständig für Marketing und Gremienarbeit. „Mit dieser Lösung begeben sich Stadtwerke auf den Weg vom Versorger zum Umsorger. Heiz- und Betriebskostenabrechnung ist ein essenzieller Bestandteil des Zukunftskonzepts von Thüga. Die Lösung steht und alle Partnerunternehmen können sie nutzen.“

Referenzprojekte im Südwesten

Die ersten Projekte sind erfolgreich realisiert. Der Energieversorger badenova in Freiburg konnte einer großen Hausverwaltung für einen Gebäudekomplex mit knapp 150 Wohneinheiten die Abrechnung für alle Energiekosten zur Verfügung stellen – übersichtlich aufgesplittet nach Verbrauch pro Nutzeinheit, fristgerecht zum vereinbarten Termin. Auch badenova hat mit E-MAKS die Betriebskostenabrechnung eingeführt und ist vom Mehrwert der Lösung überzeugt. In Singen ging mit dem DAS1 in der Julius-Bührer-Straße der erste größere Gebäudekomplex auf Basis des Lösungspakets an den Start. Der Verbund der am Projekt beteiligten Thüga-Unternehmen übernimmt auch die Weiterentwicklung. Im Aufbau befindet sich zum Beispiel ein Webportal, über das Stadtwerke die Basisdaten ihrer Kunden pflegen und den gesamten Prozess bei Bedarf im Detail verfolgen können. Auch zeichnet sich mit einer neuen Funktechnik der nächste Effizienzhub ab. Das Long Range Wide Area Network, kurz LoRaWAN, könnte den Ableser des Walk-by-Verfahrens überflüssig machen. Die Funkmodule dieses Netzwerks, das für die Übermittlung von kleinen Datenmengen über weite Entfernungen optimiert ist, schicken Daten direkt in die Zentrale, je nach gewählter Taktung tagesaktuell. „Das wäre nicht nur eine ganze Kategorie effizienter als die jetzt eingesetzte Funklösung“, sagt Anselm. „Es könnte auch Basis für weitere Mehrwertlösungen wie Energiemonitoring oder proaktive Tipps zum Energiesparen sein.“

Herausforderung

Der Prozess der Heiz- und Betriebskostenabrechnung ist sehr aufwendig. Die Wohnungswirtschaft sucht nach einfachen und kostengünstigen Lösungen aus einer Hand, idealerweise das Stadtwerk als regionaler Ansprechpartner.

Lösung

Die Thüga-Plattformen stellen für Stadtwerke eine Paketlösung zur Verfügung: E-MAKS erhebt und verarbeitet die Daten und ist verantwortlich für die Rechnungslegung. Conergos stellt die IT-Infrastruktur zur Verfügung. In Planung ist, dass Thüga SmartService die digitale Infrastruktur (Sensoren, Datenübertragung, Backend) bereitstellt.

Walk-by-Verfahren

Diese Technik zum Ablesen der Heizkostenverteiler verwendet einen Funkstandard, der die Daten auf kurze Entfernungen übertragen kann. Im freien Feld sind Distanzen von rund 100 Metern möglich. Das erfordert den mobilen Ableser vor Ort, der die Daten vor dem Gebäude drahtlos einsammelt.

LoRaWAN

Long Range Wide Area Network kann deutlich größere Distanzen überbrücken. So könnten in Zukunft die Daten direkt in die Zentrale übertragen werden.