Thüga berät Stadtwerke bei der Digitalisierung. Dazu gehört neben einer Digitalisierungsstrategie vor allem die Antwort auf die Frage, wie sich der Weg zum Ziel mithilfe einer Roadmap klar strukturieren lässt. Dr. Elke Wanke, Expertin für Digitalisierungsstrategie im Kompetenzcenter Digitalisierung und Kaufmännische Beratung (DK) bei Thüga erklärt, warum das so wichtig ist: „Wir brauchen einen Plan, denn einfach loslaufen und machen bringt wenig.“

Digitalisierung – ein Buzzword? Seit Jahren sprechen wir von der Digitalisierung und meinen dabei viele verschiedene Dinge. Gerne zitieren Experten die Musikindustrie, in der ein neuer Komprimierungsalgorithmus (mp3) eine komplette Umwälzung auslöste. Andere denken bei Digitalisierung daran, das Licht per Sprachbefehl einzuschalten und vom Abendessen bis zum Auto ist alles online bestellbar.

Das betrifft auch Stadtwerke: Kunden erwarten Digitalisierung, Online-Abschluss, Online-Kundencenter und Online-Kontakt. „Stadtwerke müssen die Digitalisierung angehen. Sie ist eine Chance“, sagt Wanke. Laut der BDEW-Studie „Digital@EVU“ aus dem Jahr 2017 haben sich viele Stadtwerke bereits mit einer Digitalisierungsstrategie beschäftigt, doch der Plan zur Umsetzung fehlt oft. „Einfach loslaufen und machen bringt wenig“, so Wanke. „Zuerst geht es darum, den Sinn von Digitalisierung zu verstehen.“ Dieser lässt sich laut Wanke in einem Satz definieren: „Kundennutzen und Mitarbeiternutzen stehen im Zentrum.“ Und beide bedingen sich gegenseitig. Denn Mitarbeiterinnen, die Zeit und Kosten bei Verwaltungstätigkeiten sparen, haben mehr Zeit für die Kundenbetreuung. Geringere Kosten stabilisieren sinkende Margen und schaffen Raum für attraktive Preise. Und Kundinnen, die ihre Anliegen unkompliziert online lösen und neue Produkte angeboten bekommen, bleiben bei ihrem Stadtwerk vor Ort, statt zu wechseln.

Klebepunkte, Post-Its und Stifte bilden die Grundlage für einen Design Thinking Workshop

Utensilien liegen für einen Design-Thinking-Workshop bereit. Quelle: Gautam Lakum / Unsplash

Digitalisierungsstrategie legt Ziel fest

Was so einfach klingt, braucht einen umfassenden Plan. „Ohne eine Digitalisierungsstrategie ist das Ziel bestenfalls undeutlich zu erkennen“, erklärt Wanke. Denn: Für den Weg zum Ziel braucht es eine Landkarte, eine „Digitalisierungsroadmap“ mit einzelnen Meilensteinen. Die Digitalisierung von Stadtwerken erfolgt in Themenschwerpunkten, die nebeneinanderstehen, sich aber gegenseitig bedingen. Wanke betont: „Eine Digitalisierungsstrategie muss sich immer umfassend mit allen vier Bereichen auseinandersetzen.“ Diese sind: Digitale Kundenbeziehungen, Digitale Produkte und Lösungen, Digitaler Stadtwerksbetrieb und Digitale Fähigkeiten.

Warum die Säulen nebeneinander und nicht nacheinander „gebaut“ werden müssen, erläutert Wanke an zwei Beispielen: „Ein digitales Kundenportal nutzt nur, wenn auch die Prozesse digitalisiert sind. Gleichzeitig schaffen digitalisierte Prozesse den Mitarbeiter im Stadtwerk den Freiraum, um neue, innovative Produkte zu entwickeln.“ Damit die Digitalisierung nicht ungeplant läuft, begleitet das Kompetenzcenter DK Thüga-Partner während des Prozesses. „Oft starten wir mit Methoden, die in unserer Branche neu sind, beispielsweise Design-Thinking-Workshops“, sagt Wanke.

„Iteration“: Immer wieder den Weg prüfen

Aus den Workshops entstehen individuelle Digitalisierungsstrategien, die dann in einer Roadmap konkretisiert werden. In jeder der vier Säulen bietet die Thüga Produkte und Lösungen, wie beispielsweise Robotics, Angebote zum Digitalen Dokumentenmanagement oder die Potenzialanalyse für öffentliche Ladeinfrastruktur. Wichtig bei der Digitalisierung von Stadtwerken: Jedes Unternehmen ist anders, hat andere Voraussetzungen und Schwerpunkte. Manche Unternehmen haben einzelne Bereiche bereits digitalisiert. Sie müssen sich erst darauf konzentrieren, in anderen Bereichen aufzuholen. Immer aber gilt: Eine Roadmap ist nicht in Stein gemeißelt. Regelmäßige Überprüfungen können dazu führen, dass der Weg zum Ziel geändert wird. Wanke erläutert: „Das ist wie im Auto. Manchmal plant das Navi eine Route, dann kommt ein Stau und es findet einen neuen, besseren Weg.“

Ähnlich wie beim Navi müssen Anwendungen und Prozesse nicht neu gedacht werden. Der bestehende Thüga-Produktkatalog ist so etwas wie das Kartenmaterial. Er stellt sicher, dass Umstellungen kostengünstig nach einem Standard erfolgen. „Wir müssen das Rad nicht in jedem Unternehmen neu erfinden“, so Wanke. Dazu kommt, dass Stadtwerke durch die Standards auch von den Erfahrungen anderer Unternehmen aus der Thüga-Gruppe profitieren. „Und bei standardisierten Daten haben wir den großen Vorteil, dass sie vergleichbar sind“, erklärt Wanke. Diese sammelt die Thüga-Gruppe in einem „Datensee“, der in Zukunft die Grundlage für Big-Data-Analysen bildet.