„Digitalisierung hat bei uns Priorität“

2016 nahm gut ein Dutzend Unternehmen der Thüga-Gruppe an Digitalisierungsworkshops teil. Ziel war, eine Digitalisierungs-Roadmap zu entwickeln. Markus Kittl, Leiter Technik und Kommunalmanagement Thüga Energienetze (THEN), berichtet, was ihm die Beratung brachte.

Markus Kittl

Leiter Technik und Kommunalmanagement Thüga Energienetze

„Wir vermitteln unseren Mitarbeitern die Strategie. Denn es ist uns wichtig, unsere Mitarbeiter auf die Reise mitzunehmen.“

Die TEN hat bei der Digitalisierungsberatung der Thüga mitgemacht. Warum?

Digitalisierung hat eine hohe Priorität. Die Digitalisierungsberatung schärfte bei uns den Fokus auf bekannte Themen, zeigte neue auf und hat es uns erleichtert, Projekte zu priorisieren, um eine eigene Roadmap zu entwickeln.

Bei dem Workshop waren auch Mitarbeiter der Boston Consulting Group dabei. Was konnten sie Ihnen zeigen?

Die Berater haben eine enorme Methodenkompetenz und brachten uns agiles Arbeiten näher. Wir hatten festgestellt, dass wir bei der strukturierten Umsetzung von Projekten Optimierungspotenzial haben. Deshalb haben wir uns agile Projektmethoden näher angesehen und einen Projektstrukturplan aufgestellt. Jetzt haben wir Controllinginstrumente eingeführt. Beispielsweise wird der Projektstand beim Projektleiter regelmäßig eingeholt und mit einem Ampelsystem bewertet. So können wir eingreifen, wenn etwas schiefgeht.

Was konnten Sie bei dem Workshop noch mitnehmen?

Die Berater haben uns sensibilisiert. So konnten wir die Megatrends besser einordnen und die große Aufgabe Digitalisierung auf einzelne Themenbereiche herunterbrechen.

Welche Themenbereiche sind das?

Bei dem Workshop mit der Boston Consulting Group haben wir uns auf die für uns wichtigsten Themen fokussiert. Eines davon war die schnelle Umsetzung automatisierter Mitarbeiterprozesse. Das fängt beispielsweise mit der Einführung eines digitalisierten Urlaubsantrags an. Ein weiteres Thema war D.A.S., die digitale Auftragssteuerung, die nun bereits operativ läuft. Die Investitions- und Unterhaltsaufträge aus SAP gehen über eine mobile Anbindung direkt an den Monteur und werden nach Bearbeitung wieder in die Systeme zurück gespielt. Der Auftrag kann so komplett automatisiert abgewickelt werden. Mit D.A.S.-mobil funktioniert der Vorgang über Tablets. Daneben entwickeln wir D.A.S.-metering, eine Zählerwechsel- und Zählerablese-App für den neuen Messstellenbetrieb. Ein weiterer Themenbereich war unser Energieportal für Kommunen. Das ist eine Internetplattform mit allen wichtigen Infrastruktur- und Energiedaten, zum Beispiel Informationen über aktuelle Baumaßnahmen, Netz- und Konzessionsdaten. Bürgermeister können sich auf dem Portal einloggen und immer auf dem Laufenden bleiben.

War bei der Beratung auch der Messstellenbetrieb ein Thema?

Es gab das Projekt „Intelligentes Messsystem plus X“. „Plus X“ steht dabei für die Frage: Was können wir über das klassische Rollout hinaus tun? Und dann haben wir noch das Thema Informationssicherheitsmanagementsystem (ISMS) beleuchtet. Das war uns sehr wichtig, denn die THEN unterliegt als „kritische Infrastruktur“ strengen gesetzlichen Anforderungen. Gerade haben wir die Zertifizierung dafür erhalten. Da­rauf sind wir sehr stolz.

Nach der Digitalisierung ist vor der Digitalisierung. Was sind Ihre nächsten Schritte?

Digitalisierung ist ein nie endender Prozess. Deshalb führen wir einen Folgeworkshop durch – dieses Mal mit Annette Suckert, der Leiterin IT-Management und Digitalisierung bei der Thüga. In dem Workshop möchten wir die Digitalisierungsstrategie 2018/19 weiter entwickeln.

Welche Projekte planen Sie für die Zukunft?

Aufgrund unserer Regionalstruktur ist eines unserer wichtigsten Themen für die Zukunft standortübergreifendes, ortsunabhängiges Arbeiten. Dafür setzen wir auf automatisierte Prozesse und Cloud-Lösungen. Wenn alle auf die gleichen Dokumente und Prozesse zugreifen können, ist es egal, wo jemand arbeitet. Ein anderes wichtiges Thema ist Smart City und der smarte Netzbetrieb. Digitalisierung und Fernübertragung ist hier das Schlagwort: die Vernetzung von Gebäuden, Anlagen und Produkten über Sensortechnik. Gemeinsam mit Kommunen arbeiten wir an smarten Lösungen. Fernübertragung ist hier das Schlagwort: die Vernetzung von Gebäuden, Anlagen und Produkten über Sensortechnik. Gemeinsam mit Kommunen arbeiten wir an smarten Lösungen.

Haben Sie Beispiele für smarte Lösungen?

Ein Beispiel dafür ist die kostengünstige Übertragung von Netzzuständen. Sensoren im Stromnetz melden Lastzustände, um auf künftige Anforderungen, wie die wachsende Elektro-Mobilitätsinfrastruktur, schneller reagieren zu können. Weitere Beispiele sind intelligente Straßenbeleuchtung und Verkehrsflusssteuerung oder der Zusatznutzen von SmartMetern. Die Themen erarbeiten wir gemeinsam mit der Thüga SmartService GmbH und E-MAKS. Hier macht sich die Stärke der Thüga-Gruppe wirklich bezahlt.

Gibt es Ängste bei den Mitarbeitern?

Viele sind sehr neugierig und gespannt. Aber es gibt auch Sorgen und Bedenken – das ist nicht von der Hand zu weisen. Das nehmen wir ernst. Wir vermitteln unseren Mitarbeitern die Strategie und die vielen kleinen Schritte, die zur Umsetzung notwendig sind. Denn es ist uns wichtig, unsere Mitarbeiter auf die Reise mitzunehmen.