Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat ein Projekt ins Leben gerufen, um den Fortschritt bei der Digitalisierung der Energiewende zu messen. Was hat bislang gut funktioniert, was nicht und welche Lehren ergeben sich daraus für die Zukunft?

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Markus Wörz

markus.woerz@thuega.de

Wir kennen es aus dem Wetterbericht oder der Wahlberichterstattung: Das Barometer liefert Indizien für Veränderungen – am Himmel wie in der Politik. Diese Eigenschaft hat sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) zu Nutzen gemacht, um den Fortschritt bei der Digitalisierung der Energiewende zu messen. „Das Projekt wird große Auswirkungen auf unsere Branche haben. Was dort wissenschaftlich erarbeitet wird, bildet die Grundlage für energiepolitische Entscheidungen und die Gesetzgebung der Zukunft,“ so Markus Wörz von der Stabsstelle Energiepolitik der Thüga. Seit gut einem Jahr läuft das Projekt. Ende September wurden erste Zwischenergebnisse präsentiert.

Da der Rollout der intelligenten Messsysteme noch nicht begonnen hat, haben die Gutachter des Barometers zur Digitalisierung der Energiewende Arbeitshypothesen aufgestellt. Diese wurden an den bisherigen Entwicklungen gespiegelt. Ganz nach dem Motto: Was hat bislang gut funktioniert, was nicht und welche Lehren ziehen wir daraus für die Zukunft? In Summe hat Ernst & Young damit die richtigen Fragen aufgeworfen, das staatliche Handeln kritisch hinterfragt und Empfehlungen ausgesprochen. Sinnvoll könnte unter anderem ein übergreifendes Projektmanagement durch das BMWi sein, damit die staatlichen Akteure bei der Digitalisierung der Energiewende künftig besser aufeinander abgestimmt vorgehen.

Das „Barometer für die Digitalisierung der Energiewende“ des BMWi erfasst den Grad und den Fortschritt der Digitalisierung für jede Stufe der Wertschöpfungskette der Energiewirtschaft – von der Erzeugung über die Verteilung bis zum Verbrauch.

Beim Topthema 1 – Verbraucher, Digitalisierung und Geschäftsmodelle – lassen sich noch keine Entwicklungen von zukünftigen Geschäftsmodellen auf Basis der Digitalisierung erkennen. Zum einen sind den Kunden die digitalen Angebote der Energieversorger noch nicht ausreichend bekannt und zum anderen reagieren sie bislang eher verhalten was die Nutzung solcher Angebote betrifft. Das dürfte sich im Verlauf der nächsten Jahre ändern und wird im Projekt 2019 und 2020 weiter überprüft.

Mit dem Instrument der Spitzenglättung hat das BET Büro für Energiewirtschaft beim Topthema 2 – Regulierung, Flexibilisierung und Sektorenkopplung – einen Wow-Effekt erzeugt. Demnach sollen Netzbetreiber künftig die Möglichkeit haben, flexible Verbrauchseinrichtungen spontan und zeitlich eng begrenzt zu steuern. Damit verbunden ist die Idee, den klassischen Hausanschluss von bislang 30 Kilowatt (kW) in einen unbedingten Teil von 5 kW und einen bedingten Anteil von 25 kW zu unterteilen und die Netzentgelte abhängig von der Kundenflexibilität zu gestalten.

Dass die Telekommunikationsinfrastruktur bei zunehmender Digitalisierung an Bedeutung gewinnen wird, findet breiten Konsens. Stellt sich nur die Frage, welche Technologie der Energiewirtschaft am meisten dient. Das WIK Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste leitet aus seinen Untersuchungen zum Topthema 3 – TK-Netzinfrastruktur und Regulierung – zwei favorisierte Technologien in unterschiedlichen Frequenzbereichen ab: das öffentliche Sub-GHz-Mobilfunknetz sowie das dedizierte 450MHz-Mobilfunknetz. Abzuwarten bleibt, welche Anpassungen auf regulatorischer Ebene dafür notwendig werden.