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Reichenbach – 800 Jahre Stadtgeschichte im Vogtland  

Die Stadt hat dieses Jahr allen Grund zum Feiern – sie wird 800 Jahre alt. Ihre Anfänge gehen zurück auf die Vögte von Weida, Gera und Plauen, die im 11. bis 16. Jahrhundert im Gebiet der heutigen Länder Thüringen und Sachsen regierten. Nach ihnen ist das Vogtland (terra advocatorum) zwischen oberer Saale, Pleiße und Regnitz benannt. Dort entstand auf einem Felsplateau mit wasserreichen Bächen als eine der ersten Siedlungen die „civitati richenbach“ ("riche" – reich "bach" – fließendes Wasser), erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1212.

Der günstigen Verkehrslage an den alten Fernstraßen verdankt Reichenbach seine Entstehung und Entwicklung. Das Tuchmachergewerbe und der Tuchhandel prosperierten und brachten Wohlstand in die Stadt, der jedoch im 18. Jahrhundert der rückläufigen Konjunktur und Stadtbränden zum Opfer fiel. 

Die Eröffnung des ersten Reichenbacher Bahnhofs Mitte des 19. Jahrhunderts begünstigte eine neue wirtschaftliche Blüte. Mit der Industrialisierung etablierten sich Webereien, Tuchfabriken und Färbereien, unter anderem die international renommierte Woll- und Seidenweberei Schultz & Donner. Metallverarbeitende Unternehmen und Betriebe zur Papierherstellung siedelten sich an und ließen die Stadt rapide wachsen. Der bedeutende Pionier des Autobaus, August Horch, gründete in Reichenbach ein Automobilwerk und kreierte 1903 mit dem Horch Tonneau das erste deutsche Auto mit Vierzylindermotor. 

Berühmte Tochter der Stadt ist die 1697 in Reichenbach geborene Schauspielerin und Prinzipalin Friederike Caroline Neuber. Sie prägte die Reform des deutschen Theaters und verbannte den Harlekin von der Bühne. Angesteckt vom Geist der Aufklärung setzte sie mit ihrer Schauspieltruppe die Ideen des Theaterreformers Christoph Gottsched in die Tat um. Das Possenspiel wich dem künstlerisch anspruchsvollen deutschsprachigen Theater, das sozialkritische Themen zum Inhalt hatte.

Die Erfahrungen aus der Tradition der Tuchweber nutzt heute die Westsächsische Hochschule. Sie gilt als renommierte Adresse für die Fachrichtungen Textil- und Ledertechnik. Die Sächsische Landesgartenschau 2009 in Reichenbach verwandelte die Stadt in ein Blumenmeer. So entstand der Park der Generationen, die grüne Lunge im  Herzen der Stadt. Eine großzügige Parklandschaft lädt den Besucher zum Erkunden und Verweilen ein.